{"id":6508,"date":"2026-06-04T06:00:31","date_gmt":"2026-06-04T04:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.stiftungfuerzukunftsfragen.de\/?p=6508"},"modified":"2026-06-03T13:56:43","modified_gmt":"2026-06-03T11:56:43","slug":"family-in-transition-why-more-and-more-people-are-deciding-against-having-children","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.stiftungfuerzukunftsfragen.de\/en\/familie-im-wandel-warum-sich-immer-mehr-gegen-kinder-entscheiden\/","title":{"rendered":"Family in transition: Why more and more people are choosing not to have children"},"content":{"rendered":"<p>Aktuell bekommen hierzulande 100 Frauen 135 Kinder, vor zehn Jahren waren es noch 159. Die zunehmende Kinderlosigkeit in Deutschland ist vor allem ein Ausdruck wachsender Unsicherheit \u2013 nicht fehlender Familienw\u00fcnsche. Wer keine Kinder bekommt, nennt meist nicht nur einen Grund, sondern eine ganze Reihe von Vorbehalten, die sich gegenseitig verst\u00e4rken. So nennen zwei Drittel als Grund gegen Kinder den hohen finanziellen Aufwand. Eine Mehrheit nennt aber auch die Sorge um eine sichere Zukunft der Kinder, den Wunsch nach Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit sowie fehlende staatliche Voraussetzungen.<\/p>\n<div class=\"infogram-embed\" data-id=\"grunde-gegen-kinder-1hmr6g8389jqo2n\" data-type=\"interactive\"><\/div><script>!function(e,t,s,i){var n=\"InfogramEmbeds\",o=e.getElementsByTagName(\"script\"),d=o[0],r=\/^http:\/.test(e.location)?\"http:\":\"https:\";if(\/^\\\/{2}\/.test(i)&&(i=r+i),window[n]&&window[n].initialized)window[n].process&&window[n].process();else if(!e.getElementById(s)){var a=e.createElement(\"script\");a.async=1,a.id=s,a.src=i,d.parentNode.insertBefore(a,d)}}(document,0,\"infogram-async\",\"\/\/e.infogram.com\/js\/dist\/embed-loader-min.js\");<\/script>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zeitvergleich: Unsicherheit verdr\u00e4ngt berufliche Argumente<\/strong><\/p>\n<p>Im Zehnjahresvergleich treten vor allem drei Verschiebungen hervor: Die Sorge um eine gute Zukunft der Kinder gewinnt deutlich an Bedeutung (+13 %), ebenso der Hinweis auf fehlende staatliche Voraussetzungen (+14 %). Zugleich werden berufliche Argumente deutlich seltener genannt: Dass sich Karriere nur schwer mit Familie vereinbaren lasse, verliert an Bedeutung (-8 %), ebenso die Aussage, beruflicher Erfolg sei wichtiger als Familiengr\u00fcndung (-12 %).<\/p>\n<p>Professor Dr. Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung, sagt hierzu:<\/p>\n<p><em>\u201eNicht berufliche Gegens\u00e4tze zur Familie stehen heute im Vordergrund, sondern fehlende Rahmenbedingungen. In einer Zeit gef\u00fchlter Unsicherheit sorgen sich viele B\u00fcrger, ob die eigenen Kinder noch sicher und in Wohlstand leben werden.\u201c<\/em><\/p>\n<div class=\"infogram-embed\" data-id=\"grunde-gegen-kinder-jahresvergleich-1hnq41ojo1j3p23\" data-type=\"interactive\"><\/div><script>!function(e,t,s,i){var n=\"InfogramEmbeds\",o=e.getElementsByTagName(\"script\"),d=o[0],r=\/^http:\/.test(e.location)?