Forschung aktuell, 239, 33. Jg., 28.08.2012

 Text als PDF downloaden

Freizeit-Monitor 2012 – Fernsehen bleibt die unangefochtene Nummer 1

    Freizeit-Monitor 2012 – Fernsehen bleibt die unangefochtene Nummer 1

    Neue Studie zum Freizeitverhalten der Deutschen

    Für den Freizeit-Monitor 2012 wurden über 4.000 Personen ab 14 Jahren repräsentativ (face to face) befragt, wie häufig sie welche Freizeitaktivitäten ausüben. Die neunstufige Skala reichte hierbei von „täglich“ bis zu „niemals“.

    Kernergebnisse der Studie:

    • Fernsehen bleibt die unangefochtene Nummer 1
    • Starke Zuwachsraten bei der Handy-, Internet- und Computernutzung
    • Digitale Spaltung der Gesellschaft setzt sich fort
    • Freizeitwünsche: Mehr Zeit zur Erholung und für soziale Kontakte
    • Vom Golfen bis zum Theaterbesuch: Viele Aktivitäten sind für die Mehrheit der Deutschen nicht interessant

    Fernsehen, Radio hören, Telefonieren
    
Die beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen

    Seit den 1980er Jahren stehen Fernsehen und Radio hören, Telefonieren und Zeitung lesen ununterbrochen auf den ersten Plätzen der häufigsten Freizeitaktivitäten der Bundesbürger. Daran hat sich auch 2012 nichts geändert: Das Fernsehen bleibt weiterhin das Leitmedium der Deutschen: 98 % der Bundesbürger schauen regelmäßig fern. Dabei landet der TV-Konsum in allen Lebensphasen auf dem ersten Platz. Professor Dr. Ulrich Reinhardt, Wissenschaftlicher Leiter der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen: „Nach wie vor wollen die meisten Bundesbürger sich am Abend von den Programmen der Sendeanstalten unterhalten, informieren und berieseln lassen. Dabei ist das Fernsehen jedoch zunehmend zu einem Nebenbeimedium geworden: Während des Zuschauens wird gegessen, telefoniert, die Wäsche gebügelt oder auch gelesen.“

    Weiterhin beliebt bleiben außerdem Aktivitäten mit der Familie und dem Partner sowie regenerative Beschäftigungen wie Ausschlafen, seinen Gedanken nachgehen oder sich in Ruhe pflegen.

    Fernsehen, Radio hören und Telefonieren

    Die beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen

    Von je 100 Befragten nennen als regelmäßige Beschäftigungen (mind. eimal pro Woche):

      
    Fernsehen98
    Radio hören90
    Telefonieren (von zu Hause)89
    Zeitung/Zeitschrift lesen77
    Mit der Familie beschäftigen74
    Zeit mit dem Partner verbringen69
    Seinen Gedanken nachgehen69
    Telefonieren (von unterwegs)65
    Über wichtige Dinge reden65
    Ausschlafen63
    Computer62
    Sich in Ruhe pflegen57
    E-Mails lesen/schreiben55
    Kaffetrinken/Kuchen essen55
    Internet53

    Gewinner und Verlierer

    Die Medialisierung der Freizeit setzt sich fort

    Im Fünfjahresvergleich zeigt sich darüber hinaus auch die zunehmende Dominanz der „neue Medien“. Fast zwei Drittel der Deutschen telefonieren mittlerweile mobil, 15 % mehr als noch im Jahr 2007. Noch deutlich höher sind die Zuwachsraten bei der Internet- und Computernutzung. Hierbei bleibt jedoch die digitale Spaltung weiterhin bestehen: Männer (59 %) nutzen das Internet nach wie vor öfter als Frauen (48 %), Westdeutsche (55 %) häufiger als Ostdeutsche (46 %) und Stadtbewohner (61 %) surfen mehr als die Landbevölkerung (46 %) im Netz. Die größten Unterschiede offenbaren sich in Hinblick auf Bildung und Alter der Befragten. So ist der Anteil der Internetnutzer mit Abitur mehr als doppelt so hoch wie der von Bürgern mit Hauptschulabschluss (73 % – 35 %). Und während vier von fünf unter 35-Jährigen (80 %) und immerhin noch mehr als die Hälfte der 35-54-Jährigen (59 %) regelmäßig im World Wide Web unterwegs sind, ist lediglich jeder vierte über 55-Jährige (26%) online.

    Reinhardt: „Die Zuwachsraten bei der Internetnutzung steigen weiter an, verlangsamen sich jedoch. Und während es nur eine Frage von wenigen Jahren sein wird, bis die Internetnutzung bei den jungen Mitbürgern dasselbe Niveau wie das Fernsehen erreichen wird, wird es noch bis zum Ende des Jahrzehnts dauern, bis wenigstens die Mehrheit der älteren Generation online ist“.

    Gewinner und Verlierer im Jahresvergleich

    Die Medialisierung setzt sich fort

    Von je 100 Befragten nennen als regelmäßige Beschäftigungen (mind. eimal pro Woche):

     20122007
    E-Mails lesen/schreiben5536
    Computer6244
    Internet5339
    Faulenzen/Nichtstun4839
    Sich in Ruhe pflegen5747
    Erotik/Sex3026
    Ausschlafen6355
    Telefonieren von unterwegs  6557
    Kaffeetrinken/Kuchen essen5561
    Mit Nachbarn treffen/plaudern4350
    Gartenarbeit3136
    Spazieren gehen3946
    Freunde/Bekannte zu Hause treffen2026

    Spontan sein, Schlafen und Sex
    Was die Bundesbürger gerne häufiger machen würden

    Erstmals greift der Freizeit-Monitor 2012 auch die Frage auf, welche Aktivitäten die Deutschen gerne öfter ausüben würden. Bei den regelmäßigen Aktivitäten landet das Bedürfnis ‚spontan genau das zu tun, wozu man gerade Lust hat‘, an ersten Stelle. Fast gleichauf werden auch die Bedürfnisse häufigeres Ausschlafen und mehr Sex genannt. Knapp dahinter folgen dann mehr Zeit fürs Hobby, für Sport sowie für Familie und Freunde. Deutlich geringer ist dagegen der Wunsch nach (noch) häufigerem Medienkonsum. Lediglich jeder vierte Bundesbürger würde gerne öfter den Computer nutzen oder im Internet surfen und nur jeder sechste nennt den Wunsch öfter zu telefonieren oder fernzusehen.

