Forschung aktuell, 232, 32. Jg., 29.08.2011

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Freizeit-Monitor 2011 – Bundesbürger haben vier Stunden Freizeit pro Wochentag

Freizeit-Monitor 2011 – Bundesbürger haben vier Stunden Freizeit pro Wochentag

„Zeit ist Geld“: Diese vor über 250 Jahren geäußerte Formel von Benjamin Franklin hat auch in der Gegenwart Bestand. Zeit ist und bleibt eine kostbare Ressource – und noch kostbarer ist den Deutschen ihre Freizeit. Aber wie viel freie Zeit haben die Bundesbürger? Für den heute in Berlin vorgestellten „Freizeit Monitor 2011“ hat die Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen, eine Initiative von British American Tobacco, insgesamt 6.000 Bundesbürger repräsentativ in persönlichen Face-to-Face-Befragungen zu ihrem Freizeitumfang und ihren Freizeitaktivitäten befragt. Ein Kernergebnis: Der durchschnittliche Freizeitumfang für alle Personen ab 14 Jahren beträgt vier Stunden und drei Minuten pro Werktag. Jugendliche und Ruheständler verfügen hierbei über den größten Anteil an freier Zeit und können fast fünf Stunden lang tun und lassen was sie wollen. Familien müssen indessen mit nur gut drei Stunden Freizeit auskommen. Gering sind die Unterschiede zwischen Frauen und Männern und auch die West- und Ostdeutschen liegen fast gleichauf.

Die Deutschen haben vier Stunden freie Zeit pro Werktag

Familien müssen mit fast einer Stunde weniger auskommen

Von je 100 Befragten geben an, sie haben an einem Werktag ... Stunden freie Zeit, in der sie tun und lassen können, was ihnen gefällt:

  
Gesamt4.03
Jugendliche4.49
Junge Erwachsene4.12
Singles3.49
Paare3.42
Familien3.10
Jungsenioren3.59
Ruheständler4.45

Ruheständler haben zuviel Freizeit – Familien deutlich zu wenig

Seit 1950 hat sich die durchschnittliche Arbeitszeit von 48 auf 38,4 Wochenstunden reduziert. Im gleichen Zeitraum hat sich der Urlaub von 9 auf 30 Tagen sogar verdreifacht. Trotz dieser objektiv deutlichen Arbeitszeitverkürzung herrscht bei vielen Bundesbürgern das subjektive Gefühl vor, über zu wenig Freizeit zu verfügen. So liegt der Anteil der Bundesbürger, die sich über zu wenig Freizeit beklagen, fast dreimal so hoch, wie der Anteil derjenigen, die angeben, über zuviel Freizeit zu verfügen. Vor allem Familien wünschen sich mehrheitlich zusätzliche Freizeit. „Neben der direkten Kindesbetreuung kommen bei Eltern die sozialen Pflichten im Umfeld der eigenen Familie zum tragen. Von der Hilfe bei den Schularbeiten, über das Bringen der eigenen Kinder zu Verabredungen und (Freizeit)Verpflichtungen bis hin zum Austausch mit anderen Eltern. All dieses kostet Zeit, die in der persönlichen Freizeit fehlt“, so der Wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Professor Dr. Ulrich Reinhardt. Im Gegensatz zu Familien sind die meisten Ruheständler mit ihrem Freizeitumfang zufrieden. Lediglich jeder zehnte innerhalb dieser Lebensphase wünscht sich mehr Freizeit. Deutlich mehr Senioren (25%) beklagen dagegen, über zuviel Freizeit zu verfügen. Reinhardt: „Mit dem Ausstieg aus dem Berufsalltag beginnt für viele Ruheständler eine neue Zeitrechnung. Allein mit etwas längerem ausschlafen und ein wenig mehr Zeit fürs Frühstücken lässt sich der Tag jedoch nicht verbringen. Was fehlt, ist die Routine des Alltags zwischen Wegezeiten, Arbeitszeit und Erholungszeit am Abend. Daher ist es wichtig, frühzeitig soziale Beziehungen zu pflegen, eigene Hobbies zu entwickeln oder ehrenamtliche Aufgaben zu übernehmen um so für den Ruhestand vorbereitet zu sein.“

