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30 Jahre Zukunftsforschung

Nur wer zurückblickt, kann auch nach vorn schauen

Die Stiftung für Zukunftsfragen blickt zurück auf nunmehr 30 Jahre wissenschaftliches Engagement. Mit kritischen Gesellschaftsanalysen und fundierten Zukunftsprognosen hat die Stiftung einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft geleistet und wird diese auch weiterhin aktiv gestalten. Hervorgegangen aus dem 1979 gegründeten BAT-Freizeit-Forschungsinstitut hat sich die Stiftung für Zukunftsfragen schon frühzeitig ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gestellt. Seit drei Jahrzehnten engagiert sie sich als unabhängige Forschungsinstitution und fördert Informationsaustausch und Meinungsbildung. Dabei ist es ihr Anliegen, positive Impulse zu geben, um die Menschen schon heute auf das Morgen vorzubereiten – für mehr Zukunftsgewissheit und weniger Zukunftsangst. Die Stiftung für Zukunftsfragen schaut nach vorn: auf die Zukunft Deutschlands und Europas.

Prof. Dr. Horst W. Opaschowski hat mit seinen Zukunftsprognosen Vergangenheit und Gegenwart offensiv und aktiv geprägt. „Dem Volk schaut er aufs Maul, der Regierung klopft er auf die Finger“ (DPA). Die Voraussagen, die er in den vergangenen 30 Jahren getroffen hat, geben einen anschaulichen Einblick in die Arbeit der Stiftung für Zukunftsfragen und spiegeln die Entwicklung unserer Gesellschaft und unserer Vorstellungen über sie wider.

Prognosen und Visionen: 30 Jahre Zukunftsforschung

1979 zum Wandel von Wirtschafts- zu Sinnkrisen

„Die Grenzen des Wachstums signalisieren nicht nur ökonomische Krisen. Die Bürger werden in Zukunft nicht mehr nur wissen wollen, wovon sie leben, sondern müssen neue Antworten darauf finden, wofür sie leben.“

1980 zur „Compunikation“ als Kommunikation aus der Steckdose

„Zukunftsvision Compunikation (über Computer und Mikroprozessoren gesteuerte Kommunikaton): bietet die Chance des Überalldabeiseins, gewährt computerisierte Erlebnisse und (steck-) dosierte Erfahrungen aus zweiter Hand.“

1981 zu den „Swinging Singles“ als Legende

„Die ‚Swinging Singles‘ werden zur Legende: Auf den ersten Blick ein emanzipatorischer Akt der Befreiung, in Wahrheit meist ein letzter Aus-Weg und Ver-Such auf der Suche nach sich selbst: Im Alleinsein geht es um die Findung des Ichs.“

1982 zur veränderten Leistungsorientierung

„Das Leistungsprinzip als soziale Norm ist fragwürdig geworden, nicht aber die Leistung an sich. Ein Wandel von der sozial-konformen zur individuell-autonomen Leistungs-orientierung ist feststellbar. Das Bedürfnis, selbst etwas Produktives zu schaffen und etwas zu leisten, was Spaß macht und Sinn hat, ist unverändert groß.“

1983 zur Arbeitszeitverkürzung und Lohnverzicht

„Ein neuer Verteilungskampf steht uns bevor, ein Kampf um die 'Mangelware Arbeitsplatz'. Weniger arbeiten und weniger verdienen gehören wohl unmittelbar zusammen. An einer Senkung der Realeinkommen kommt kaum einer vorbei.“

1984 zum wachsenden Freizeitstress

„Die Bundesbürger kommen nach der Arbeit nicht zur Ruhe. Sie klagen über wachsenden Freizeitstress und haben Schwierigkeiten, ökonomisch mit der Zeit umzugehen, sich selber Grenzen zu setzen – und auch einmal nichts zu tun.“

1985 zur Verpflichtung zur ökologischen Buchhaltung

„Warum soll es nicht möglich sein, die Freizeit- und Tourismusindustrie zur ökologischen Buchhaltung zu verpflichten? In dieser Öko-Bilanz werden alle ökologischen Belastungen und Folgekosten erfasst, was langfristig mehr Gewinn als Verzicht bedeutet.“

1986 zur drohenden Kinderlosigkeit

„Es droht eine kinderlose Kultur in allen westlichen Industrieländern. Den größten Geburtenrückgang verzeichnet die Bundesrepublik Deutschland. Wenn sich der Trend ‚weg von Ehe und Kindern’ nicht verstärken soll, muss die Familienpolitik neue Wege gegen.“

