Der Freizeitbrief, 26, 4. Jg., Juni 1983

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Familienurlaub 1983: Gemeinsam verreisen – getrennt Urlaub machen

    Familienurlaub 1983: Gemeinsam verreisen – getrennt Urlaub machen

    Ein gemeinsamer Familienurlaub muß nicht zu einem Alptraum werden, auch wenn die Vorstellungen über einen gelungenen Urlaub zwischen Jugendlichen und ihren Eltern stark voneinander abweichen. Voraussetzung ist allerdings, daß Jung und Alt aufeinander Rücksicht nehmen und sich gegenseitig genügend Freiraum für individuelle Urlaubswünsche lassen. Dies ist die Empfehlung des Hamburger Freizeitforschers Prof. Dr. Opaschowski aufgrund einer Repräsentativumfrage des BAT Freizeit-Forschungsinstituts.

    Während die Jugendlichen im Urlaub möglichst viel erleben und Abwechslung haben wollen, wünschen sich die Älteren vor allem Ruhe, Erholung und Entspannung. Dies führt häufig zu Spannungen und Konflikten. Wie aus der Befragung hervorgeht, ist der Anteil der 14 bis 19-jährigen, die einen Erlebnisurlaub suchen, fast dreimal so hoch (55 %) wie bei den 40- bis 49-jähringen (19 %). Umgekehrt sind die Erwartungen der Älteren vom Urlaub überwiegend auf Erholung ausgerichtet (61 %), was für die Jugendlichen eher als Nebensache gilt (33 %).

    Während junge Leute nach der BAT-Studie mehr mit anderen Menschen zusammenkommen (76 %) und sich weniger im Familienkreis aufhalten wollen (14 %), möchten 41 % der 40- bis 49-jährigen im Urlaub vor allem mit der Familie zusammensein.

    Dazu Prof. Opaschowski: „Der familiäre Urlaubsstreit ist beinahe vorprogrammiert, wenn es nicht gelingt, die ich-bezogenen Urlaubswünsche mit den familienorientierten Vorstellungen in Einklang zu bringen.“

    Nach dem Motto 'Vereint verreisen - getrennt Urlaub machen ' können sowohl die Wünsche nach individuellen Urlaubsbetätigungen als auch nach gemeinsamen Erlebnissen in der Familie unter einen Hut gebracht werden.

    Eltern, die mit Kindern über 14 Jahren verreisen wollen, rät der Hamburger Freizeitforscher, nicht so sehr auf häufige gemeinsame Aktivitäten Wert zu legen, sondern sich mit zwanglosem Zusammensein zu begnügen. Auf diese Weise kann verhindert werden, daß die Jugendlichen über zu viel Aufsicht und zu wenig Bewegungsfreiheit klagen.

    Familienurlaub 1983 heißt verständnisvoll sein. Zwar mit der Familie zusammensein, aber sich nicht dauernd mit der Familie beschäftigen.

    „Gutes Wetter“ am wichtigsten für gelungenen Urlaub

    Was Urlauber am wenigsten beeinflussen können, das Wetter, darauf kommt es ihnen am meisten an. Nach einer Repräsentativbefragung des BAT Freizeit-Forschungsinstituts halten 63 % der Bundesbürger „Gutes Wetter“ für am wichtigsten in einem gelungenen Urlaub.

    „Erholen, entspannen, abschalten“ ist der große Urlaubswunsch für rund jeden zweiten Befragten (52 %), gefolgt von „Tun, was einem gefällt“ (49 %). Geselligkeit steht hoch im Kurs: „Mit anderen Menschen zusammenkommen“ rangiert mit 38 % noch vor dem „Ausschlafen“ (37 %).

    Der finanzielle Aspekt scheint für die meisten Urlauber eine geringere Bedeutung zu haben als man glaubt: Nur für 21 % der Befragten ist „Sich etwas leisten können“ das Wichtigste. „Etwas für die Bildung tun“ ist im Urlaub beim Volk der Dichter und Denker nicht so gefragt. Nur 10 % entschieden sich dafür.