Die mittleren Generationen beklagen Freizeitmaggel

Ruheständler haben oftmals zu viel Freizeit

Von je 100 Befragten geben an, sie haben zu wenig bzw. zu viel Freizeit:

 zu viel Freizeit zu wenig Freizeit
Gesamt1234
Jugendliche426
Junge Erwachsene834
Singles945
Paare548
Familien655
Jungsenioren1333
Ruheständler2510

Freizeitaktivitäten der Deutschen: Fernsehnutzung (noch) doppelt so hoch wie Internetnutzung

Das Fernsehen ist und bleibt die häufigste Freizeitbeschäftigung der Deutschen. Nahezu jeder Bundesbürger (97%) schaltet regelmäßig – d.h. wenigstens einmal pro Woche – in das Programm der öffentlich-rechtlichen und privaten Sendeanstalten. Damit behauptet die Freizeitaktivität Fernsehschauen im 25sten Jahr in Folge den Spitzenrang. Auch auf den nachfolgenden Plätzen gibt es nur geringe Veränderungen. Seit Mitte der 1980er Jahre machen Telefonieren (91%), Radio hören (89%), Zeitung/Zeitschriften lesen (79%), sowie Unternehmungen mit der Familie (72%) die ersten Plätze unter sich aus. Realistisch muss die Beliebtheit des Internets eingestuft werden. Auch wenn mittlerweile der überwiegende Teil der Bevölkerung die Möglichkeit hat, online zu gehen, nutzt dies nicht einmal jeder zweite Bundesbürger. Gleichzeitig zeigen jedoch die jährlichen Vergleichszahlen das Wachstumspotenzial, so erhöhte sich der Anteil der regelmäßigen Internet-User seit 2007 um beachtliche 9 Prozentpunkte auf 48 Prozent. Ähnliche Steigerungsraten verzeichnen das Mobiltelefonieren (plus 8 Prozentpunkte), die PC-Nutzung (plus 13 Prozentpunkte) und der Gebrauch von Videospielen (plus 6 Prozentpunkte).

Die beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen

Fernsehen doppelt so beliebt wie Internetnutzung

Von je 100 Befragten nennen als regelmäßige Freizeitaktivitäten (wenigstens einmal pro Woche):

  
Fernsehen97
Telefonieren (zu Hause)91
Radio hören89
Zeitungen/Zeitschriften lesen79
Mit der Familie beschäftigen72
Seinen Gedanken nachgehen71
Über wichtige Dinge reden70
Zeit mit dem Partner verbringen67
Ausschlafen65
Telefonieren (unterwegs)65
Kaffetrinken / Kuchen essen64
Sich in Ruhe pflegen57
Computer57
E-Mails lesen/schreiben52
Faulenzen/Nichtstun50
Internet48

Jugend informiert sich im Internet – Erwachsene lesen Zeitung
Frauen gehen shoppen – Männer Heimwerken

Das Fernsehen bleibt das Leitmedium aller Deutschen. In jeder Lebensphase oder Alterstufe, jeder Region und Ortsgröße, jeder Einkommensstufe oder Bildungsschicht rangiert der TV-Konsum unangefochten auf dem ersten Platz. Das World Wide Web erreicht dagegen auch nach zwanzig Onlinejahren vornehmlich die Jugend. So belegt das Internet nur bei den Jugendlichen und den jungen Erwachsenen einen Platz in den Top 10. Für diese Altersgruppen ist ein Leben ohne surfen im Netz kaum noch denkbar. Mit dem Eintritt ins Berufsleben sinkt jedoch die private Internetnutzung deutlicht. Im Gegenzug erhält das Medium Zeitung/Zeitschrift eine gesteigerte Aufmerksamkeit, die im Alter weiter ansteigt.
Groß bleiben auch die Unterschiede bei der Freizeitgestaltung zwischen den Geschlechtern. Frauen gehen u. a. fast doppelt so oft in den Gottesdienst, lesen Bücher oder schreiben Briefe. Und auch erwartete Klischees lassen sich mit Zahlen belegen: Frauen nehmen sich mehr Zeit, um sich in Ruhe zu pflegen, unternehmen öfter einen Einkaufsbummel und verbringen mehr Zeit am Telefon. Männer widmen sich dagegen deutlich häufiger dem Heimwerken, gehen in die Kneipe oder zum Stammtisch und schauen bei Sportveranstaltungen zu.

