{"id":6485,"date":"2026-04-09T08:14:52","date_gmt":"2026-04-09T06:14:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stiftungfuerzukunftsfragen.de\/?p=6485"},"modified":"2026-04-09T08:14:52","modified_gmt":"2026-04-09T06:14:52","slug":"the-meaning-of-life-between-achievement-freedom-and-self-determination","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stiftungfuerzukunftsfragen.de\/en\/sinn-des-lebens-zwischen-leistung-freiheit-und-selbstbestimmung\/","title":{"rendered":"The Meaning of Life: Between Achievement, Freedom, and Self-Determination"},"content":{"rendered":"","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Over 35 million pets live in Germany \u2013 they provide support, offer companionship, and shape our daily lives more than we realize. 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Wie f\u00fchlen und denken die Deutschen? Wie sieht ihr Alltag aus und was erwarten sie von der Zukunft? Basierend auf unserer fast 50-j\u00e4hrigen Forschung analysieren und diskutieren wir. Ich, Ayaan G\u00fcls, Pressesprecherin der Stiftung f\u00fcr Zukunftsfragen. Und ich, Uli Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung und Professor f\u00fcr empirische Zukunftsforschung in Deutschland und den USA.\n\nHallo und herzlich willkommen. Sch\u00f6n, dass du wieder dabei bist. Zu der zweiten Folge in unserer f\u00fcnften Podcast-Staffel. Heute m\u00f6chten wir \u00fcber ein Thema sprechen, das sehr philosophisch klingt, vielleicht auch ein bisschen verkl\u00e4rt wird, aber f\u00fcr uns als Zukunftsforscher eine ganz handfeste Datengrundlage hat. Der Sinn des Lebens. Wir h\u00f6ren heute oft von New Work oder auch alten Konzepten wie Ikigai aus den 80ern, die gerade wieder modern sind. Doch was steckt wirklich dahinter, wenn Menschen sagen, mein Leben hat f\u00fcr mich einen Sinn? Genau. Und um das zu verstehen, m\u00fcssen wir uns ansehen, ich denke in erster Linie mal, wie sich die Rolle der Arbeit ver\u00e4ndert hat. \u00dcber Jahrzehnte war der Beruf ja, wie die meisten glaube ich schon, so ein zentraler Anker. Man war, was man arbeitete und meistens reicht sich auch ein Satz aus, wie, ich bin Lehrerin oder ich bin Ingenieur. Und alle glaubten eben zu wissen, wer man ist. Also Bildungsstand, Status, soziales Umfeld, alles schwang mit. Visitenkarten, Berufsbezeichnungen, sogar Nachbarschaftsgespr\u00e4che, w\u00fcrde ich jetzt sagen, am Gartenzaun, kreierten doch um die Frage, und was machen Sie so beruflich? Und kaum jemand h\u00e4tte wahrscheinlich in der Vergangenheit geantwortet, ich bin begeisterte Chors\u00e4ngerin oder ich k\u00fcmmere mich um meine pflegebed\u00fcrftigen Eltern. Ja, und unsere Langzeitst\u00fcge zeigen ja jetzt auch ganz deutlich, zum Gl\u00fcck finde ich, einen massiven Umbruch. Also im Jahr 2006 sagten noch mehr als die H\u00e4lfte der Bundesb\u00fcrger, dass der Sinn ihres Lebens darin besteht, in der Arbeit etwas zu leisten und zu gestalten. Und heute, 20 Jahre sp\u00e4ter, sind es nur noch 33 Prozent, also es ist eine deutliche Reduktion von 52 auf 33. Und ich finde, das ist auch kein Zufall, sondern eher eine logische Reaktion auf die ver\u00e4nderten Rahmenbedingungen. Also heutzutage leben wir ja in einer Welt, das haben wir ja immer wieder, es dreht sich alles viel schneller, wachsende Unsicherheiten, \u00f6konomischer Druck. Und wenn da die Arbeit nicht mehr automatisch Sicherheit verspricht oder auch den sozialen Aufstieg garantiert, dann muss man ja eigentlich logischerweise den Sinn woanders suchen, oder? Ja, ganz klar. Ja, sehe ich auch so. Die Arbeit ist eben heute nicht mehr alleiniger Sinnstifter. Nat\u00fcrlich spielt sie nach wie vor eine Rolle, aber sie ist eben ein Baustein von vielen. Also ich habe jetzt ja gedacht, ich finde es ja eigentlich