Forschung aktuell, 253, 35. Jg., 31.03.2014

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Mehr als jeder Zweite fährt mit dem eigenen PKW zur Arbeit … und braucht hierfür täglich eine halbe Stunde

    Mehr als jeder Zweite fährt mit dem eigenen PKW zur Arbeit … und braucht hierfür täglich eine halbe Stunde

    Das Auto ist das – mit großem Abstand – wichtigste Verkehrsmittel für den Weg zur Arbeit, denn mehr als jeder zweite Berufstätige wählt hierfür den eigenen PKW. Nicht einmal jeder Sechste nutzt hingegen die öffentlichen Verkehrsmittel für den Arbeitsweg. Dies geht aus einer aktuellen Untersuchung der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen hervor, für die über 2.000 Bundesbürger repräsentativ in persönlichen Interviews (face-to-face) befragt wurden. 

    „Trotz hoher Spritpreise und zahlreicher Staus fahren die Deutschen am liebsten mit dem eigenen Wagen zur Arbeit“, so der Wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Professor Dr. Ulrich Reinhardt. Hierfür nennt er drei Hauptgründe: „Erstens das fehlende Alternativangebot, zweitens die eigene Bequemlichkeit und drittens das Gefühl von Individualität zwischen selbstgewählter Strecke, eigener Geschwindigkeit und persönlichem Radiosender.“

    Nur langsam steigert sich die Zahl der Fahrgemeinschaften in Deutschland. Aktuell nehmen vier Prozent der Berufstätigen einen Mitfahrer und/oder Kollegen mit. Zu Fuß macht sich jeder siebte Arbeitnehmer auf den Weg und jeder zehnte fährt mit dem Rad. Unterschiede lassen sich dabei innerhalb der Berufsgruppen feststellen: Während etwa jeder dritte Selbstständige zu seinem Arbeitsplatz läuft und fast jeder zweite Auszubildende Bus und Bahn fährt, nutzen 84 Prozent der Beamten den eigenen Wagen.

    Lieber im Stau als im Bus

    Wie die Deutschen zur Arbeit kommen

    Von je 100 Arbeitnehmern wählen als Verkehrsmittel:

      
    Eigener PKW53
    ÖPNV (z.B. Bus, Bahn)16
    Zu Fuß14
    Mit dem Rad10
    Mitfahrt im Auto4
    Zug2

    26 Minuten für den Weg zur Arbeit

    Fast jeder dritte Deutsche benötigt maximal zehn Minuten, um seinen Arbeitsplatz zu erreichen. Allerdings ist auch fast jeder vierte Arbeitnehmer länger als vierzig Minuten unterwegs und acht Prozent benötigen sogar mindestens eine Stunde. Zu dieser Zeit kommt jeweils noch einmal dieselbe Dauer für den Rückweg hinzu, sodass die Deutschen im Durchschnitt fast eine Stunde täglich unterwegs sind. Am längsten brauchen die Arbeitnehmer in den Metropolen Berlin und Hamburg, während die Thüringer den schnellsten Weg zur Arbeit haben. Erwartungsgemäß nimmt der Arbeitsweg von Zugreisenden die meiste Zeit in Anspruch – diese verbringen fast zwei Stunden täglich mit Pendeln. Jedoch ist auf die Angebote der Bahn lediglich jeder fünfzigste Arbeitnehmer angewiesen.

    Mit dem ÖPNV oder dem PKW dauert die An- und Abreise jeweils gut eine Stunde, schneller geht es da mit dem Rad (34 Minuten) oder zu Fuß (20 Minuten) – allerdings liegt der Arbeitsplatz dann auch deutlich näher am Wohnort.

    Wie lange die Deutschen zur Arbeit brauchen

    Mehr als die Hälfte nur bis zu 20 Minuten

    Von je 100 Befragten benötigen für den einfachen Weg zur Arbeit:

      
    Durchschnitt in Minuten26
      
    Unter 10 Minuten15
    Ca. 10 Minuten15
    Ca. 20 Minuten26
    Ca. 30 Minuten22
    Ca. 40 Minuten10
    Ca. 50 Minuten4
    Ca. 60 Minuten5
    Über 60 Minuten3

    Zeit und Geld entscheiden in Zukunft, welches Verkehrsmittel gewählt wird

    Reinhardt: „38 Stunden stehen die Bundesbürger pro Jahr im Stau, das eigene Auto wird lediglich acht Prozent des Tages genutzt und seriöse Berechnungen ergeben, dass sich der Besitz eines Autos erst ab einer Fahrleistung von jährlich 10.000 Kilometern monetär rechnet. Trotzdem sehen auch zukünftig die meisten Bundesbürger kaum eine Alternative zum eigenen Auto. Um das Verkehrschaos in vielen Städten und Gemeinden während der Rushhour zu bewältigen und gleichzeitig auch einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, müssten öffentliche Verkehrsmittel in erster Linie zeitliche und finanzielle Einsparungen ermöglichen. Hierfür wäre einerseits der konsequente Ausbau des ÖPNVs erforderlich – mehr Busse und Bahnen in kürzeren Abständen. Andererseits muss sich ein Wechsel auch finanziell rechnen, ansonsten heißt es weiterhin: Lieber im Stau als im Bus.“