{"id":3702,"date":"2022-03-01T21:31:25","date_gmt":"2022-03-01T20:31:25","guid":{"rendered":"https:\/\/zukunft.ideenbude.de\/?p=3702"},"modified":"2026-07-21T19:40:12","modified_gmt":"2026-07-21T17:40:12","slug":"podcast-the-future-of-consumption-why-do-we-buy-and-consume","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stiftungfuerzukunftsfragen.de\/en\/podcast-die-zukunft-des-konsums-wieso-kaufen-und-konsumieren-wir\/","title":{"rendered":"The future of consumption \u2013 Why do we buy and consume?"},"content":{"rendered":"","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The way we buy is the way we live. Be it sustainable or wasteful. But what motivates us to make our consumption and therefore our life choices? 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Der Zukunfts-Podcast f\u00fcr euch. Mit Ayaan und Uli.\n\nHallo und herzlich willkommen zur zweiten Folge unseres Podcasts. Heute dreht sich alles um das Thema die Zukunft des Konsums und insbesondere um die Frage, wieso wir etwas kaufen. Uli, kannst du zum Einstieg einmal erl\u00e4utern, warum du dieses Thema untersuchst? Konsum interessiert ja fast jeden. Also wir konsumieren, ich will jetzt nicht sagen rund um die Uhr, aber der Konsum spielt in unserem Leben eben schon eine wirklich zentrale Rolle. In der Stiftung versuchen wir immer den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Also was will der Mensch eigentlich, wie will er konsumieren, aber nat\u00fcrlich wie du es eben auch gesagt hast, warum konsumieren wir eigentlich? Und f\u00fcr uns war dann besonders spannend eben die Frage, wie wird es in Zukunft aussehen? Was wird sich durchsetzen? Wird alles nur noch online sein? Werden wir wieder eine Renaissance von alten Werten erleben? Und darum haben wir dieses Thema eben dann n\u00e4her untersucht. Wir drehen den Spie\u00df ja gern mal um. Darum Uli, fasst doch jetzt schon zu Beginn einmal die drei wichtigsten Dinge unserer heutigen Podcast-Folge zusammen. Das ist glaube ich heute echt nicht ganz einfach. Ich w\u00fcrde jetzt einerseits sagen, Konsumpriorit\u00e4ten sind meistens auch Lebenspriorit\u00e4ten. Also so wie die Menschen einkaufen, so leben sie auch. Sei es jetzt eben besonders nachhaltig, sei es asketisch, sei es sparsam, sei es luxuri\u00f6s. Also immer wie die Menschen einkaufen, so sieht auch in der Regel das Leben aus. Als zweites w\u00fcrde ich schon einen Trend aufgreifen. Da kann man sicherlich sagen, Nutzen wird in Zukunft wichtiger sein als das Besitzen. Also dass wir uns dar\u00fcber identifizieren, was wir haben, das wird glaube ich eher nachrangig werden. Und drittens glaube ich schon, dass beim Konsumieren ja der Genuss so eine Art Renaissance erleben wird, dass wir wirklich wieder anfangen, das was wir konsumieren zu genie\u00dfen. Aber bevor du mir jetzt gleich mehr dazu erz\u00e4hlst, habe ich noch eine pers\u00f6nliche Frage an dich. Was war denn das Erste, was du dir je gekauft hast? Was ich mir in meinem Leben gekauft habe? Ja, kannst du dich daran erinnern? Da m\u00fcssen wir jetzt meine Mutter fragen. Also ich erinnere mich noch, dass ich mein Taschengeld in jungen Jahren, glaube ich, durchg\u00e4ngig in S\u00fc\u00dfigkeiten investiert habe. Das war so f\u00fcr mich immer, wenn