logisch und gleichzeitig finde ich es sehr unlogisch, dass es diese gro\u00dfe \u00f6ffentliche Debatte gibt, dass wir dann ja als Gesellschaft faul sind. Es wird ja von Lifestyle, Teilzeit gesprochen und unsere Daten sagen da ja aber auch was anderes. Also nur 22 Prozent der Deutschen, also jeder F\u00fcnfte sagt, sie wollen ihr Leben einfach nur genie\u00dfen, sich nicht abm\u00fchen. Und die eigentlich pr\u00e4gende Gruppe ist ja eine ganz andere. Ganz genau. Ja, die gr\u00f6\u00dfte Gruppe und das sind eben mehr als zwei von f\u00fcnf sind diejenigen, die sagen Sinn und Genuss sind mir gleich wichtig. Das ist ja das logische Ergebnis einer an sich auch aufgekl\u00e4rten Gesellschaft. Man m\u00f6chte sich eben nicht mehr zwischen beruflicher Verantwortung und auf der anderen Seite jetzt privat unter Lebensqualit\u00e4t entscheiden m\u00fcssen. Man fordert einfach beides ein. Und weil du das jetzt eben ja auch gesagt hast, auch nochmal auf Zielgruppen bezogen, interessanterweise ist das eben kein Ph\u00e4nomen jetzt der faulen Jugend oder irgendwas. Denn bei den 50 bis 64-j\u00e4hrigen Jungsenioren ist dieser Wunsch mit 45 Prozent, also das ist fast jeder Zweite, sogar am st\u00e4rksten ausgepr\u00e4gt. Also wer lange im Berufsleben stand, erkennt oft doch recht deutlich, dass reine Leistung ohne Lebensqualit\u00e4t irgendwie in die Sackgasse f\u00fchrt. Mir f\u00e4llt da gerade noch ein weiterer Punkt zu einem und ich finde ja vielleicht auch schon ein in meiner Sicht untersch\u00e4tzter Punkt. Wenn die Arbeit als Identit\u00e4tsquelle an Bedeutung verliert, dann entsteht ja ein Vakuum. Und f\u00fcllt dieses Vakuum dann das Hobby? Das ist ein ganz entscheidender Gedanke, glaube ich auch f\u00fcr alle, die jetzt zuh\u00f6ren. Denn ein Hobby ist heute ja deutlich mehr als jetzt nur ein Zeitvertreib. Es ist eben Raum f\u00fcr, ich w\u00fcrde fast sagen, Selbstverwirklichung. In der Arbeit m\u00fcssen wir oftmals funktionieren. Wir sind ein Teil von Prozessen, die wir aber eben auch nicht kontrollieren k\u00f6nnen. Im Hobby hingegen sind wir eben ganz klar Gestalter. Das erkl\u00e4rt ja auch, warum \u00fcber 80 Prozent der Deutschen sagen, dass ihr Hobby sie gl\u00fccklich macht. Also es gibt eine Renaissance des Selbermachens. Das sieht man besonders im Hobby, beim G\u00e4rtnern, im Sportverein, ob man an seinem Oldtimer schraubt. Und am Ende bleibt aber dann ja ganz oft die Frage, rechnet sich das \u00fcberhaupt? Genau. Und das ist eben schon, was auch auff\u00e4llig ist. Das Hobby hat eben verschiedene Funktionen, die die Arbeit wahrscheinlich in der Vergangenheit f\u00fcr sich alleine hatte. Sinn, Stiftung, soziale Kontakte, das Gef\u00fchl, irgendwas aus deinem eigenen Antrieb zu schaffen. Und das Hobby \u00fcbernimmt das fast so ein St\u00fcck weit von der Arbeit. Muss ich aber eben nicht diese Frage stellen, mache ich das jetzt nur zum Geldverdienen und will ich am Ende des Monats mehr Geld haben? Was ich mich aber auch manchmal frage, ist, f\u00fchrt dieser Fokus auf den eigenen Genuss und das individuelle Hobby dann nicht auch zu einem R\u00fcckzug aus der Gesellschaft? Also wer k\u00fcmmert sich dann noch um das gro\u00dfe Ganze? Da finde ich, geben die Zahlen schon Entwarnung. Also neun von zehn Deutschen sagen ja, das haben wir auch untersucht, dass sie gerne Verantwortung f\u00fcr ihr Handeln \u00fcbernehmen. Also die Verantwortungsbereitschaft, das Verantwortungsbewusstsein, je nachdem wie wir das nennen wollen. Das ist also durchaus, glaube ich, nach wie vor vorhanden. Es \u00e4ndert aber eben seine Form. Und ich meine, mehr als jeder zweite B\u00fcrger sagt ja auch, er will sogar mehr Verantwortung \u00fcbernehmen als andere. Also f\u00fcr mich zeigt das schon recht deutlich, die Menschen