1987 zum künftigen Wellness-Trend

„Für die Zukunft zeichnet sich eine Entwicklung ab, in der aus Fitness Wellness wird. Wellness ist Fitness für Körper, Seele und Geist.“

1988 zur Zunahme von Zeitnot

„Das Gefühl für den Wert der Zeit nimmt zu. Mehr Geld allein erscheint wertlos, wenn nicht gleichzeitig auch mehr Zeit ‚ausgezahlt‘ wird. Die Konsumenten werden Mühe haben, das Angebot zu überschauen.“

1989 zu Frauen als Trendpionieren der Zukunft

„Soziale Bewegungen werden in Zukunft verstärkt von Frauen getragen. Gleichzeitig übernehmen sie ehemals männliche Lebensstile in Beruf und Freizeit. Die Frauen der Zukunft – gestresst, aber glücklich?“

1990 zur politisch desillusionierten Jugend

„Es ist heute kein Widerspruch, politisiert und gleichzeitig politisch desillusioniert zu sein. Politik ‚von oben’ besitzt bei den Jungen unten wenig Anziehungskraft. Politik heißt für die junge Generation: Selbst gestaltend am sozialen Leben mitwirken.“

1991 zur neuen Reisefreiheit der Ostdeutschen

„Die westdeutschen Bundesbürger wollen im Urlaub fast ‚alles‘, die ostdeutschen Bundesbürger auch – nur von allem noch ‚mehr‘. Die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit könnte ostdeutsche Urlauber für Desillusionierungen und Enttäuschungen besonders anfällig machen.“

1992 zum Fernsehen als Nebenbei-Medium

„Für zwei Drittel der Bevölkerung ist das Fernsehen zur Nebensache geworden. Die überwiegende Mehrheit der TV-Konsumenten wendet sich vom Bildschirm ab und anderen Dingen zu: Beim Fernsehen wird gelesen und gegessen, gebügelt und gebastelt, man unterhält sich, telefoniert mit Freunden ...“

1993 zur wachsenden Angst vor Kriminalität

„Die neuen Freiheiten gehen mit einem erheblichen Mangel an persönlicher Sicherheit einher. Die Angst der Ostdeutschen vor Kriminalität ist im Durchschnitt doppelt so hoch wie im Westen.“

1994 zur New Economy als Luftblase

„Der Multimediazug ins 21. Jahrhundert wird eher einem Geisterzug gleichen, in dem sich ein paar Nintendo- und Sega-Kids geradezu verlieren, während die Masse der Konsumenten nach wie vor ‚voll auf das TV-Programm abfährt.‘ Der Multimediarausch findet nicht statt. Die Macher haben die Rechnung ohne die Mitmacher gemacht“.

1995 zur drohenden digitalen Spaltung

„Eine Spaltung zeichnet sich für die Zukunft ab: In die kleine Gruppe der Computer-Freaks und in die Mehrheit der Medien-Analphabeten.“

1996 zur Trendwende im Konsumverhalten

„Erstmals seit Mitte der 80er Jahre zeichnet sich eine deutliche Trendwende im Konsumverhalten ab. Vor allem der Erlebnishunger stößt zunehmend an finanzielle Grenzen. Vom Ausgeben zum Verausgaben ist nur noch ein Schritt.“

1997 zur Unlust der Jugend an TV-Nachrichten

„Es werden immer mehr Unterhaltungssendungen und Talkshows gesehen, während gleichzeitig Nachrichten und politische Magazine deutliche Rückgänge zu verzeichnen haben – vor allem bei den Jugendlichen. Eine Herausforderung für die Demokratie und politische Bildungsarbeit.“

1998 zum gläsernen Konsumenten der Zukunft

„Nichts gilt mehr als sicher, weil jeder User Spuren im Internet hinterlässt. Ein Eingriff in die Privatsphäre ist nicht auszuschließen. Der gläserne Konsument ist keine Utopie“.