es dann einmal im Monat gab es Taschengeld, immer so alt, wie ich war. So viel Mark habe ich damals bekommen. Und dann bin ich damit an sich losgezogen und habe mir daf\u00fcr S\u00fc\u00dfigkeiten gekauft. Und jetzt wird es schwierig. Erinnere dich an das Gef\u00fchl, was du hattest, wenn du dir dann S\u00fc\u00dfigkeiten kaufen konntest. Wann hast du dich das letzte Mal so beim Einkaufen gef\u00fchlt? Das ist echt nicht einfach. Das ist eine gute Frage. Also dieses Gef\u00fchl \u00fcber den Konsum, dass ich mich gl\u00fccklich und besonders gef\u00fchlt habe, das glaube ich, ist wirklich weniger jetzt \u00fcber materielle Dinge, \u00fcber G\u00fcter und Produkte, sondern es ist eher fast eine Art Dienstleistung. Also wenn ich irgendwie was Besonderes mache, egal ob ich ins Kino gehe oder ins Theater gehe oder mit Freunden irgendwie abends ausgehe, das sind also eher Dinge, die jetzt nicht irgendwie als Produkt dann am Ende des Tages dastehen, sondern eher immaterielle Dinge. Ich glaube, dieser Konsumbereich, der mir dann noch das meiste Gl\u00fcck gibt. Also es ist fast schon eine andere Konsumwelt. Da geht es dann gar nicht mehr um die Produkte, so wie S\u00fc\u00dfigkeiten oder ein neues Fahrrad oder ein neues Paar Schuhe, sondern eher um Erlebnisse. Genau. Ausgehen, Essen gehen, ins Kino gehen, in Urlaub fahren. Ganz klar. Also es sind alles Konsumbereiche, die du jetzt ansprichst, die nat\u00fcrlich auch dazugeh\u00f6ren. Also ich will es nicht vorgreifen, aber das ist ja auch die Zukunft, wenn wir jetzt \u00fcber Innenst\u00e4dte zum Beispiel sprechen. Ich glaube, in Zukunft werden in den Innenst\u00e4dten deutlich weniger Waren angeboten werden als viel mehr Dienstleistungen. Also das, glaube ich, ist schon so eine Entwicklung, die wir auch dann in Zukunft erleben werden. Nichtsdestotrotz esse ich nat\u00fcrlich weiterhin gerne S\u00fc\u00dfigkeiten und das bleibt auch was Besonderes. Aber wenn du sagst, es werden mehr Dienstleistungen in den Innenst\u00e4dten, also da w\u00fcrde ich gerne nochmal kurz darauf eingehen. Man sagt ja so, die Innenst\u00e4dte werden aussterben, Einzelhandels hat es sehr schwer. Du sagst, die haben eine Chance, wenn es mehr um Dienstleistungen geht. Was genau meinst du damit? Ja, glaube ich schon. Also es ist ja heute die vielen Innenst\u00e4dte, die man besuchen kann, die gleichen sich ja doch sehr stark an. Und das Warenangebot ist sehr \u00e4hnlich. Ich glaube, das ist in Zukunft eben nicht mehr so gefragt. Ich glaube wirklich, es wird wieder eher um Beratung gehen, um Service gehen, eben auch um Dienstleistungen, die angeboten werden. Und dass man dort bestimmte, wei\u00df ich nicht, vom Friseur bis hin zu demjenigen, der dir die Schuhe vielleicht wieder neu besohlt. Also alles, was in diese Richtung geht. Genauso glaube ich nat\u00fcrlich aber auch dieser ganze Konsumbereich in den Innenst\u00e4dten, der gef\u00f6rdert wird. Gastronomie, Kultur, solche Dinge haben, glaube ich, in der Zukunft eine gro\u00dfe Chance. Und die Innenst\u00e4dte, die m\u00fcssen sich ja ver\u00e4ndern. Ich w\u00fcrde mir jetzt vorstellen k\u00f6nnen, dass es in Zukunft wieder eher der Marktplatz ist, der Vergangenheit, wo man sich eben trifft, sich austauscht, aber nicht mehr