wollen auch gesellschaftlich nach wie vor was gestalten, aber sie wollen es eben zu ihren Bedingungen tun. Sie sind bereit, sich zu engagieren, wenn sie selber aber auch einen Sinn darin sehen und das jetzt nicht irgendwie ein Abarbeiten rausgeht. Also ich glaube, das ist halt einfach eine Abkehr von Pflicht nach Vorschrift hin zu freiwillig, sinnzentriert, die Verantwortung dann eben \u00fcbernehmen. Ein weiterer Faktor f\u00fcr diesen Wandel ist sicherlich ja auch die Technik. Also zwei Drittel sind \u00fcberzeugt, dass die Digitalisierung die Arbeitswelt grundlegend ver\u00e4ndern wird. Und das macht ja auch Sinn, denn wenn die Maschinen die Routineaufgaben und den Flei\u00dfkram \u00fcbernehmen, dann haben wir ja im Alltag einfach mehr Zeit f\u00fcr das, was ja auch eigentlich nur menschlich ist und Menschen k\u00f6nnen. Also abw\u00e4gen, einordnen, Widerspr\u00fcche aushalten und eigene Urteile f\u00e4llen. Ja, und das ist eben f\u00fcr mich auch eine derzeit zu wenig genutzte Chance. Denn wenn jetzt KI uns von Formularen, Protokollen, Standardrecherchen entlastet, dann m\u00fcsste das doch eigentlich der Startpunkt auch f\u00fcr eine neue Kultur des, ich nenne das immer Nachdenkens sein. Also mehr Raum f\u00fcr komplexe Probleme, mehr Raum f\u00fcr kreative L\u00f6sungen, f\u00fcr echte Verantwortung, jetzt nicht eben nur abarbeiten. F\u00fcr mich ganz klar lautet die Zukunftsfrage eben jetzt nicht, ersetzt KI unseren Kopf, sondern haben wir den Mut, die KI so einzusetzen, dass unser Kopf wieder das tun kann, wof\u00fcr er gemacht ist. Also was du eben auch angemerkt hast, so kritisch zu denken, Zusammenh\u00e4nge zu verstehen, Entscheidungen auch zu treffen, die eben kein Algorithmus uns dann abnimmt. Das bedeutet dann aber auch, dass wir lernen m\u00fcssen, zu lernen. Also eine zentrale Kompetenz der Zukunft ist ja die F\u00e4higkeit, sich immer wieder neu zu erfinden. Und das ist auch ganz sch\u00f6n anstrengend sicherlich, bietet aber eben auch die Chance, den eigenen Lebenssinn nicht mehr nur an ein einziges Berufsfeld zu koppeln, sondern an die eigene Entwicklung. Bin ich komplett bei dir. Wobei ich jetzt sage, das ist nicht nur das Lernen, sondern wir d\u00fcrfen eben auch das Denken nicht verlernen. Also wenn wir ganz ehrlich sind, wann denken wir eigentlich noch wirklich nach und fragen nicht, haben wir jetzt Google, Siri, ChatGBT oder was auch immer. Und das meine ich jetzt nicht irgendwie, wenn wir nach dem Weg zum Restaurant fragen, sondern bei grundlegenden Fragen. Also ich will jetzt nicht ausholen, aber eine kurze Exkursion doch. Ich mache ja immer mit meinen Studis einen, wenn ich mit denen Exkursionen mache, frage ich die ja immer vorab, was wollt ihr eigentlich machen? Und das Erste, was die Studis dann immer fragen, ist, was k\u00f6nnen wir denn machen? Und dann sage ich, nee, was wollt ihr denn machen? Und dann ist wirklich, dann gebe ich denen Zeit, dar\u00fcber nachzudenken, sind sehr irgendwie ruhig, sind aber alle an sich nur an ihrem Rechner, fragen eben wahrscheinlich am meisten dann irgendwie ChatGBT, was will der Professor jetzt wohl h\u00f6ren? Das ist eine Frage, die ich so nicht beantworten kann. Aber sie trauen sich eben nicht einfach nachzudenken, was ihnen wirklich gefallen w\u00fcrde. Und das ist ja f\u00fcr mich nur ein Beispiel. Das ist ja bei allen Fragen, wenn ich das irgendwie mitkriege, wo die KI gefragt wird. Das irgendwie Bekannte von uns, die KI bei der Erziehung fragen. Dr. Google sowieso bei jeder Art von Krankheit konsultiert wird. Dann irgendwie, wo kann ich den besten Urlaub verbringen? Also all das wird erstmal die KI gefragt, ohne nachzudenken, was will ich denn eigentlich selber? Also was tut mir denn gut? Was sagt mir mein Bauchgef\u00fchl? Das trauen wir