Forschung aktuell, 258, 35. Jg., 26.11.2014

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Butter, Milch und Käse per Mausklick? Jeder vierte Deutsche würde Lebensmittel online kaufen

    Butter, Milch und Käse per Mausklick? Jeder vierte Deutsche würde Lebensmittel online kaufen

    24 Prozent der Deutschen können sich vorstellen, zukünftig ihre Lebensmittel im Internet zu kaufen. Jeder vierzehnte Deutsche wäre sogar bereit, für die Lieferung an die Wohnungstür eine Liefergebühr in Höhe von 5 Euro zu bezahlen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, für die repräsentativ über 4.000 Bundesbürger ab 14 Jahren in persönlichen Befragungen (face-to-face) interviewt wurden.

    Vor allem Männer, Singles und jüngere Bundesbürger finden diese bequeme Art des Lebensmittelkaufs vom eigenen Sofa oder per Smartphone von unterwegs interessant. Mit dem Einkommen steigt dann auch die Bereitschaft, für diesen Service etwas mehr zu bezahlen: Jeder achte besserverdienende Deutsche (monatliches Nettoeinkommen über 3.500 EUR) wäre bereit, bis zu 5 Euro extra pro Einkauf zu investieren.

    Butter, Milch und Käse per Mausklick

    Jeder vierte Deutsche würde Lebensmittel online einkaufen

    Von je 100 Befragten können sich vorstellen, Lebensmittel online einzukaufen:

     Ja, mit LiefergebührJa
    Gesamtbevölkerung717
       
    Unter 35 Jahre929
    35 bis 54 Jahre719
    55 Jahre und älter47
       
    Singles926
    Paare922
    Familien820

    Potenziale und Hemmnisse

    Der Wissenschaftliche Leiter der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, Professor Dr. Ulrich Reinhardt, sieht bei der Entwicklung des Online-Lebensmittelgeschäfts sowohl Chancen als auch Risiken: „Für die meisten Bürger ist der Versorgungseinkauf von Essen und Trinken eine lästige Pflicht, die Zeit und Nerven kostet. Ein vollständiges Angebot, auf das rund um die Uhr unkompliziert und schnell online zugegriffen werden kann, ist daher für viele äußerst attraktiv.“

    Reinhardt erachtet hierbei insbesondere flexible und kurze Lieferzeiten ohne große Mehrkosten für wichtig. Derzeit sprechen aber auch einige Argumente gegen den Lebensmittel-Online-Supermarkt. So beschränken sich viele Anbieter (noch) auf Waren, die keine Kühlung benötigen, und auch frische Produkte wie Obst und Gemüse sind nicht in allen Onlineshops erhältlich. Reinhardt: „Wenn der Kunde für einzelne Artikel doch wieder in den Laden um die Ecke gehen muss, kann und wird er dort gleich alles einkaufen.“

    Untersuchungen der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen weisen zudem nach, dass viele Kunden die Produkte vor dem Kauf gerne sehen und anfassen wollen, die Beratung z.B. an der Wurst- und Käsetheke schätzen sowie den Supermarkt vor Ort auch unterstützen möchten. Erschwerend kommen für die Onlineanbieter noch die geringe Gewinnspanne im Lebensmittelsektor sowie die hohe Anzahl von Supermärkten in Deutschland hinzu.

    Online-Shopping oder Einkaufsbummel?

    Von je 100 Befragten geben an, aus folgenden Gründen lieber online bzw. in Geschäften einzukaufen:

      
    Lieber online19
    Lieber in Geschäften81
      
    Online-Einkauf 
        Bequemlichkeit94
        Lieferung nach Hause89
        Rund-um-die-Uhr-Einkauf89
        Mehr Auswahl/Verfügbarkeit87
        Besserer Preis74
        Aussagen von anderen Verkäufern66
        Mehr Ruhe, kein Druck vom Verkäufer64
      
    Kauf in Geschäften 
        Sehen, Anfassen, Testen des Produkts96
        Unterstützung für Geschäfte vor Ort90
        Kann Produkt direkt mitnehmen83
        Persönliche Beratung wichtig78
        Bessere Qualität38
        Kein Vertrauen zu Internethändlern38

    Ausblick: Markt bleibt umkämpft – auch Amazon plant Einstieg

    Laut Branchenauskunft liegt der Anteil von online verfügbaren Lebensmitteln derzeit noch bei rund einem Prozent – was sich aber bald ändern dürfte. Neben Tengelmann, Rewe oder Edeka sind auch Onlinehändler wie Lebensmittel.de, Food.de oder die Deutsche Post Tochter Allyouneed.com am Markt. Sie alle optimieren und erweitern beständig ihr Angebot. Und auch Amazon will nach dem Erfolg von Amazon Fresh in Städten wie New York, San Francisco oder Seattle den deutschen Markt erobern. Dass es den Supermärkten jedoch so ergehen wird wie dem Buchhandel, glaubt Reinhardt nicht; für die meisten Bürger blieben Online-Supermärkte eine Ergänzung und keine Alternative.