nur Waren im Vordergrund stehen. Weil die Bed\u00fcrfnisse gleich bleiben. Nur die Art, wie man das befriedigt, ist eine neue. Nicht mehr durch den Erwerb von einem Produkt, sondern eher durch das Erlebnis. Beides wahrscheinlich. Und du hast jetzt nat\u00fcrlich diese Bed\u00fcrfnisse angesprochen. Wenn man sich das jetzt wissenschaftlich betrachtet, kann man ja immer so verschiedene Kategorien haben, die der Konsum eben erf\u00fcllen soll. Und eines der wesentlichen Bed\u00fcrfnisse ist ja immer die Befriedigung von Grundbed\u00fcrfnissen. Also du willst dir was zu essen kaufen, Kleidung kaufen, willst ein Dach \u00fcber dem Kopf haben. Auch das ist ja schon Konsum. Aber ich glaube, der wird dir fast heute schon vorausgesetzt. Wenn man sich dann so die anderen Ebenen des Konsums anschaut oder die Bed\u00fcrfnisse, die er erf\u00fcllen soll, ist nat\u00fcrlich dieser ganze Bereich mit Freude, Wohlergehen. Also was das Leben einfacher auch ein St\u00fcck weit macht. Sei es jetzt, dass du ein Auto hast, um von A nach B zu kommen. Sei es, was das Leben angenehmer macht, dass du dir irgendwie ein neues Telefon oder ein neues Smartphone kaufst. Dass du irgendwie eine Reise t\u00e4tigst. Aber nat\u00fcrlich auch dieser ganze Bereich, der dir einfach Freude bereitet. Also alles, was in diese Hobbyrichtung geht. Auch das ist ja Konsum. Und man darf ja nicht vergessen, also fast zwei Drittel der B\u00fcrger sagen, sie gehen eben gerne shoppen. Haben nat\u00fcrlich aber auch das Gef\u00fchl, dass sie oftmals etwas einkaufen, ohne es wirklich zu brauchen. 50 Prozent der B\u00fccher, die wir alle zu Hause stehen haben, sind ungelesen. Das sind jetzt nicht nur irgendwelche Lexika, sondern es sind auch die literarischen Klassiker, die nur dastehen, damit man uns in eine bestimmte Schublade steckt. Oder es sind die angesagten B\u00fccher. Aber das sind schon auch viele Dinge, die wir eben konsumieren, ohne sie zu nutzen. Genauso bei Kleidung, bei Schuhen. Und die Musik, die man sich runterl\u00e4dt, ob man die wirklich immer h\u00f6rt, die Spiele, die man kauft, ob man sie dann wirklich spielt. Das steht nat\u00fcrlich dann auf einem ganz anderen Blatt. Und wie sieht das mit der Zugeh\u00f6rigkeit aus? Das hat ja doch auch relativ viel damit zu tun, dass man vielleicht so sein m\u00f6chte wie die anderen. Da hast du v\u00f6llig recht. Also das w\u00e4re ein anderes Bed\u00fcrfnis, was man versucht durch Konsum zu befriedigen, ist eben Identit\u00e4t. Also wie du gesehen wirst von anderen. Das kennt man ja einerseits \u00fcber diese Statussymbole, dass man versucht sich dadurch abzugrenzen, auch eine Best\u00e4tigung zu erfahren, eine Anerkennung zu erfahren. Andererseits nat\u00fcrlich aber auch \u00fcber eine andere Art des Konsums. Wenn du jetzt besonders viel Bioprodukte kaufst, dann willst du damit ja auch was ausdr\u00fccken. In der Wissenschaft spricht man dann schnell von diesem positionalen Konsum. Also du versuchst dich \u00fcber deinen Konsum zu positionieren, gegen\u00fcber den Nachbarn, gegen\u00fcber den Kollegen, gegen\u00fcber den Freunden. Also deine soziale Stellung versuchst du eben durch den Konsum darzulegen. Und ein anderer Bereich wieder, der sicherlich auch bei den Bed\u00fcrfnissen ganz zentral