1999 zur Krise der westlichen Welt

„Problematisch ist die Krise der Überflussgesellschaft, die jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt und dabei auch ihre moralischen Ressourcen verbraucht hat. Hier sind für die Zukunft massive Entwicklungsprogramme gefordert, sonst kann die Kluft zwischen Arm und Reich explosiv werden.“

2000 zu Gesundheit und Lebensqualität als Megamärkte der Zukunft

„Im Post-PC-Zeitalter werden Gesundheit und Lebensqualität die Megamärkte der Zukunft sein. In unserer immer älter werdenden Gesellschaft boomen dann Bio- und Gentechnologien, Pharmaforschung und Forschungsindustrien gegen Krebs, Alzheimer und Demenz sowie gesundheitsnahe Branchen, die Care und Wellness, Vitalität und Revitalisierung anbieten.“

2001 zum Ende der Spaßgesellschaft

(fünf Monate vor dem Terroranschlag in New York) „Schafft die Spaßgesellschaft ab! Sonst geht die soziale Lebensqualität verloren.“

2002 zu neuen Wertmaßstäben

„Je freier wir leben, desto lauter wird der Ruf nach verbindlichen Gemeinsamkeiten. Ehrlichkeit und Rücksichtnahme, Kollegialität und Toleranz sind der soziale Kitt der Gesellschaft. Die Deutschen haben durchaus klare moralische Vorstellungen über das, was für alle Bürger verbindlich und selbstverständlich sein sollte.“

2003 zur Beständigkeit als neuem Jugend-Trend

„Nicht mehr Sport, Hobby und Urlaubsreise stehen im Zentrum des Lebens, sondern Ehe, Kinder und Familie. Die junge Generation will offensichtlich beides, weil auch im Familienleben genügend Zeit für eigene Interessen bleibt.“

2004 zum Ende des Wohlfahrtsstaates

„Mit unserem bisherigen Verständnis von Sozial- und Wohlfahrtsstaat kommen wir nicht weiter. Der Lebensstandard sinkt. Die Deutschen werden ärmer. Die Familie wird zum Wohlfahrtsverband – sie bleibt billig und barmherzig.“

2005 zum Wandel des Urlaubs vom Qualitäts- zum Billigprodukt

„Das Qualitätsprodukt Urlaub wird fast nur noch über den Preis verkauft. Die Touristikbranche bekommt die Sparwelle immer mehr zu spüren. Mit dem Wandel vom Qualitäts- zum Billigprodukt kann langfristig auch die Philosophie von den schönsten Wochen des Jahres verloren gehen.“

2006 zum Trend zu neuen Wahlverwandtschaften

„Die Angst vor Armut lässt die Menschen enger zusammenrücken und alte Sicherheiten wie Familie, Freunde und Nachbarn wiederentdecken. Kinderlose suchen sich Wahlfamilien und Wahlverwandtschaften. Die Zukunft gehört Hausgemeinschaften und Generationenhäusern.“

2007 zu Alternativen zum drohenden Kollaps der Sozialsysteme

„Wenn die Babyboomer-Generation um 2030 in Rente geht oder das Pflegealter erreicht, droht ein Kollaps der Sozialsysteme. Zur Vermeidung von Altersarmut empfiehlt sich als Langfrist-Modell die Einführung eines minimalen Existenzgeldes (Minimex) für alle. Nur so bleiben rechtsstaatliche Prinzipien wie Fürsorge und soziale Gerechtigkeit gewahrt.“

2008 zu den Folgen des Klimawandels

„Die Klimadebatte hat die deutschen Autofahrer noch nicht erreicht. Vom Klimawandel zum Sinneswandel ist noch ein weiter Weg. Eine grundlegende Änderung der Kauf-, Konsum- und Fahrgewohnheiten ist noch nicht in Sicht.“

2009 zum Wandel zum nachhaltigen Wohlstandsdenken

„In wirtschaftlich schwierigen Zeiten legen die Menschen mehr Wert auf nachhaltigen Wohlstand, der nicht nur von Konjunkturzyklen und Börsenkursen abhängig ist. Dabei geht es um das Gelingen des Lebens. Und das heißt: Gut leben statt viel haben.“

Jubiläumsveranstaltung 30 Jahre wissenschaftliches Engagement

30 Jahre wissenschaftliches Engagment wurden von British American Tobacco zusammen mit der Stiftung für Zukunftsfragen am 8. Juni 2009 in Hamburg gefeiert. Mehr lesen...

News and Dates

10 February 2010

Pressekonferenz zur 26. Deutschen Tourismusanalyse am 10. Februar 2010

14 July 2009

Urlaub in Krisenzeiten: Interview mit Dr. Ulrich Reinhardt

08 June 2009

Veröffentlichung der neuen Stiftungsstudie: "Vision Deutschland. Neue Wege in die Welt von morgen"

© 2009 STIFTUNG FÜR ZUKUNFTSFRAGEN. Alle Rechte vorbehalten / Seite zuletzt aktualisiert am 2009-07-22