Forschung aktuell, 257, 35. Jg., 27.08.2014

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Freizeit-Monitor 2014: Die beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen

    Freizeit-Monitor 2014: Die beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen

    Freizeit-Monitor 2014

    Für den Freizeit-Monitor 2014 wurden über 4.000 Personen ab 14 Jahren repräsentativ ausgewählt und in persönlichen Interviews (face-to-face) zu ihrem Freizeitverhalten befragt. Neben dem (Frei-)Zeitbudget wurde analysiert, welche Freizeitaktivitäten wie häufig ausgeübt werden und welche dabei gerne häufiger gemacht werden würden. Der diesjährige Schwerpunkt der seit über 25 Jahren regelmäßig durchgeführten Studie liegt auf dem Thema „Finanzielle Ausgaben“. Dafür wurde u.a. untersucht, in welchen Bereichen die Bundesbürger zu Einsparungen bereit sind, welche Aktivitäten das Geld wert waren und ob die Deutschen für mehr Freizeit auf einen Teil ihres Einkommens verzichten würden.

    Top 10 Ergebnisse des Freizeit-Monitors 2014

    1. Die Dominanz des Fernsehens ist ungebrochen

    Egal ob Mann oder Frau, Stadt- oder Landbewohner, Arm oder Reich – für alle bleibt der TV-Konsum die regelmäßigste Freizeitaktivität. 97% der Deutschen schalten wenigstens einmal pro Woche in die Programme der öffentlich-rechtlichen und privaten Sendeanstalten – über zwei Drittel sogar täglich. Damit belegt „Fernsehen“ zum 25. Mal in Folge den ersten Platz.

    2. Die Medien prägen die Top 10 der Freizeitaktivitäten

    Fernsehen und Radio, Zeitung und Internet, Handy und Festnetz – der Freizeitalltag der Bundesbürger wird maßgeblich durch Medien geprägt. Bei der Generation unter 30 Jahren sind sogar die neun häufigsten Aktivitäten durch die Medien bestimmt.

    3. Unterschiede innerhalb der Bevölkerung: Klischees bestätigen sich

    Frauen gehen deutlich häufiger shoppen als Männer und lesen mehr Bücher. Auch beim Telefonieren und sich in Ruhe pflegen liegen sie deutlich weiter vorn. Männer hingegen schauen öfter bei Sportveranstaltungen zu, gehen mehr in die Kneipe oder widmen sich dem Heimwerken.

    Groß bleiben auch die Unterschiede zwischen den Generationen. So nutzt die junge Generation nicht nur häufiger Facebook, das Smartphone oder den PC, sondern zeigt sich insgesamt aktiver bzw. sprunghafter in der Freizeitgestaltung. Die ältere Generation dagegen bleibt ihren Freizeitbeschäftigungen treu und übt diese zeitintensiver aus.

    Das Freizeitverhalten in Ost- und Westdeutschland hat sich hingegen weiter angeglichen. Groß sind hier lediglich noch die Unterschiede bei den Aktivitäten Sport und etwas für die Gesundheit tun. Diesen kommen eher die Westdeutschen nach, während Gartenarbeit und Mittagsschlaf häufiger von Ostdeutschen gemacht wird.

    4. Aktivitäten außer Haus – Kultur ist weit abgeschlagen

    Bei den außerhäuslichen Beschäftigungen liegen der Spaziergang, das Fahrradfahren und die Gartenarbeit vorn. Auch wenn kulturellen Angeboten in der Freizeit eine Bedeutung zugesprochen werden kann, so muss ihre Rolle als Freizeitaktivität jedoch realistisch eingeschätzt werden: Lediglich 3% der Deutschen gehen wenigstens einmal pro Monat in ein Theater oder Museum.

    5. Gewinner und Verlierer im Jahresvergleich

    Im 10-Jahresvergleich zeigt sich auf der einen Seite sehr deutlich, wie stark die Medien mittlerweile den Freizeitalltag der Bundesbürger prägen. Innerhalb eines Jahrzehnts stieg die PC-, Internet- oder Handynutzung deutlich an. Auf der anderen Seite haben aber soziale Aktivitäten verloren; die Bürger unternehmen mittlerweile seltener etwas mit Freunden, sprechen weniger Einladungen aus und reden auch nicht mehr so oft über wichtige Dinge wie früher.

    6. 3 Stunden und 56 Minuten Freizeit haben die Deutschen im Durchschnitt

    Weder Geschlecht noch Region oder Einkommen entscheiden über den Umfang des Freizeit-Budgets, sondern fast ausschließlich die Lebensphase. So haben Ruheständler pro Werktag über fünf Stunden zur freien Verfügung, während Familien weniger als drei Stunden haben.