ist, ist nat\u00fcrlich all das, was durch die Werbung nach vorne gebracht wird. Also das ist ja, dass wir ja auch versuchen attraktiv zu sein durch unseren Konsum gegen\u00fcber denjenigen, die wir attraktiv finden. Wir wollen Aufmerksamkeit erlangen, wollen Zuneigung erfahren. Also das ist ja von der Kleidung bis zum Parfum und die ganze Industrie, die dahinter steht, die nat\u00fcrlich dann auch versucht, das entsprechend zu f\u00f6rdern und zum Konsumieren zu animieren. Und dann gibt es doch sicherlich auch noch, dass man nur aus Gewohnheit kauft, oder? Ja, da hast du v\u00f6llig recht. Das w\u00e4re so der f\u00fcnfte und letzte gro\u00dfe Bed\u00fcrfnisblock, dass du vieles eben nicht mehr hinterfragst, was du kaufst, sondern das hast du schon immer gemacht, das haben vielleicht schon deine Eltern gemacht. Und du hast eben eine schon sehr hohe Markentreue, sei es jetzt nicht nur beim Auto, nicht nur bei irgendwie dem Waschmittel, sondern auch bei vielen Lebensmitteln, dass diese Bereitschaft, etwas Neues auszuprobieren, eben sehr schwer ist. Und wir haben aber gerade auch \u00fcber die Identifikation mit dem Konsum gesprochen. Hat sich das ver\u00e4ndert? Auf alle F\u00e4lle. Also heute definierst, aber identifizierst du dich eben auch sehr stark dar\u00fcber, wie du konsumierst und wie du dann nat\u00fcrlich auch deine freie Zeit gestaltest. Die Freizeit ist ja oftmals durch den Konsum auch gepr\u00e4gt. Das hei\u00dft, dass du besonders kulturinteressiert bist, wie du Urlaub machst, ob du im Schrebergarten aktiv wirst. Und dadurch willst du ja auch ein St\u00fcck weit erreichen, wie andere dich sehen. Also vielleicht bist du dann nicht mehr der Arzt oder der Maler, sondern du bist dann derjenige, der einen Schrebergarten hat oder sich besonders gut mit Computern auskennt oder der k\u00fcnstlerisch besonders interessiert ist. Das hat sich schon im Laufe der Jahrzehnte sichtlich ver\u00e4ndert. Und welche Rolle spielt dabei die Werbung? Also mir ist letztens Folgendes passiert. Ich war bei einer Bekannten zu Besuch. Sie hatte Fotob\u00fccher rumliegen, die alle sehr schick aussahen. Und wir haben uns dann kurz dar\u00fcber unterhalten, wie sie die erstellt hat und sagte mir, das wurde mit einer App gemacht. Und danach, die n\u00e4chsten drei Tage, waren meine s\u00e4mtlichen Social-Media-Kan\u00e4le voll mit Anzeigen zu Fotobuch-Apps. Ich habe da ja nicht aktiv nachgesucht, aber bin da jetzt geinfluenst worden durch die Werbung. Welche Rolle spielt Werbung eigentlich noch auf unser Konsumverhalten? Schon oftmals noch eine gro\u00dfe, wobei ich glaube, auch die Werbung wird sich in Zukunft ver\u00e4ndern. Also wenn wir \u00fcber die Zukunft des Konsums sprechen, k\u00f6nnte man auch \u00fcber die Zukunft der Werbung sprechen. Wieder so ein bisschen, vielleicht auch da der Blick zur\u00fcck. So 80er Jahre hat man immer gesagt, naja, privates Fernsehen hat Einzug gehalten. Jeder Verbraucher sieht so, wei\u00df ich nicht, so 700 Werbebotschaften. Werbebotschaften war damals immer so eine Faustregel, die man pro Tag erfahren hat. Zur Jahrtausendwende haben dann die Experten schon gesagt, hat sich es verdreifacht, vervierfacht, also 2.000 bis 3.000 Werbebotschaften. Heute sagt man \u00fcber 10.000 