Forschung aktuell, 278, 39. Jg., 18.07.2018

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Schöne neue Arbeitswelt? Was kommt, was bleibt, was geht?

Schöne neue Arbeitswelt? Was kommt, was bleibt, was geht?

Wie werden – und vor allem – wie wollen die Deutschen zukünftig arbeiten? Welche Chancen und Risiken sind mit den künftigen Entwicklungen in der Arbeitswelt verbunden? Welche Rahmenbedingungen werden das Berufsleben in der Zukunft prägen? Auf diese vorausschauenden Fragen gibt die neueste Publikation der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen „Schöne neue Arbeitswelt? Was kommt, was bleibt, was geht?“ fundierte Antworten. Auf über 300 Seiten werden repräsentativ erhobene Meinungsbilder der deutschen Bevölkerung zukunftswissenschaftlich interpretiert, Generationenunterschiede herausgestellt und ein Blick auf die Arbeitswelt von morgen geworfen.

Zuversicht statt Zukunftsangst

Heute beeinflusst vor allem die Angst vor Veränderungen das Zukunftsdenken breiter Bevölkerungsgruppen. So blicken viele Bürger mit Sorge und Skepsis in die Zukunft, sehnen sich insbesondere im Arbeitsleben nach mehr Beständigkeit und zeigen teilweise erhebliche Vorbehalte gegenüber der zunehmenden Technisierung, Digitalisierung, Automatisierung, Liberalisierung und Globalisierung. Die Angst, den Anschluss zu verpassen, sich neuen Konkurrenten stellen zu müssen, vielleicht sogar den Job zu verlieren und damit Einschränkungen im Lebensstandard und der Lebensqualität hinnehmen zu müssen, sind keine Seltenheit. 

Dabei ist eine schönere Arbeitswelt durchaus realistisch – wenn die zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ausgehandelten Rahmenbedingungen an die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts angepasst werden und die Grundsätze für die Gestaltung eines humanen Arbeitslebens berücksichtigt werden. In diesem Sinne darf die Vorausschau auf die zukünftigen Veränderungen nicht nur angstgesteuert auf die Gefahren und Risiken fixiert sein, sondern muss vielmehr zuversichtlich auch auf die vielen Chancen und Potenziale hinweisen.

So sehen beispielsweise 84 Prozent der Bevölkerung in der Weiterentwicklung der Technologien für Information, Kommunikation und Automatisierung ein sehr großes Potential für das zukünftige wirtschaftliche Wachstum, und 59 Prozent gehen von einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen durch die Digitalisierung aus. Drei Viertel der Bevölkerung erwarten zudem in der Zukunft deutlich mehr Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen und 85 Prozent sind sich sicher, in der Arbeitswelt der Zukunft wird man neben Fachwissen auch Kompetenzen wie Zeitmanagement, Kritikfähigkeit, Teamfähigkeit usw. benötigen. Die Mehrheit (57%) würde ferner eine staatliche Förderung von familienfreundlichen Unternehmen begrüßen, um so die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu unterstützen.

Definition „Guter Arbeitsplatz“ – GELD/SICHERHEIT

Von je 100 Befragten erachten für einen guten Arbeitsplatz als wichtig/sehr wichtig:

  
Festes, verlässliches Einkommen 
     Gesamtbevölkerung98
     Generation Z100
     Generation Y98
     Generation X97
     Babyboomer98
     Kriegs- u. Nachkriegsgeneration97
  
Faires Gehalt 
     Gesamtbevölkerung98
     Generation Z97
     Generation Y99
     Generation X99
     Babyboomer99
     Kriegs- u. Nachkriegsgeneration97
  
Sicherheit des Arbeitsplatzes 
     Gesamtbevölkerung97
     Generation Z95
     Generation Y98
     Generation X97
     Babyboomer98
     Kriegs- u. Nachkriegsgeneration95
  
Aufstiegsmöglichkeiten / Karrierechancen 
     Gesamtbevölkerung71
     Generation Z92
     Generation Y79
     Generation X59
     Babyboomer65
     Kriegs- u. Nachkriegsgeneration71
  
