Die Zukunft des Tourismus

Zwischen Konstanz und neuen Einflussfaktoren

Die Zukunft des Tourismus ist gesichert: Die Bundesbürger werden auch zukünftig lieber im Alltag den Gürtel etwas enger schnallen als die „besten Wochen des Jahres“ zu Hause zu verbringen. Urlaub ist und bleibt für die meisten Deutschen das Highlight des Jahres. Die Topreisenden sind Jugendliche, doch auch Paare ohne Kinder und Jungsenioren erweisen sich als sehr reisefreudige Zielgruppen. Beide verfügen relativ frei über ihre Zeit, haben Geld und sind unabhängig, um auch weiterhin bekannte Urlaubsdestinationen zu besuchen und neue Reiseziele zu entdecken.

Ungewiss bleibt dagegen die Zukunft des Tourismus im Familiensegment. Im Vergleich zum Reisejahr 2013 verringerte sich der Anteil der Reisenden dieser Bevölkerungsgruppen im Jahr 2014 erneut um fünf Prozentpunkte. Familienurlaub wird zunehmend zu einem Luxusgut, das sich zukünftig nicht mehr jede Familie leisten kann.

Ebenso droht sich auch die Spaltung in Reisende und Nicht-Reisende fortzusetzen und sogar weiter zu verschärfen: Während sich die formal niedriggebildeten und geringverdienenden Bürger immer seltener eine Urlaubsreise leisten können, stellt sich für die gut ausgebildeten Besserverdiener nicht die Frage, ob verreist wird, sondern nur noch wie oft, wohin und wie lange. Sich die Zeit für den Urlaub zu nehmen, wird für diese Zielgruppe zukünftig eine größere Herausforderung sein als die damit verbundenen Kosten.

Fernreisedestinationen bleiben für die Mehrheit der Deutschen als Traumziele attraktiv, deren (finanzielle) Realisierung sich aber nur ein kleiner Teil der Bevölkerung leisten kann. Dementsprechend bleibt dieses Marktsegment auch auf Dauer eine interessante Ergänzung, jedoch keine wirkliche Alternative zu den inländischen und europäischen Urlaubsgebieten. Haupthinderungsgrund ist neben den Kosten der zeitliche Aufwand. Mit durchschnittlich knapp 17 Tagen vor Ort dauert ein Urlaub außerhalb Europas mehr als eine halbe Woche länger als eine Reise zu innereuropäischen Zielen (13 Tage) und sogar eine ganze Woche länger als innerhalb Deutschlands (10 Tage).

Ägypten, Marokko und Tunesien liegen trotz schwankender politischer Situation auf den Spitzenpositionen des Fernreisemarktes. Der Nordamerika-Reisetrend wird auch in Zukunft andauern. Die Gästezahlen in den USA und Kanada stiegen 2014 weiter an, obwohl ein schlechter Wechselkurs zwischen Euro und Dollar herrschte. Fernostasien befindet sich ebenfalls auf dem Vormarsch, doch Südamerika und Ozeanien müssen noch weiter Überzeugungsarbeit leisten, um die deutschen Urlauber an ihre Sandstrände zu locken.

Besonders beliebt war die weite Ferne bei Singles und kinderlosen Paaren. Jeder Fünfte dieser beiden Urlauberprofile bewegte sich außerhalb der Grenzen Europas, wohingegen nur ca. jede 14. Familie und lediglich jeder 20. Ruheständler sich auf eine Fernreise begab.

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