uns, finde ich, in ganz, ganz vielen Bereichen des Lebens immer seltener. Fehlt uns dann das Selbstvertrauen? Schon irgendwie. Also Selbstvertrauen ist heute ja eher gegen\u00fcber anderen wichtig. Also ich habe Selbstvertrauen, wenn ich mich durchsetze, wenn ich machen kann, was ich will. Aber vertrauen wir wirklich in uns selber? Also haben wir das Selbstvertrauen, auf den Bauch zu h\u00f6ren, auf unsere Gef\u00fchle irgendwie zu achten? Ich finde, das ist schon schwierig. Und ich habe das Gef\u00fchl, oftmals wird eben doch leider die KI dann einfach gefragt. Uli, wenn wir diese Daten jetzt zusammenfassen. Was m\u00fcsste die Wirtschaft und die Politik dann daraus lernen? Traditionelle Appelle, die jetzt auch wieder lauter werden, wie wir m\u00fcssen alle wieder mehr schuften. Das scheint ja v\u00f6llig an der Realit\u00e4t vorbeizugehen. Aus meiner Sicht schon. Also wer nur mit mehr Arbeitszeit oder sp\u00e4terem Renteneintritt argumentiert, ich glaube, verliert den B\u00fcrger am Ende des Tages auch. Und Unternehmen m\u00fcssen verstehen, dass Wohlbefinden und aber auch Flexibilit\u00e4t jetzt keine Benefits sind, wie man in Neudeutsch sagt, sondern eher eine Grundvoraussetzung f\u00fcr Produktivit\u00e4t, f\u00fcr Zufriedenheit, f\u00fcr Innovation in eben einer modernen Welt. Also es braucht dann eher eine Anerkennungskultur, die den Menschen in seiner Gesamtheit zieht. Also mit seinen Hobbys, seiner ehrenamtlichen Verantwortung und auch dieses Bed\u00fcrfnis nach Erholung. Also m\u00fcsste das dann eigentlich ganz konkret hei\u00dfen, dass eine F\u00fchrungskraft, die sollte nicht genervt sein, wenn man fr\u00fcher geht, weil man eben zum Beispiel Jungtrainer im Verein ist. Sondern die F\u00fchrungskraft sieht das dann eben als Teil seiner Verantwortungskultur. Oder Unternehmen, die nicht nur Obstk\u00f6rbe hinstellen, sondern eben auch die Arbeitszeiten so gestalten, dass Mitarbeiter abends noch Energie f\u00fcr ihre Korprobe haben, f\u00fcr die Nachbarschaftshilfe oder f\u00fcr was auch immer, weil ja dort der eigentliche Sinn erlebt wird. Und die Beschr\u00e4nkungen m\u00fcssen daf\u00fcr nat\u00fcrlich auch stimmen. Ja, vielleicht hilft zum Schluss noch einmal das japanische Konzept. Denn es beschreibt ja den pers\u00f6nlichen Grund morgens aufzustehen. Und der muss nicht nur im Job liegen, sondern kann auch in Beziehungen sein, in Hobbys oder dem Engagement. Was unsere Daten zeigen, ist im Grunde eine deutsche Variante davon. Die Menschen bauen sich in ihrem Sinn heute modular. Also ein Teil Arbeit, ein Teil Familie, ein Teil Gemeinschaft, ein Teil ganz eigene Projekte. Die Frage lautet weniger, was ist der Sinn meines Lebens, sondern welche Mischung aus T\u00e4tigkeiten f\u00fchlt sich f\u00fcr mich sinnvoll an? Also da habe ich nichts hinzuzuf\u00fcgen. Das ist der perfekte Schluss. Da sage ich jetzt mal gar nichts mehr zu. Sehr gut. Dann freuen wir uns auf den n\u00e4chsten Monat und wenn ihr wieder dabei seid. Bis dahin, macht's gut. Tsch\u00fcss. Wenn ihr selbst Zukunftsfragen habt, dann z\u00f6gert nicht, uns zu schreiben. Die E-Mail dazu findet ihr in den Infos zu dieser Podcast-Folge oder auf unserer Website stiftungfuerzukunftsfragen.de. Und wenn euch die Folge gefallen hat, dann lasst uns doch ein Like da und vergesst nicht, uns zu abonnieren.\n\nDieser Podcast wurde produziert von Wortlieferant.de Und dann geht's geht's."},"_et_pb_custom_css":"","yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Sinn des Lebens: Zwischen Leistung, Freiheit und Selbstbestimmung - Stiftung f\u00fcr Zukunftsfragen<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Der Sinn des Lebens ist heute kein fester Anker mehr, sonder ein bewegliches Konstrukt. 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