Überdurchschnittlich viel Geld verdienen 
     Gesamtbevölkerung69
     Generation Z81
     Generation Y76
     Generation X73
     Babyboomer64
     Kriegs- u. Nachkriegsgeneration60

Definition „Guter Arbeitsplatz“ – SPASS/ARBEITSKLIMA

Von je 100 Befragten erachten für einen guten Arbeitsplatz als wichtig/sehr wichtig:

  
Nette Kollegen/Gutes Klima 
     Gesamtbevölkerung98
     Generation Z97
     Generation Y97
     Generation X98
     Babyboomer99
     Kriegs- u. Nachkriegsgeneration97
  
Faire Behandlung durch Vorgesetzte / Wertschätzung / Lob 
     Gesamtbevölkerung97
     Generation Z97
     Generation Y98
     Generation X97
     Babyboomer97
     Kriegs- u. Nachkriegsgeneration95
  
Spaß an der Arbeit 
     Gesamtbevölkerung96
     Generation Z100
     Generation Y97
     Generation X98
     Babyboomer98
     Kriegs- u. Nachkriegsgeneration97
  
„Benefits“ (z.B. kostenloses Essen, Firmenwagen/-handy) 
     Gesamtbevölkerung36
     Generation Z55
     Generation Y39
     Generation X34
     Babyboomer30
     Kriegs- u. Nachkriegsgeneration33
  
Möglichst wenig Arbeit/Aufwand 
     Gesamtbevölkerung33
     Generation Z35
     Generation Y35
     Generation X37
     Babyboomer31
     Kriegs- u. Nachkriegsgeneration27

Der perfekte Arbeitsplatz

Bei der Bewertung der Arbeitsplatzqualität steht im Gegensatz zur Vergangenheit nicht mehr ein überdurchschnittlich hohes Gehalt im Vordergrund, sondern die Sicherheit im doppelten Sinne. Diese umfasst sowohl die Sicherheit des Arbeitsplatzes als auch die Sicherheit, ein faires und regelmäßiges Gehalt zu erhalten. Ein hohes Einkommen verliert dagegen sukzessive an Bedeutung. Die Bevölkerung ist sich sicher, Geld allein garantiert noch lange kein hohes Glücksniveau in der Arbeitswelt. Ein gutes Arbeitsklima, Spaß, Wertschätzung durch den Arbeitgeber sowie eine erfüllende, sinnvolle Tätigkeit werden dafür immer wichtiger.

So wird beispielsweise Spaß an der Arbeit fast ebenso wichtig eingestuft wie Kündigungsschutz und eine gerechte Entlohnung. Klassische Extras der Vergangenheit für Leistung und Aufstieg haben hingegen deutlich an Bedeutung verloren. Mit Diensthandy oder -wagen verbinden lediglich noch 36 Prozent der Bevölkerung einen guten Arbeitsplatz. 

Große Unterschiede zeigen sich zwischen den jüngeren und älteren Generationen in den Bereichen „sinnvolle Aufgaben“, „Karrieremöglichkeiten“, „flexible Arbeitszeiten“ und „Beteiligung an Entscheidungsprozessen“. Gerade die junge Generation zeigt ein überdurchschnittliches Interesse daran, an Entscheidungsprozessen beteiligt zu werden und Verantwortung zu übernehmen. „Dienst nach Vorschrift“ entspricht nicht ihren Vorstellungen. Während sich drei Viertel der Generation Z (Jahrgänge 1996-2009) wünschen, direkt an Entscheidungsprozessen beteiligt zu werden, wollen dies nur etwa zwei Drittel der älteren Arbeitnehmer. Grundsätzlich liegt die Zustimmungsrate der jungen Generation bei zahlreichen Fragen über der der Gesamtbevölkerung. Hierin spiegelt sich einerseits der umfassend hohe Anspruch der Generation Z an ihre zukünftige Arbeitswelt wider, andererseits aber auch ihre Unerfahrenheit in der Berufswelt.

Weitgehende Einigkeit innerhalb der Bevölkerung herrscht bei der Bereitschaft, in der Arbeitszeit etwas zu leisten. Lediglich jeder dritte Befragte setzt einen guten Arbeitsplatz noch mit möglichst wenig Aufwand gleich. Im Gegensatz dazu wünschen sich fast alle eine erfüllende berufliche Tätigkeit, die abwechslungsreich ist und die sie selbstständig gestalten können. Hierfür sind sie auch durchaus bereit, (mehr) Verantwortung zu übernehmen.