Jugendl.
(14-17 J.)

Junge Erw.
(18-24 J.)

Singles
25-49 J.

Paare
25-49 J.

Familien
25-49 J.

Jungsenior.
50-64 J.

Ruheständl.
Ab 65 J.

Fernsehen

Fernsehen

Fernsehen

Fernsehen

Fernsehen

Fernsehen

Fernsehen

Zuhause telefon.

Mobil telefon.

Mobil telefon.

Zuhause telefon.

Familie

Radio

Zeitung u. Zeitschrift.

CDs/MP3s hören

Zuhause telefon.

Radio

Radio

Zuhause telefon.

Zuhause telefon.

Radio

Mobil telefon.

Computer

Zuhause telefon.

Partner

Radio

Zeitung u. Zeitschrift.

Zuhause telefon.

Computer

Radio

Ausschlafen

Mobil telefon.

Kinder

Familie

Gedanken nachgehen

Radio

E-Mail

Gedanken nachgehen

Zeitung u. Zeitschrift.

Partner

Partner

Kaffee- trinken

E-Mail

CDs/MP3s hören

E-Mail

Computer

Mobil telefon.

Wichtige Dinge bespr.

Ausschlafen

Familie

Wichtige Dinge bespr.

Computer

Wichtige Dinge bespr.

Wichtige Dinge bespr.

Gedanken nachgehen

Mittagsschlaf

Ausschlaf.

Internet

Zeitung u. Zeitschrift.

E-Mail

Computer

Kaffee- trinken

In Ruhe pflegen

Internet

Ausschlaf.

Wichtige Dinge bespr.

Familie

Zeitung u. Zeitschrift.

Ausschlafen

Familie

Ausblick

27 unterschiedliche Freizeitaktivitäten üben die Deutschen durchschnittlich pro Woche aus – dies sind fast zwei mehr als noch im Jahr 2007. Daher überrascht es nicht, dass viele Bürger ständig das Gefühl haben, zu wenig (Frei-)Zeit zu haben. In ihrer Zeitnot reagiert die Bevölkerung pragmatisch und verkürzt die Dauer der Aktivitäten oder kombiniert verschiedene Unternehmungen miteinander. Dass diese Schnelllebigkeit oftmals Oberfläch­lichkeit zur Folge hat, wird dabei (zwangsläufig) akzeptiert. Gleichzeitig kündigt sich aber auch eine Renaissance der regenerativen Aktivitäten wie Faulenzen und Nichtstun, das Ausschlafen am Wochenende oder der Mittagsschlaf unter der Woche an. Reinhardt: „Durch die Vielzahl von Konsum- und Medienangeboten, der Alltagshektik und dem Terminstress, wächst die Sehnsucht nach Ruhe und Erholung. In Zukunft werden viele Bürger sich daher wieder bewusster zurückziehen und die regelmäßige Muße zu einem persönlichen Muss werden lassen. Freizeit wird so wieder zu einer freien Zeit.“

Der „Freizeit-Monitor 2011“ enthält in über 100 Charts detaillierte Angaben zu der Nutzer- und Häufigkeitsstruktur von über 80 Freizeitaktivitäten von Fernsehen und PC-Nutzung, über Museums- und Kinobesuche bis hin zu Tagestrips und Wochenendfahrten.

Der „Freizeit-Monitor 2011“ ist wahlweise als gedruckte Studie oder als PDF-File gegen eine Schutzgebühr von 49,00 Euro bei der Stiftung für Zukunftsfragen, eine Initiative von British American Tobacco, Alsterufer 4, 20354 Hamburg ab sofort zu beziehen (siehe Kontakt).