Werbebotschaften, die wir jeden Tag irgendwo da drau\u00dfen haben und die auf uns Einfluss nehmen. Das kann nat\u00fcrlich keiner mehr aufnehmen. Also diese ganzen Unmengen an Werbung, die da drau\u00dfen sind, die nervt in der Regel die meisten B\u00fcrger. Sie verpufft aber auch ein St\u00fcck weit. Also das ist ja schon so eine Werbeblindheit, die wir haben. Selbst wenn du jetzt wirklich das mal misst, dann sagt man, du kannst nur nicht mal die H\u00e4lfte der Werbebotschaften von einem Ansatz aufnehmen. Also ein bisschen provokant formuliert, k\u00f6nnte man jetzt sagen, die Werbung schafft sich im Moment quasi selbst ab und in Zukunft verliert Werbung eben auch an Wert. Da wird es dann auch ein Umdenken geben m\u00fcssen in der Werbebranche, um \u00fcberhaupt noch die M\u00f6glichkeit zu haben, auf bestimmte Produkte hinzuweisen. Und um jetzt auf dein Beispiel zur\u00fcckzukommen mit den Fotob\u00fcchern. Das ist nat\u00fcrlich schon enorm, wie wir dann auch offen f\u00fcr solche Sachen sind. Und vielleicht hast du dann einmal nur einen Moment l\u00e4nger in der App auf das Angebot des Fotoherstellers geguckt. Und schon wurde es nat\u00fcrlich auch gemessen, dass du dich vielleicht daf\u00fcr interessierst. Dann wurde die n\u00e4chste Werbung geschaltet. Also technisch ist nat\u00fcrlich die Werbung sehr, sehr weit vorangeschritten. F\u00e4ngt dich in vielen Momenten des Tages auch ab. Insofern ist es jetzt auch nicht \u00fcberraschend, dass du dann das Gef\u00fchl hattest, das passt ja genau in meine Bed\u00fcrfnisse. Und dann merke ich aber auch einen weiteren Trend in meinem Umfeld, dass es zunehmend unwichtiger ist, etwas wirklich zu besitzen. Also dass es in erster Linie darum geht, etwas zu nutzen. Also ich denke, das Prinzip des Carsharing, das kennt mittlerweile jeder. Meinst du, dass sich dies zuk\u00fcnftig auch auf andere Lebensbereiche ausweiten wird? Also auch Kleidung? Ja, das kann ich mir vorstellen. Also ich glaube wirklich, dass das Nutzen von Dingen wichtiger wird als das Besitzen. Also wenn du jetzt das Thema Kleidung ansprichst, ich merke es mit zwei Kindern, was f\u00fcr eine kurze Lebenserwartung noch die Kleidung meiner Kinder hat. Und dass man eben nicht mehr alles neu kauft, sondern dann Dinge auftr\u00e4gt, vielleicht von Freunden, dass man die Sachen dann aber auch selber weitergibt. Also bei Kleidung, bei den Kindern funktioniert es super. Genauso Ausstattung der Kinderzimmer, auch die ver\u00e4ndern sich ja st\u00e4ndig. Und man muss, glaube ich, nicht immer alles neu haben, sondern kann es eine Zeit lang dann nutzen. Es sind ja aber viele Bereiche, also wir k\u00f6nnen jetzt auch sagen Kleidung, Abendgarderobe. Wer will wirklich dann zwei-, dreimal dasselbe anziehen? M\u00f6chte man nicht auch dort variieren? Macht es auch da mehr Sinn, die Sachen nur zu nutzen, nicht zu besitzen? Aber wir kennen es ja auch in anderen Bereichen, also vom Couchsurfing \u00fcber Airbnb, irgendwie B\u00fccher, die weitergegeben werden. Auch deine Bohrmaschine, dass du eine Bohrmaschine hast, macht nicht wirklich Sinn. Also eine Bohrmaschine in Deutschland wird im Laufe ihres Lebens sechs Minuten genutzt. Und dass jetzt deine Nachbarn alle zeitgleich die Bohrmaschine nutzen, ist