Schöne neue Arbeitswelt? Was kommt, was bleibt, was geht?

Die Zukunft bringt eine neue Arbeitswelt, das steht fest. Doch wird sie tatsächlich schöner sein? Gerade im Bereich der Digitalisierung wird es zu umfassenden Neuerungen kommen, wodurch vieles gehen muss, was starr und unflexibel ist. Auch werden die Wertvorstellungen der Generationen Z und App – die sich zum Teil stark von denen der Generationen Babyboomer und Y oder gar der Kriegs- und Nachkriegsgeneration unterscheiden – den Arbeitsalltag zunehmend prägen. Immer wichtiger wird zudem die Bedeutung des Menschen und seiner Bedürfnisse in der Arbeitswelt. Es kann daher festgehalten werden: Eine schöne neue Arbeitswelt ist durchaus realistisch, wenn auch weiterhin der Mensch im Mittelpunkt steht!

Definition „Guter Arbeitsplatz“ – SINN/AUFGABE

Von je 100 Befragten erachten für einen guten Arbeitsplatz als wichtig/sehr wichtig:

  
Arbeit, die mich ausfüllt/sinnvoll ist 
     Gesamtbevölkerung96
     Generation Z99
     Generation Y96
     Generation X95
     Babyboomer96
     Kriegs- u. Nachkriegsgeneration95
  
Abwechslungsreiche Arbeit, bei der ich Verantwortung übernehmen kann 
     Gesamtbevölkerung92
     Generation Z96
     Generation Y94
     Generation X89
     Babyboomer94
     Kriegs- u. Nachkriegsgeneration90
  
Selbstständiges Arbeiten 
     Gesamtbevölkerung91
     Generation Z92
     Generation Y89
     Generation X91
     Babyboomer93
     Kriegs- u. Nachkriegsgeneration90
  
Mitarbeit in einem Unternehmen mit positivem Image 
     Gesamtbevölkerung82
     Generation Z85
     Generation Y86
     Generation X78
     Babyboomer81
     Kriegs- u. Nachkriegsgeneration80
  
Beiteiligung an Entscheidungsprozessen 
     Gesamtbevölkerung64
     Generation Z76
     Generation Y67
     Generation X59
     Babyboomer62
     Kriegs- u. Nachkriegsgeneration61

Definition „Guter Arbeitsplatz“ – WORK-LIFE-BALANCE

Von je 100 Befragten erachten für einen guten Arbeitsplatz als wichtig/sehr wichtig:

  
Möglichkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren 
     Gesamtbevölkerung87
     Generation Z77
     Generation Y88
     Generation X87
     Babyboomer85
     Kriegs- u. Nachkriegsgeneration89
  
Kurze Arbeitswege 
     Gesamtbevölkerung74
     Generation Z73
     Generation Y74
     Generation X77
     Babyboomer75
     Kriegs- u. Nachkriegsgeneration73
  
Flexible Arbeitszeiten 
     Gesamtbevölkerung73
     Generation Z77
     Generation Y78
     Generation X74
     Babyboomer70
     Kriegs- u. Nachkriegsgeneration68
  
Möglichkeit, den Arbeitsort frei wählen zu können (z.B. von zu Hause zu arbeiten) 
     Gesamtbevölkerung45
     Generation Z47
     Generation Y45
     Generation X46
     Babyboomer43
     Kriegs- u. Nachkriegsgeneration48

Geburtsjahrgänge:

  • Kriegs- und Nachkriegsgeneration: vor 1952
  • Generation Babyboomer: 1952-1965
  • Generation X: 1966-1979
  • Generation Y: 1980-1995
  • Generation Z: 1996-2009
  • Generation App: ab 2010

Schöne neue Arbeitswelt? Was kommt, was bleibt, was geht?

Von Reinhold Popp und Ulrich Reinhardt. Zu beziehen über den Buchhandel zum Preis von 19,90 Euro (ISBN 978-3-00-058418-3).