Der Freizeitbrief, 32, 5. Jg., April 1984

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Senioren-Programme meist wenig beliebt

    Senioren-Programme meist wenig beliebt

    Die herkömmlich organisierte Freizeit findet viele Kritiker

    „Wer so etwas nötig hat, muß wirklich alt sein“ oder „Da gehen doch nur Greise hin“ sind typische Antworten von 58- bis 68-jährigen Ruheständlern auf die Frage nach ihrer Einschätzung von sogenannten Senioren-Programmen.

    Wer sich noch gut selbst beschäftigen kann – und das sind, wie aus einer repräsentativen Erhebung des BAT Freizeit-Forschungsinstituts hervorgeht, gut zwei Drittel dieser Altersgruppe - hat noch nie an einem speziellen Senioren-Freizeitprogramm teilgenommen. Wiederum die Hälfte von ihnen hält solche Programme schlicht für überflüssig. Die psychologische Erklärung: Viele unserer älteren Mitbürger fühlen sich zu jung, sie halten Kontakte mit der jüngeren und mittleren Generation für lebenswichtiger. Wer regelmäßig an Senioren-Programmen teilnimmt, begibt sich in die Isolation, ja schlimmer noch, dokumentiert die Unfähigkeit, sich selbst zu helfen.

    Für die insbesondere bei den jüngeren Ruheständlern noch vorhandene Unternehmungslust finden sich auch wenig passende Angebote, denn gerade Engagement und Eigeninitiative sind bei den gängigen Senioren-Programmen nicht gefragt. Das typische und bekannteste Angebot sind Kaffeefahrten oder ähnliche Arrangements, die auch die größte Akzeptanz finden. Sowie es spezieller wird, wie Altenclubs, Seniorensport, kirchliche Angebote, da sträuben sich die Befragten, denen schon der Begriff Senioren vielfach ein Gräuel ist.

    Größer ist die Teilnahmebereitschaft bei AlleinIebenden, bei Frauen, bei Personen mit geringerer Bildung und solchen, die ohnehin in ihrer Freizeit eher unzufrieden sind.

    Um für die Mehrheit der Ruheständler akzeptable Programme zu bieten, sollte nach Ansicht der BAT-Freizeitexperten von vornherein jeder Eindruck von Beschäftigungstherapie vermieden werden. Die Angebote müssten psychologisch sensibler auf die Bedürfnisse der Älteren eingehen, ohne sie zu „Alten“ oder „Senioren“ zu machen und dabei auch stärker die Altersgruppen berücksichtigen.