sehr, sehr unwahrscheinlich. Also man k\u00f6nnte sich zum Beispiel mit der Nachbarschaft sehr gut eine Bohrmaschine nur teilen. Und dann habe ich noch einen Trend beobachtet und zwar, dass man ein Statement dar\u00fcber setzt, dass man etwas nicht konsumiert. Meinst du, das hat eine Zukunftschance? Meinst du jetzt so, dass ich bewusst auf Fleisch verzichte oder bewusst aufs Fliegen verzichte und sowas? Ja, richtig, genau. Dass man sich dar\u00fcber auch wirklich darstellt. Schau mal, was ich nicht brauche. Glaube ich schon, dass das f\u00fcr einen Teil der Bev\u00f6lkerung sicherlich attraktiv ist und das auch genutzt wird. Man muss nat\u00fcrlich immer so ein bisschen unterscheiden zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Also viele verzichten ja auch auf Dinge, weil sie ein schlechtes Gewissen haben. Und das ist an sich nie eine wirklich gute Voraussetzung, um das dann auch langfristig durchzuhalten. Und das Gewissen spielt beim Konsum ja sowieso eine zentrale Rolle. Also ich konsumiere ja vieles nicht, weil ich ein schlechtes Gewissen dabei habe. Oder weil mein Gewissen mir dann eben einen positiven Reiz gibt. Also das wird sicherlich etwas sein, was in Zukunft noch n\u00e4her betrachtet werden muss. Aber meinst du nicht, dass am Ende immer der Preis \u00fcber den Erfolg oder die echte Ver\u00e4nderung entscheiden wird? Also du hast ja gerade das Gewissen angesprochen. Aber solange fragw\u00fcrdig produzierte, aber g\u00fcnstige Ware existiert, dann wird es doch auch immer Abnehmer daf\u00fcr geben. Denn ich finde, einen nachhaltigen Konsum ohne gro\u00dfen Verzicht, den muss man sich auch erstmal leisten k\u00f6nnen. Das stimmt. Also da sprechen wir jetzt nat\u00fcrlich \u00fcber auch gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung, die genau rechnen m\u00fcssen, wenn sie sich irgendwas leisten wollen oder irgendetwas konsumieren wollen. Und das ist sicherlich ein gro\u00dfer Teil der Gesellschaft. Insofern ist es jetzt auch nicht einfach zu sagen, wir werden in Zukunft alle besonders nachhaltig konsumieren. Wir werden unsere Konsumgewohnheiten umstellen. Aber man darf nat\u00fcrlich auch nicht vergessen, dass die Zukunft auch neue M\u00f6glichkeiten mit sich bringen wird. Aber meinst du denn, unser Konsum kann nachhaltiger werden? Das w\u00fcrde ich mir wiederum w\u00fcnschen. Also wenn ich mir die derzeitige Situation anschaue, sind sicherlich noch ein weiter Weg hin. Also nach wie vor, wenn du online irgendwelche Kleidung bestellst, 50 Prozent aller Kleidungsst\u00fccke werden wenigstens zur\u00fcckgeschickt. Bei Technik ist es glaube ich bis zu 20 Prozent. Wenn jetzt die Welt so konsumieren w\u00fcrde, wie wir Europ\u00e4er konsumieren, dann d\u00fcrfte nur ein Viertel der Bev\u00f6lkerung eine Zukunft Chance haben. Also da muss sich sicherlich auch einiges im Bewusstsein der Konsumenten \u00e4ndern, aber auch im Bewusstsein der Hersteller. Ich glaube, der ehemalige Hertie-Gr\u00fcnder hat mal diesen sch\u00f6nen Grundsatz gepr\u00e4gt. Es ist ideal, wenn der Kunde zur\u00fcckkommt und nicht die Ware. Das ist sicherlich auch so. Steckt viel Wahrheit drin. Also man sollte eher versuchen, den Kunden wieder f\u00fcr sich zu gewinnen als Unternehmen und jetzt nicht immer