    Im Jahresvergleich zu 2010 sank das Freizeit-Budget in der Gesamtbevölkerung leicht um 7 Minuten – das der Jugendlichen jedoch um ganze 36 Minuten. Dieser starke Rückgang an freier Zeit bei der jüngsten Generation kann zum Großteil auf die zunehmende Anzahl an Ganztagesschulen und die Verkürzung des Abiturs auf 12 Jahre zurückgeführt werden.

    7. Mehr Freizeit, weniger Einkommen?

    Die Option, für mehr Freizeit auf einen Teil des Einkommens zu verzichten, ist lediglich für jeden vierten Bundesbürger interessant. Besonders Bundesbürger mit einem niedrigen Haushaltsnettoeinkommen, aber auch viele ältere Deutsche wollen und können sich dieses nicht leisten. Dagegen sagt immerhin mehr als jeder dritte Besserverdienende, dass er sich den Tausch – Geld gegen Zeit – vorstellen könne.

    8. Spontan sein und schlafen – was die Deutschen gerne häufiger machen würden

    Rund zwei Drittel der Deutschen würden gerne öfter spontan genau das tun, wozu sie gerade Lust haben und häufiger ausschlafen. Die Mehrheit würde zudem gerne mehr mit Freunden und der Familie unternehmen, mehr Ausflüge machen, öfter essen gehen und mehr faulenzen. Sehr deutlich werden durch diese Äußerungen die eigentlichen Wünsche der Deutschen nach mehr sozialen Aktivitäten und wieder mehr Erholung. Zudem zeigt sich, dass der Großteil der Bundesbürger es auch in der Freizeit oftmals nicht schafft, genau das zu tun, was er eigentlich will.

    9. Gespart wird in der Freizeit, nicht im Alltag

    Wenn die Bundesbürger mit ihrem Geld mehr haushalten müssten, dann würden sie dieses am ehesten in der Freizeit tun. Wenig Einsparpotenzial herrscht dagegen bei den alltäglichen Ausgaben. So sind die Bereitschaft und wohl auch die Möglichkeiten, beim Wohnen, Essen und Trinken zu sparen, lediglich bei gut jedem zehnten Bürger vorhanden. Dagegen können sich über zwei Drittel der Deutschen vorstellen, seltener ins Theater, Kino oder Restaurant zu gehen. Und auch bei den Wochenendausflügen und Urlaubsreisen würde die Mehrheit im Notfall mit weniger Budget auskommen.

    10. Welche Freizeitaktivität ist ihr Geld wert?

    Neun von zehn Konzert- und Zoobesuchern sowie fast ebenso viele Musical- und Kinogänger sind mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis der besuchten Attraktion zufrieden. Auch in Erlebnisbädern und Freizeitparks sagt die große Mehrheit der Gäste, dass der Besuch sein Geld wert war. Nicht ganz so positiv sind dagegen die Jahrmarkt- und Kirmesgänger gestimmt, von denen sich aber auch noch zwei Drittel zufrieden äußern.

    Erläuterung der Ergebnisse

    Erläuterung der Ergebnisse des Wissenschaftlichen Leiters der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, Professor Dr. Ulrich Reinhardt:

    1. Neue Angebote bewegen die Bundesbürger nur bedingt zu neuen Verhaltensweisen. Daher überrascht es nicht, dass die große Mehrheit der Deutschen ihren Freizeitaktivitäten treu bleibt. Zugewinne können fast ausschließlich die neuen Medien verzeichnen, wobei hier keine Verdrängung der alten Medien stattfindet, sondern eine parallele Nutzung von alt und neu nachzuweisen ist – so werden Fernsehen, Radio und Zeitung weiter genutzt, verlieren aber ihre Monopolstellung.
    2. Auch in der Freizeit zeigen sich mittlerweile die Auswirkungen der demografischen Entwicklung, wie unserer älter werdenden Bevölkerung, zunehmender Kinderlosigkeit und Versingelung. So werden soziale Aktivitäten seltener ausgeübt, während gleichzeitig weiterhin der Wunsch besteht, sich (wieder) häufiger mit Verwandten und Bekannten, Freunden und Nachbarn auszutauschen.
    3. Der Freizeitalltag der meisten Bundesbürger findet Zuhause statt. Aktivitäten außer Haus sind eher die Ausnahme als die Regel und konzentrieren sich hauptsächlich auf das Wochenende. Ob Ruheständler oder Berufstätiger: die (Feier-)Abende werden meistens zwischen Haushalt, Familie und Fernseher verbracht. 
    4. Bei den Freizeitwünschen zeigt sich ein Mangel an Erholungszeit und Spontanität. Einem amerikanischen Sprichwort zufolge liegt der Unterschied zwischen Existieren und Leben im Gebrauch der Freizeit. Daher sollten die Bundesbürger sich öfter trauen, in ihrer freien Zeit auch tatsächlich genau das zu tun, was sie wirklich wollen und sich nicht hinter Routine, Antriebsschwäche und Konventionen verstecken.
    5. Freizeit ist den Deutschen lieb und teuer, aber viele Angebote muss man sich doch leisten können. So nimmt die Spaltung der Gesellschaft auch in der Freizeit weiter zu. In der Zukunft werden bestimmte Aktivitäten nur noch von Wenigen bezahlbar sein, die dafür dann aber Exklusivität offeriert bekommen.

