Forschung aktuell, 240, 33. Jg., 20.11.2012

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Das Vertrauen in Politiker erreicht neuen Tiefpunkt
Keine Verlässlichkeit + keine Verantwortung = kein Vertrauen

Das Vertrauen in Politiker erreicht neuen Tiefpunkt
Keine Verlässlichkeit + keine Verantwortung = kein Vertrauen

Die Diskussionen um immer neue Rettungsschirme und Bankenrettungen, um Betreuungsgeld und Steuergeschenke, um nicht fertige Flughäfen und fehlerhafte Doktorarbeiten sowie um Personaldiskussionen oder Koalitionsaussagen, haben Spuren bei den Deutschen hinterlassen. Nur jeder zehnte Deutsche (10,4%) glaubt daran, dass Bundespolitiker zukünftige Herausforderungen lösen können. Zu diesem Ergebnis kommt die neuste Untersuchung der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, für die repräsentativ 2.000 Bundesbürger ab 14 Jahren befragt wurden.

Vertrauen in Politiker auf neuem Tiefpunkt

Keine Verlässlichkeit + keine Verantwortung = kein Vertrauen

Von je 100 Befragten vertrauen in Bezug auf die Lösung von Zukunftsfragen:

 GesamtWestOst
Bundespolitiker10.411.75.7
Landespolitiker8.69.36.3
Lokal-/Gemeindepolitiker7.27.85
Europapolitiker66.35.1

Die Bundespolitiker in Berlin schneiden dabei noch etwas besser ab als die Landespolitiker (8,6%), die Lokal- und Gemeindepolitiker (7,2%) oder die Europapolitiker in Brüssel (6,0%). Innerhalb der Bevölkerung haben insbesondere die Ostdeutschen und gering verdienenden Bevölkerungsgruppen das Vertrauen in ihre Repräsentanten verloren – sie trauen den Politikern aller politischen Ebenen (noch) deutlich seltener.

Die Gründe für dieses geringe Vertrauen sind vielschichtig. So stellen zunehmend mehr Bürger die Glaubwürdigkeit der Politiker generell in Frage und sind der Meinung, dass diese ein Leben fernab der Alltagsrealität führen. Zudem haben viele Wähler die Befürchtung durch Wahlversprechen betrogen zu werden, sie bemängeln das Denken in Legislaturperioden oder auch die opportunistische Klientelpolitik. Darüber hinaus erscheinen vielen Bürgern die rhetorischen Ausführungen der Politiker immer häufiger nur inszeniert, wahllos und nicht inhaltsbezogen. „Die Bürger haben das Gefühl, dass es den meisten Politikern mehr um das Anschwärzen und Schlechtmachen der politischen Gegner geht, anstatt um konstruktive Arbeit. In der Konsequenz steht bei Wahlen weniger der Inhalt im Zentrum, sondern viel mehr die Abwahl von Personen bzw. die Wahl des 'kleineren Übels'. Zusätzlich verstärkt wird diese Entwicklung durch die abnehmende Differenzierung zwischen den Parteien – die wenigsten können noch wesentliche Unterschiede benennen“, so Professor Dr. Ulrich Reinhardt, der Wissenschaftliche Leiter der Stiftung.

Ausblick: Politikverdrossenheit war das Wort des Jahres 1992. Zwanzig Jahre später droht aus der Verdrossenheit Gleichgültigkeit zu werden. Um das verlorene Interesse zurückzugewinnen, muss das Vertrauen wiederhergestellt werden. Dieses lässt sich sicherlich nicht kurzfristig erreichen, sondern kann nur langsam wieder wachsen. Als eine Voraussetzung hierfür müssten Politiker wie auch Parteien mehr Eigenprofil und Perspektive bieten, mehr Verlässlichkeit und mehr Standfestigkeit beweisen sowie für einen verbesserten Vermittlungsprozess zur Verfügung stehen. Ob ihnen dies gelingt, wird das kommende (Wahl-) Jahr zeigen.