\"http:\":\"https:\";if(\/^\\\/{2}\/.test(i)&&(i=r+i),window[n]&&window[n].initialized)window[n].process&&window[n].process();else if(!e.getElementById(s)){var a=e.createElement(\"script\");a.async=1,a.id=s,a.src=i,d.parentNode.insertBefore(a,d)}}(document,0,\"infogram-async\",\"\/\/e.infogram.com\/js\/dist\/embed-loader-min.js\");<\/script>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Frauen warten auf Verl\u00e4sslichkeit, M\u00e4nner auf die Karrierepause<\/strong><\/p>\n<p>Bei den Geschlechterunterschieden zeigen sich ebenfalls klare Akzente: Frauen nennen neben den Rahmenbedingungen h\u00e4ufiger den fehlenden Partner, was auf ver\u00e4nderte Partnerschafts- und Bildungsbiografien verweist. M\u00e4nner geben dagegen h\u00e4ufiger an, die berufliche Karriere zu priorisieren. Familiengr\u00fcndung h\u00e4ngt f\u00fcr viele Frauen damit st\u00e4rker von verl\u00e4sslichen \u00e4u\u00dferen Bedingungen und einer passenden Partnerschaft auf Augenh\u00f6he ab.<\/p>\n<div class=\"infogram-embed\" data-id=\"grunde-gegen-kinder-mannerfrauen-1h984wvgv8kgz2p\" data-type=\"interactive\"><\/div><script>!function(e,t,s,i){var n=\"InfogramEmbeds\",o=e.getElementsByTagName(\"script\"),d=o[0],r=\/^http:\/.test(e.location)?\"http:\":\"https:\";if(\/^\\\/{2}\/.test(i)&&(i=r+i),window[n]&&window[n].initialized)window[n].process&&window[n].process();else if(!e.getElementById(s)){var a=e.createElement(\"script\");a.async=1,a.id=s,a.src=i,d.parentNode.insertBefore(a,d)}}(document,0,\"infogram-async\",\"\/\/e.infogram.com\/js\/dist\/embed-loader-min.js\");<\/script>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kinderlose: Selbstbestimmt statt familiengebunden<\/strong><\/p>\n<p>Bei kinderlosen B\u00fcrgern konzentrieren sich die Gr\u00fcnde gegen Nachwuchs vor allem auf den eigenen Lebensentwurf und auf die Voraussetzungen, unter denen Familiengr\u00fcndung f\u00fcr sie \u00fcberhaupt vorstellbar erscheint. Besonders h\u00e4ufig genannt wird der Wunsch, frei und unabh\u00e4ngig zu bleiben. Kinderlosigkeit ist f\u00fcr sie kein blo\u00dfer Verzicht, sondern h\u00e4ufig eine bewusste Entscheidung zugunsten von Selbstbestimmung und offeneren biografischen Optionen.<\/p>\n<p>Hinzu kommt die hohe Bedeutung der Partnerschaftsfrage. Der fehlende richtige Partner z\u00e4hlt f\u00fcr viele Kinderlose zu den zentralen H\u00fcrden auf dem Weg zur Familie. Reinhardt:<\/p>\n<p><em>\u201eFamiliengr\u00fcndung setzt aus Sicht vieler Kinderloser nicht nur den Wunsch nach Kindern voraus, sondern auch eine stabile Beziehung, die Verl\u00e4sslichkeit, gemeinsame Perspektiven und eine tragf\u00e4hige Alltagsbasis bietet. Wo diese Voraussetzung fehlt, wird Elternschaft verschoben oder ganz verworfen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Als dritter Punkt bleibt der finanzielle Aufwand pr\u00e4gend. Kinder gelten als kostspielig, und gerade aus Sicht Kinderloser verbindet sich dieser Gedanke mit der Sorge, eigene Freir\u00e4ume, Konsumm\u00f6glichkeiten und Zukunftspl\u00e4ne einschr\u00e4nken zu m\u00fcssen.<\/p>\n<div class=\"infogram-embed\" data-id=\"grunde-gegen-kinder-eltern-kinderlose-1h9j6q7q7wnz54g\" data-type=\"interactive\"><\/div><script>!function(e,t,s,i){var n=\"InfogramEmbeds\",o=e.getElementsByTagName(\"script\"),d=o[0],r=\/^http:\/.test(e.location)?