versuchen, dann auch schnell die Ware an den Mangel zu bringen. Weil das Thema Nachhaltigkeit ist nat\u00fcrlich was ganz Zentrales f\u00fcr die Zukunft. Wichtig ist glaube ich, dass wir auch da ein St\u00fcck weit umdenken in unserem Konsumverhalten. Das bezieht sich jetzt nicht nur darauf, dass wir weniger bestellen und zur\u00fcckschicken, sondern dass man auch wirklich dar\u00fcber nachdenkt, was sind die Vorteile vielleicht f\u00fcr einen Stadtteil, wenn man noch vor Ort einkauft. Also diesen Spagat online, offline haben wir heute gar nicht weiter vertieft. Vielleicht sollten wir da nochmal eine getrennte Folge zu machen. Aber es ist sicherlich so, dass das Thema Nachhaltigkeit auch den Konsum der Zukunft mitpr\u00e4gen wird. Und beim Punkt nachhaltig, Gewissen, w\u00fcrde ich nochmal einen weiteren Aspekt mit reinbringen und zwar den Genuss. Genie\u00dfen wir den Konsum eigentlich noch? Und ist Deutschland ein Land der Genie\u00dfer oder werden wir zu einem? Auch das w\u00fcrde ich mir wiederum w\u00fcnschen. Also wenn man sich den Genuss anschaut oder wie sich der Genuss im Laufe der Zeit ver\u00e4ndert hat, dann ist es immer so eine Art Wellenbewegung gewesen. Da k\u00f6nnen wir ganz zur\u00fcckgehen in die Antike. Da gab es ja diesen Spagat. Einerseits gab es so die spartanische Askese, wo man verzichtet hat. Das kennt man ja. Andererseits waren die Griechen nat\u00fcrlich auch sehr stark am Feiern, haben der Geselligkeit gefr\u00f6nt. Und Lebensgenuss, Selbstbestimmung, all das war es ganz zentral. Wenn es im Laufe der Geschichte weitergeht, Mittelalter, sehr kirchlich gepr\u00e4gt, also Entsagung, Bu\u00dfe, Verzicht, wurde mit Genuss gegen\u00fcbergestellt. Also das war eher schwierige Zeit f\u00fcrs Genie\u00dfen. Dann kam wieder Absolutismus, Verschwendung war ja so ein Stichwort zu der Zeit. In der Aufkl\u00e4rung war es der Genuss an Bildung. Das ist ja etwas, was man konsumieren kann, Bildungsaspekte. Dann nat\u00fcrlich so Industrialisierung, Genussverzicht, Pflichterf\u00fcllung. Man hat fast nur noch gearbeitet. Dann gab es die goldenen 20er Jahre, Demokratisierung, Freiz\u00fcgigkeit des Genusses. Man hat das Leben wieder in all seinen Facetten genossen. Ja und nach dem Zweiten Weltkrieg ist ja einerseits Genuss Belohnung, also das Highlight. Daran kann ich mich erfreuen. Andererseits, ja auch gerade in der Gegenwart wird von vielen Genuss auch wieder als etwas Negatives gesehen. Also Genuss gleichgesetzt mit Verschwendung, Ma\u00dflosigkeit, Kontrollverlust. Man versucht eher Optimierung in all seinen Facetten. Der K\u00f6rper soll optimiert werden. Die Arbeitszeit, die Zeit als solches, also auch die Freizeit, auch das Konsumverhalten. Da fragt man sich nat\u00fcrlich schon so ein St\u00fcck weit, wo bleibt eigentlich die Selbstbestimmung und der Genuss und das, was das Leben lebenswert macht. Und das vielleicht so auch als letzter Gedanke dazu. 94 Prozent der Bev\u00f6lkerung, also wirklich fast alle, sagen, dass Genuss im Konsumbereich das Leben lebenswert machen. Und zwei Drittel sagen eben in Zukunft, sollte der Genuss wieder eine gr\u00f6\u00dfere Rolle in unserem Leben spielen. Das finde ich schon recht eindeutig. Du hast ja im Endeffekt das jetzt wie so in Wellenbewegungen