    „Mehr Zeit zur Erholung und für soziale Kontakte – so lassen sich die Freizeitwünsche zusammenfassen. In einer zunehmend hektischen und medialisierten Welt wächst einerseits das Bedürfnis nach Ruhe und anderseits nach Geselligkeit. Gerade die junge Generation würde sich eigentlich lieber mit Freunden treffen, als nur mit ihnen zu skypen, zu posten, zu texten oder zu telefonieren. Doch in einem Freizeitalltag, der durch fast unbegrenzte Angebote und gleichzeitig chronische Zeitnot gekennzeichnet ist, liegen zwischen Wunsch und Wirklichkeit zunehmend Welten“, so der Wissenschaftliche Leiter der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen.

    Spontan sein, Schlafen, Sex

    Was die Deutschen gerne öfter in ihrer Freizeit tun würden

    Von 100 Befragten, die mind. 1 x pro Woche folgende Aktivität ausüben, würden gerne häufiger ausüben:

      
    Spontan tun, wozu man Lust hat58
    Ausschlafen57
    Sex/Erotik57
    Einem speziellen Hobby nachgehen56
    Mit Kindern spielen54
    Sport treiben54
    Etwas für die Gesundheit tun54
    Freunde/Bekannte zu Hause treffen53
    Zeit mit Partner verbringen52
    Buch lesen51
    Mit Enkeln/Großeltern treffen50
    (...) 
    Computer26
    Internet25
    E-Mails lesen/schreiben20
    Radio hören19
    Fernsehen17
    Telefonieren (von unterwegs)16

    Golfen, Ehrenamt, Ballet
    Was die Mehrheit der Deutschen fast nie in Ihrer Freizeit macht

    In der Freizeit eine Runde Golfen gehen, in Ruhe ein E-Book lesen, ein Theater besuchen, Videospiele spielen oder im Fitnessstudio trainieren? Für die große Mehrheit der Deutschen sind diese Aktivitäten nur sehr bedingt reizvoll. Aber auch ein Engagement in einer Bürgerinitiative oder ein Ehrenamt im Sportverein, in der Kirche oder Partei werden von den meisten Bundesbürgern seltener als einmal jährlich ausgeübt. Und realistisch müssen auch Facebook und andere Social Media Aktivitäten bewertet werden – mehr als die Hälfte der Bundesbürger hat hieran kein Interesse.

    Reinhardt sieht vor allem drei Gründe für die seltene Nutzungsfrequenz von zahlreichen Freizeitaktivitäten: „Erstens zeigen sich auch in der Freizeit zunehmend die Auswirkungen der demografischen Entwicklung in Deutschland – je älter eine Gesellschaft ist, desto mehr überwiegen passive innerhäusliche Aktivitäten gegenüber außerhäuslichen. Zweitens ist das verfügbare Freizeitbudget der Bundesbürger seit Jahren relativ konstant, während die Möglichkeiten dieses auszugeben weiter ansteigen. Insofern ist es oftmals keine Entscheidung gegen eine bestimmte Freizeitbeschäftigung, sondern für eine andere. Und drittens ist – ebenso wie das Freizeitgeldbudget – auch das Freizeitzeitbudget begrenzt. Denn genau wie jeder Euro, kann auch die Zeit nur einmal verbraucht werden. Hiervon sind hauptsächlich zeitintensive Aktivitäten betroffen.“

    Vom Golfen bis zum Theaterbesuch

    Auswahl von Freizeitaktivitäten, die die Mehrheit der Bürger nicht ausübt

    Von je 100 Befragten sagen, sie würden in Ihrer Freizeit niemals ausüben:

      
    Golfspielen96
    Spielhalle/Spielothek besuchen90
    E-Books lesen86
    Musik machen83
    Sich in einer Initiative engagieren80
    Camping/Caravaning77
    Fitnessstudio besuchen75
    Pflege von Angehörigen73
    Handarbeiten67
    Zum Stammtisch gehen67
    Homebanking64
    Joggen/Nordic Walking63
    Videospiele spielen62
    Ehrenamtliche Aufgaben übernehmen61
    In einem Verein aktiv sein59
    Social Media nutzen56
    Mit Handy/Smartphone spielen56
    Mit Tieren beschäftigen54
    Oper/Theater/Ballet besuchen52

    Der „Freizeit-Monitor 2012“ enthält in über 100 Charts detaillierte Angaben zu der Nutzer- und Häufigkeitsstruktur von über 80 Freizeitaktivitäten von Fernsehen und PC-Nutzung, über Museums- und Kinobesuche bis hin zu Tagestrips und Wochenendfahrten.

    Der „Freizeit-Monitor 2012“ ist wahlweise als gedruckte Studie oder als PDF gegen eine Schutzgebühr von 49,90 Euro bei der Stiftung für Zukunftsfragen, eine Initiative von British American Tobacco, Alsterufer 4, 20354 Hamburg ab sofort zu beziehen (siehe Kontakt).