\"http:\":\"https:\";if(\/^\\\/{2}\/.test(i)&&(i=r+i),window[n]&&window[n].initialized)window[n].process&&window[n].process();else if(!e.getElementById(s)){var a=e.createElement(\"script\");a.async=1,a.id=s,a.src=i,d.parentNode.insertBefore(a,d)}}(document,0,\"infogram-async\",\"\/\/e.infogram.com\/js\/dist\/embed-loader-min.js\");<\/script>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fazit: Familie braucht gute Bedingungen \u2013 und den Mut, sie zu nutzen<\/strong><\/p>\n<p>Am Ende verdichtet sich aus den Ergebnissen ein klares Bild: Kinderlosigkeit ist heute weniger Ausdruck eines fehlenden Familienwunsches als Folge wachsender Unsicherheit und hoher Anforderungen an die Bedingungen von Familiengr\u00fcndung. Nicht ein einzelner Hinderungsgrund gibt den Ausschlag, sondern das Zusammenwirken von finanziellen Vorbehalten, Zukunftssorgen, Freiheitsanspr\u00fcchen und biografischen Unsicherheiten.<\/p>\n<p>Zugleich machen die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sowie zwischen Kinderlosen und Eltern sichtbar, wie verschieden die Perspektiven auf Nachwuchs ausfallen k\u00f6nnen. Gefordert sind daher Politik und Wirtschaft, verl\u00e4ssliche und gute Rahmenbedingungen zu schaffen \u2013 aber auch die B\u00fcrger selbst, den Mut zur Familiengr\u00fcndung aufzubringen. Denn wenn gesellschaftliche Rahmenbedingungen verl\u00e4sslicher werden, Partnerschaften stabiler und gleichberechtigter erlebt werden und die Zukunft wieder st\u00e4rker planbar erscheint, d\u00fcrfte auch die Bereitschaft zunehmen, sich Familie nicht nur zu w\u00fcnschen, sondern sie tats\u00e4chlich zu gr\u00fcnden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aktuell bekommen hierzulande 100 Frauen 135 Kinder, vor zehn Jahren waren es noch 159. Die zunehmende Kinderlosigkeit in Deutschland ist vor allem ein Ausdruck wachsender Unsicherheit \u2013 nicht fehlender Familienw\u00fcnsche. 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Januar 2026\r\n\r\n[Bildbeschreibung: Eine geteilte Ansicht. Links ist eine Frau in Businesskleidung zu sehen, die z\u00fcgig durch eine belebte Stadtstra\u00dfe geht. Rechts entspannt sich ein Mann am Strand mit einem Getr\u00e4nk, im Hintergrund Palmen und Meer.]\r\n\r\nArbeit als sinnstiftende Lebensaufgabe verliert an Bedeutung. Immer mehr B\u00fcrger streben nach einer Balance zwischen Selbstverwirklichung und Lebensqualit\u00e4t. Besonders junge Menschen r\u00fccken Genuss und Freiheit st\u00e4rker in den Mittelpunkt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der gemeinn\u00fctzigen STIFTUNG F\u00dcR ZUKUNFTSFRAGEN, f\u00fcr die \u00fcber 2.000 Bundesb\u00fcrger ab 18 Jahren repr\u00e4sentativ befragt wurden.\r\n\r\n\u201eDie Sinnfrage bleibt bestehen \u2013 sie verlagert sich jedoch. Die Zukunft liegt nicht im Verzicht auf Verantwortung, sondern in neuen Formen ihrer Gestaltung\u201c, so der Wissenschaftliche Leiter Professor Dr. Ulrich Reinhardt.