    Fernsehen, Radio hören, Telefonieren

    Die beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen

    Von je 100 Befragten nennen als regelmäßige Freizeitaktivitäten (mindestens einmal pro Woche):

       
       
    Fernsehen97 
    Radio hören90 
    Telefonieren (von zu Hause)87 
    Zeitungen/Zeitschriften lesen73 
    Internet71 
    Gedanken nachgehen71 
    Telefonieren (von unterwegs)70 
    Zeit mit dem Partner verbringen68 
    Ausschlafen65 
    Über wichtige Dinge reden63 
    Sich in Ruhe pflegen61 
    Computer60 
    E-Mail57 
    Kaffeetrinken/Kuchen essen53 

    Top 10 Freizeitbeschäftigungen der Bundesbürger

    Jugendliche Junge Erwachsene Singles Paare Familien Jungsenioren Ruheständler
    Internet Internet Fernsehen Fernsehen Fernsehen Fernsehen Fernsehen
    Fernsehen Telefonieren
    (von unterwegs)
    Radio hören Zeit mit dem
    Partner verbringen
    Radio hören Radio hören Radio hören
    Telefonieren
    (von unterwegs)
    Fernsehen Telefonieren
    (von unterwegs)
    Radio hören Telefonieren
    (von zu Hause)
    Telefonieren
    (von zu Hause)
    Zeitungen/
    Zeitschriften lesen
    Weiterbildung Radio hören Internet Telefonieren
    (von zu Hause)
    Zeit mit dem
    Partner verbringen
    Zeitungen/
    Zeitschriften lesen
    Telefonieren
    (von zu Hause)
    Computer Social Media Telefonieren
    (von zu Hause)
    Telefonieren
    (von unterwegs)
    Internet Zeit mit dem
    Partner verbringen
    Gedanken nachgehen
    CD/MP3 hören Computer Computer Internet Mit Kindern spielen Gedanken nachgehen Ausschlafen
    Social Media E-Mail E-Mail E-Mail Telefonieren
    (von unterwegs)
    Internet Sich in Ruhe pflegen
    Mit Handy/
    Smartphone spielen
    Telefonieren
    (von zu Hause)
    Gedanken nachgehen Computer E-Mail Telefonieren
    (von unterwegs)
    Kaffeetrinken/ Kuchen essen
    Telefonieren
    (von zu Hause)
    CD/MP3 hören Ausschlafen Zeitungen/
    Zeitschriften lesen
    Computer Über wichtige Dinge reden Mittagsschlaf
    Ausschlafen Ausschlafen Social Media Über wichtige Dinge reden Über wichtige Dinge reden Ausschlafen Zeit mit dem Partner verbringen

    10-Jahres-Vergleich: Gewinner und Verlierer

    Von je 100 Befragten nennen als regelmäßige Freizeitaktivitäten (mindestens einmal pro Woche):

     Veränderung 2004 zu 2014 in PP
    Internet38 
    E-Mail28t 
    Computer23 
    Spaziergang9 
    Sich in Ruhe pflegen6 
       
    CD/MP3 hören-8
    Mit dem Auto/Motorrad herumfahren-9
    Über wichtige Dinge reden-11
    Etwas mit Freunden unternehmen-11
    Zeitungen/Zeitschriften lesen-12

    Spontan sein und Ausschlafen

    Was die Deutschen gerne häufiger machen möchten

    Von je 100 Befragten würden vor allem gerne häufiger ausüben:

      
    Spontan tun, wozu man Lust hat68
    Ausschlafen63
    Etwas mit Freunden unternehmen60
    Wochenendfahrt59
    Tagesausflug58
    Faulenzen/Nichtstun58
    Essen gehen/Restaurantbesuch57
    Baden/Schwimmen57
    Ausflug in die nähere Umgebung56
    Etwas für die eigene Gesundheit tun54

    Technische Daten der Untersuchung

    Anzahl und Repräsentanz: Deutschland, 4.045 Personen ab 14 Jahren
    Zeitraum der Befragung: Juli 2014
    Befragungsinstitut: Gesellschaft für Konsumforschung (GfK)