dargelegt, dass immer nach einer Zeit der Entbehrung oder des Verzichts wieder der Genuss aufgelebt hat. Wir haben jetzt ja gerade zwei Jahre Corona hinter uns mit viel Verzicht. Meinst du, das f\u00fchrt jetzt dann vielleicht wieder zu einem Aufschwung des Genusses? Das kann ich mir durchaus vorstellen, denn wir haben ja auf vieles verzichtet und nat\u00fcrlich nicht freiwillig verzichtet. Aber viele warten jetzt ja nur darauf, wieder auszugehen, sich mit Freunden zu treffen, ohne schlechtes Gewissen in Urlaub zu fahren, ohne Angst unterwegs zu sein. Und diese ganzen Genussaspekte des Lebens, die werden, glaube ich, wieder eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen. Nat\u00fcrlich bleibt dabei auch das Thema Nachhaltigkeit von zentraler Bedeutung. Aber letztendlich ist Konsum ja auch immer Genuss und den wollen wir nat\u00fcrlich dann auch in Zukunft haben. Spannend. Also ich denke, auch zum Thema Genuss k\u00f6nnte man eine ganze Folge machen. Da f\u00e4llt mir ein, also wenn du als H\u00f6rer dazu eine Frage hast oder eine Anmerkung, schreib uns gerne. Die E-Mail-Adresse findest du in den Shownotes. Kommen wir nun zu unserer wiederkehrenden Rubrik. Was kommt, was bleibt, was geht? Uli, was geht? Man kann wirklich sagen, in Zukunft wird Vertrauen entscheidend sein. Also Vertrauen wird fast der Schl\u00fcssel zum Erfolg sein, dass es sich die Bev\u00f6lkerung sicher. Insofern geht f\u00fcr die Unternehmen in Zukunft vieles nur noch \u00fcber das Vertrauen. Was kommt? Ich glaube vieles. Also auch, was wir heute jetzt gar nicht angesprochen haben. Also von Drohnenlieferung, 3D-Drucke, dass es vielleicht auch neue Konzepte geben wird, \u00fcber die wir heute noch gar nicht im Ansatz nachgedacht haben. Also es lohnt sich wirklich fast nochmal eine zweite Folge zum Thema Konsum in der Zukunft zu machen. Mit gerade auch vielen technischen Sachen, die in Zukunft nat\u00fcrlich den Konsum mit pr\u00e4gen werden. Und bei aller Ver\u00e4nderung, was bleibt? Ich glaube, der Spa\u00df am Konsumieren, der wird eben auch in Zukunft bestehen bleiben. Es ist an sich das Goodie des Lebens. Und f\u00fcr heute ist die Zeit leider um. Aber zum Schluss einer jeder Folge habe ich ja immer ein Funfact f\u00fcr euch. Und was und wie ihr im Supermarkt einkauft, ist stark davon abh\u00e4ngig, wie ihr dort unterwegs seid. Mit einem Einkaufswagen, der \u00fcbrigens im Laufe der Zeit immer gr\u00f6\u00dfer geworden ist, kauft ihr bis zu 700 Prozent mehr. Mit einem Einkaufskorb kauft ihr deutlich mehr Junkfood. Und ohne Einkaufswagen oder Einkaufskorb seid ihr doppelt so schnell wieder an der Kasse und drau\u00dfen. Vielen Dank f\u00fcrs Zuh\u00f6ren. Bis zum n\u00e4chsten Mal. Wenn euch unser Podcast gefallen hat, dann lasst doch eine Bewertung da und vergesst nicht, ihn zu abonnieren. Bis zum n\u00e4chsten Mal. Dieser Podcast wird produziert von Podstars bei OMR."},"_et_pb_custom_css":"","yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Zukunft des Konsums - Wieso kaufen und konsumieren wir? - Stiftung f\u00fcr Zukunftsfragen<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"So wie wir kaufen, so leben wir auch. Sei es nachhaltig oder verschwenderisch. 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