Forschung aktuell, 259, 36. Jg., 2.1.2015

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Was wir 2015 erwarten können: Bundesbürger blicken mit verhaltenem Optimismus auf das neue Jahr

    Was wir 2015 erwarten können: Bundesbürger blicken mit verhaltenem Optimismus auf das neue Jahr

    Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger (69%) blicken mit Zuversicht auf das gerade begonnene Jahr – im Vorjahr waren es noch 72 Prozent. Hierbei äußern sich die Westdeutschen etwas positiver als die Ostdeutschen und die jüngeren Mitbürger deutlich optimistischer als die ältere Generation. Fast schon besorgniserregend sind die Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen: Während rund vier Fünftel der Besserverdienenden voller Vertrauen auf das Jahr 2015 schauen, zeigt sich nicht einmal mehr jeder zweite Geringverdiener hoffnungsvoll. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, für die über 2.000 Bundesbürger ab 14 Jahren repräsentativ in persönlichen Interviews (face-to-face) befragt wurden.

    Mit verhaltenem Optimismus ins neue Jahr

    Mit dem Einkommen steigt die Zuversicht

    Von je 100 Befragten blicken mit Zuversicht auf das neue Jahr:

      
    Gesamtbevölkerung 201372
    Gesamtbevölkerung 201469
      
    Ost66
    West70
      
    14-34 Jahre78
    35-54 Jahre70
    55 Jahre und älter62
      
    Haushaltseinkommen unter 1000 EUR46
    Haushaltseinkommen 2500 EUR und mehr78

    Wirtschaftserwartungen 2015: Sorge nimmt wieder zu

    Gesamtwirtschaftlich gesehen ist das abgelaufene Jahr sehr positiv zu bewerten: Die Arbeitslosenzahlen waren niedrig, die Exportüberschüsse hoch, die Aktienkurse stiegen und die Neuverschuldung fiel geringer aus als geplant.

    Trotz dieser positiven Tatsachen wächst die Sorge vieler Bundesbürger: Nur noch jeder dritte Deutsche erwartet eine florierende Wirtschaft im Jahr 2015. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Rückgang um 7 Prozentpunkte. Vor allem bei den älteren Mitbürgern, den Geringverdienenden und den Ostdeutschen ist die Hoffnung auf Wachstum gering.

    Der Wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Professor Dr. Ulrich Reinhardt: „Die Angst vor einer neuen Wirtschafts-, Finanz-, Banken- oder Eurokrise wächst. Zunehmend mehr Bürger äußern sich besorgt und fürchten, dass Deutschland an wirtschaftlicher Stärke verliert. Verbunden hiermit ist die persönliche Angst vor einem Arbeitsplatzverlust, Rentenabschlägen und finanziellen Einbußen. Die Bürger sorgen sich zudem um die zunehmende Spaltung der Gesellschaft in Verarmte und Reiche – fürchten sie doch selber abzurutschen.“

    Nur mehr jeder Dritte sieht wirtschaftlichen Aufschwung

    Ostdeutsche noch pessimistischer

    Von je 100 Befragten sagen, Deutschland wird Ende 2015 wirtschaftlich besser dastehen als heute:

      
    Gesamtbevölkerung 201341
    Gesamtbevölkerung 201434
      
    Ost27
    West36
      
    14-34 Jahre41
    35-54 Jahre35
    55 Jahre und älter28
      
    Haushaltseinkommen unter 1000 EUR23
    Haushaltseinkommen 2500 EUR und mehr39

    Nur jeder Fünfte vertraut der Politik

    Das Vertrauen in die Politiker bleibt auch in diesem Jahr gering. Nicht einmal jeder fünfte Bürger erwartet für die kommenden zwölf Monate eine steigende Zustimmung in die gewählten Volksvertreter. Im Gegenteil: vier von fünf Deutschen gehen sogar davon aus, dass Politiker weiter an Zustimmung einbüßen werden. Besonders kritisch äußern sich erneut die Ostdeutschen sowie ältere und einkommensschwache Bundesbürger – die das Vertrauen fast gänzlich verloren haben. Reinhardt: „Gerade in unsicheren Zeiten erwarten die Bürger von der Politik Ehrlichkeit und Verlässlichkeit, Perspektiven und Sicherheit. Doch genau hieran scheitert es derzeit. Die Bundesbürger sind dabei nicht der Politik überdrüssig, sondern den gewählten Parteien und Politikern. Die Politik steht demnach vor der großen Herausforderung, Vertrauen zurückzugewinnen und dem verbreiteten Gefühl, dass Entscheidungen ‚von oben herab‘ oder ‚über die Köpfe hinweg‘ getroffen werden, entgegenzuwirken“.

    Politikervertrauen nimmt weiter ab

    Ältere besonders desillusioniert

    Von je 100 Befragten sagen, die Politiker werden 2015 wieder an Zustimmung gewinnen:

      
    Gesamtbevölkerung 201323
    Gesamtbevölkerung 201419
      
    Ost16
    West20
      
    14-34 Jahre25
    35-54 Jahre21
    55 Jahre und älter14
      
    Haushaltseinkommen unter 1000 EUR13
    Haushaltseinkommen 2500 EUR und mehr23

    Bürger rücken enger zusammen – in Deutschland wie auch in Europa

    Ebola und Flüchtlingsdrama im Mittelmeer, Kriege von der Ukraine bis nach Syrien, steigender Meeresspiegel und Naturkatastrophen – 2014 war ein Jahr mit zahlreichen internationalen Krisen und Konflikten. Trotz oder gerade wegen eines Lebens in zunehmend unsicheren Zeiten rücken die Menschen sowohl in Deutschland als auch in Europa wieder dichter zusammen; davon sind mittlerweile zwei von fünf Bundesbürgern überzeugt. Der Wissenschaftliche Leiter Professor Reinhardt: „Je weniger der Staat und die Wirtschaft Sicherheit garantieren können, desto mehr helfen sich die Bürger gegenseitig. Dieses hat nicht nur mit Nächstenliebe zu tun, sondern hat auch pragmatische Gründe: Ich helfe dir, damit auch mir geholfen wird.“

    Fazit: Die Zeiten von Egoismus und reinem Individualismus nähern sich ihrem Ende; die Bürger wollen und werden wieder enger zusammenrücken, hierzu gibt es keine Alternative. Denn wie wusste schon der römische Philosoph Seneca zu berichten: „Die menschliche Gesellschaft gleicht einem Gewölbe, das zusammenstürzt, wenn sich nicht die einzelnen Steine gegenseitig stützen.“

    Zusammenhalt wächst

    Bürger wollen sich wieder mehr gegenseitig unterstützen

    Von je 100 Befragten sagen, die Menschen in unserem Land werden 2015 näher zusammenrücken:

      
    Gesamtbevölkerung 201339
    Gesamtbevölkerung 201441
      
    Ost30
    West44
      
    14-34 Jahre47
    35-54 Jahre40
    55 Jahre und älter37
      
    Haushaltseinkommen unter 1000 EUR39
    Haushaltseinkommen 2500 EUR und mehr45

    Zusammenhalt in Europa bleibt konstant

    Westdeutsche zeigen sich offener

    Von je 100 Befragten sagen, Europa wird 2015 näher zusammenrücken:

      
    Gesamtbevölkerung 201339
    Gesamtbevölkerung 201440
      
    Ost26
    West43
      
    14-34 Jahre42
    35-54 Jahre41
    55 Jahre und älter37
      
    Haushaltseinkommen unter 1000 EUR26
    Haushaltseinkommen 2500 EUR und mehr45