\r\n\r\n## Ein gelungenes Leben: Wie sich das Verst\u00e4ndnis in 20 Jahren ver\u00e4ndert hat\r\n\r\nDie Vorstellungen von einem gelungenen Leben haben sich in den letzten zwanzig Jahren sp\u00fcrbar gewandelt. W\u00e4hrend 2006 noch mehr als die H\u00e4lfte (52%) der Meinung war, Arbeit solle vor allem Sinn stiften und Gestaltung erm\u00f6glichen, ist es aktuell nur noch jeder Dritte (33%) \u2013 ein R\u00fcckgang um fast 20 Prozentpunkte. Zugleich nimmt der Anteil derjenigen zu, die ihr Leben m\u00f6glichst genussvoll und ohne zus\u00e4tzliche Belastung gestalten m\u00f6chten: Von 14 Prozent (2006) \u00fcber 20 Prozent (2016) auf aktuell 22 Prozent. Die gr\u00f6\u00dfte Gruppe bilden gegenw\u00e4rtig allerdings mit 41 Prozent diejenigen, die beides \u2013 Sinn und Genuss \u2013 f\u00fcr gleich wichtig erachten. Reinhardt:\r\n\r\n\u201eDiese Entwicklung dokumentiert einen klaren Trend: Monolithische Lebensentw\u00fcrfe weichen zunehmend einem Bed\u00fcrfnis nach Flexibilit\u00e4t und Vielfalt \u2013 sie wollen Sinn UND Genuss, Karriere UND Freizeit, Verantwortung UND Selbstverwirklichung kombinieren\u201c.\r\n\r\nDer Bedeutungsverlust von Arbeit als alleiniger Sinnanker spiegelt die gesellschaftliche Realit\u00e4t vieler B\u00fcrger wider. In einer Welt wachsender Unsicherheit, \u00f6konomischem Druck und beschleunigtem Wandel wird der Wunsch nach Stabilit\u00e4t, Selbstschutz und Lebensqualit\u00e4t st\u00e4rker. Die Bev\u00f6lkerung reflektiert bewusster, wie sie mit Zeit und Energie umgeht und hinterfragt, ob Arbeit allein noch die zentrale Lebensaufgabe sein sollte. Besonders die j\u00fcngeren Generationen zeigen ein neues Selbstverst\u00e4ndnis: F\u00fcr sie bedeutet ein gutes Leben nicht berufliche Selbstaufopferung, sondern die Vereinbarkeit von Sinn, Freiheit und Wohlbefinden. Entsprechend hat sich der Lebensfokus auf die Erwerbsarbeit in den letzten zwei Jahrzehnten fast halbiert (2006: 58%, 2016: 31), w\u00e4hrend sich der Wunsch nach Selbstverwirklichung fast verdreifacht hat (2006:11% \u2013 2026: 32%). Diese Entwicklung zeigt eine Pluralisierung der Lebensentw\u00fcrfe. K\u00fcnftige Generationen werden nicht mehr zwischen Pflicht und Vergn\u00fcgen w\u00e4hlen, sondern beides bewusst miteinander verbinden wollen.\r\n\r\nF\u00fcr den Wissenschaftlicher Leiter ist dieser Wandel keine vor\u00fcbergehende Modeerscheinung, sondern eine strukturelle Verschiebung von Erwartungen und Wertvorstellungen. Politik, Wirtschaft und Bildungseinrichtungen sollten darauf nicht mit traditionellen Appellen an Leistungsbereitschaft antworten (l\u00e4ngere Arbeitszeiten, sp\u00e4terer Renteneintritt, intensivierte Erwerbst\u00e4tigkeit etc.). Stattdessen m\u00fcssen sie die Bed\u00fcrfnisse dieser Generationen neu verstehen: Flexibilit\u00e4t, Sinnerf\u00fcllung und Gestaltungsfreiheit sind keine Gegenpole zu Verantwortung, sondern ihre Voraussetzungen. Das erfordert Anreize, die attraktive Karriereperspektiven mit Raum f\u00fcr pers\u00f6nliche Entfaltung verbinden, Weiterbildung, die sich an aktuellen Lebensrealit\u00e4ten orientiert, und eine Anerkennungskultur, die Wohlbefinden nicht als Luxus, sondern als Produktivit\u00e4tsfaktor anerkennt. 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