Freizeit aktuell, 111, 14. Jg., 30.08.1993

 Download as PDF (in German)

„Mehr arbeiten – für den Freizeitkonsum!“

„Mehr arbeiten – für den Freizeitkonsum!“

Ein neuer Trend bei jungen Arbeitnehmern in Westdeutschland

Vor allem junge Arbeitnehmer wollen mehr arbeiten als bisher. Was sie hierzu persönlich am meisten motiviert ist das Interesse an einer Steigerung des eigenen Freizeitkonsums. So sind 59 Prozent der 16- bis 19jährigen und 54 Prozent der 20- bis 29jährigen „gerne bereit, mehr zu arbeiten, um sich in der Freizeit mehr leisten zu können“. Dies geht aus einer repräsentativen Trendanalyse des BAT Freizeit-Forschungsinstituts hervor, in der die Bereitschaft zu Mehrarbeit bei 2.000 Personen ab 14 Jahren im Zeitvergleich der Jahre 1986, 1989 und 1993 untersucht wurde.

Auch unabhängig von der derzeitigen Rezession ist in den letzten Jahren die Bereitschaft der jungen Arbeitnehmer, in der Arbeit mehr zu leisten, um sich in der Freizeit mehr leisten zu können, kontinuierlich gestiegen: 1986 waren 45 Prozent der 16- bis 19jährigen Berufseinsteiger zu längerer Arbeitszeit bereit. 1989 lag der Anteil der Befürworter bereits bei 50 Prozent und im Juli 1993 sprachen sich sogar 59 Prozent dafür aus. Auch bei den 20- bis 29jährigen Berufstätigen ist ein deutlicher Anstieg feststellbar (1986: 42 % - 1993: 54%).

„Mit der wachsenden Freizeitorientierung“, so Prof. Dr. Horst W. Opaschowski, der Leiter des BAT Instituts, „setzt sich vor allem bei den jungen Leuten die Erkenntnis durch: Mehr Freizeit ist ohne mehr Geld immer weniger wert.“ Die junge Generation, im Wohlstand aufgewachsen, stellt immer höhere Ansprüche an den eigenen Freizeitkonsum: Sport, Hobby und Urlaubsreisen sind ihnen lieb, aber auch teuer. Wer also in der Freizeit mehr konsumieren will, muß auch in der Arbeit produktiver sein. Opaschowski: „Geldverdienen und Geldausgeben gehören zusammen wie Leistung und Lebensgenuß auch.“

Ältere Generation: Mehr Individualisierung und Flexibilisierung in der Arbeitszeit

Aus der BAT Untersuchung geht weiter hervor, dass sich der Stellenwert von Arbeit, Freizeit und Konsum im Laufe des Lebens verändert. Mit zunehmendem Lebensalter spielt der Freizeitkonsum als Motivationsfaktor für mehr Arbeit eine deutlich geringere Rolle: Nur knapp zwei von fünf Arbeitnehmern (39 %) im Alter von 30 bis 49 Jahren und lediglich jeder fünfte Arbeitnehmer über 50 Jahre (21 %) lassen sich durch mehr Konsummöglichkeiten zu längerer Arbeitszeit motivieren. Sie machen eher die Erfahrung: Mehr Geld allein erscheint doch wertlos, wenn nicht gleichzeitig auch mehr Zeit „ausgezahlt“ wird. Sie wollen eher mit Zeitoptionen leben. Insbesondere für die ältere Arbeitnehmergeneration müßte der individuelle Spielraum für mehr Flexibilisierung in der Tages-, Wochen- oder Jahresarbeitszeit ausgeweitet werden. Sie will ein Leben lang etwas leisten, aber mit zunehmendem Alter zeitlich eher kürzer als länger arbeiten.

Technische Daten der Befragung

Anzahl der Befragten: 2.000 Personen
Repräsentanz: Westdeutschland, Bevölkerung ab 14 Jahren
Zeitraum der Befragung: 10. bis 21. Juli 1993
Bei der Umfrage wurden 210 Interviewer eingesetzt.