Der Freizeitbrief, 12, 2. Jg., August 1981

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Jeder dritte Bundesbürger langweilt sich

    Jeder dritte Bundesbürger langweilt sich

    Freizeit schon in der Schule lernen?

    Mehr Freizeit, mehr Langeweile. Auf diese knappe Formel läßt sich ein Phänomen bringen, daß allenthalben Ratlosigkeit hervorruft. Ob Politiker oder Soziologe, Gewerkschafter oder Unternehmer und schließlich die betroffenen Bürger selbst, sie alle stehen vor dem Dilemma, daß vermehrte Freizeit oft nicht den erhofften Genuß, sondern eher Verdruß bringt.

    Klagten bei einer Repräsentativumfrage des Allensbacher Instituts für Demoskopie im Jahre 1953 nur 18 %der Bevölkerung über Langeweile, so hat sich dieser Anteil, wie das BAT Freizeit-Forschungsinstitut ermittelte, mit rund 34 % inzwischen fast verdoppelt. Wie aus der neuen repräsentativen Befragung von 2.000 Personen über 14 Jahre hervorgeht, ist vom Leiden der Langeweile am stärksten die Gruppe der Nichtberufstätigen betroffen. 41 % der Schüler, 38% der Hausfrauen, 38 % der Rentner und Pensionäre sowie verständlicherweise, über die Hälfte der Arbeitslosen, führen das Heer der Langeweiler an, denen an Sonntagen und Feiertagen „die Zeit so lang wird“, daß ihnen die „Decke auf den Kopf fällt“.

    Die BAT Forscher stellten fest: Die persönliche Fähigkeit vieler Bundesbürger, Freizeit befriedigend zu gestalten, hinkt hinter der gesellschaftlichen Forderung nach mehr Freizeit hinterher. Noch steht Freizeitkunde in keinem Lehrplan. Doch vielleicht ist die Zeit nicht fern, in der Freizeit erlernen als neue Bildungsaufgabe der Schule erkannt wird.

    Singles: Sex ja, Beziehung nein

    Singles sind um ihr Sexleben nicht sonderlich zu beneiden. Zwar haben sie - vor allem die jüngeren- die Möglichkeit zu einer Vielzahl wechselnder Kontakte, aber richtig froh werden sie dabei nicht. Sie leiden an der psychischen Barriere, tiefere zwischenmenschliche Beziehungen aufbauen zu können. So bleibt der sexuelle Kontakt oberflächlich und kann nicht die Befriedigung bieten, wie in einer dauernden gefühlsmäßigen Bindung.

    Wie das BAT Freizeit-Forschungsinstitut bei einer qualitativen Umfrage ermittelte, wird den Singles das Leben noch dadurch erschwert, dass die Umwelt von ihnen ein eher sexorientiertes Freizeitverhalten erwartet. Nach ihren Wunsch- oder Traumvorstellungen bei Kontakten zu anderen Menschen befragt, rangiert „Sex und Flirt“ mit (9 %) jedoch erst an dritter Stelle nach „Zusammensein mit Freunden“ (35 %) und „Lieber für sich allein sein“ (11 %). Dies zeigt nach Ansicht der Freizeitforscher mehr als deutlich, daß sich Highlife-Image und Wirklichkeit nicht decken.

    Die Partnerprobleme der Singles sind die Spätfolge einer narzistischen Prägung, wie die Psychologen sagen, daß heißt einer früh entstandenen unbewußten Eigenliebe, die für andere Liebesobjekte keinen besonderen Raum läßt.

    An dem Unvermögen, vorhandene Beziehungen weiter auszubauen, leiden diese Singles. Droht eine Bindung eng zu werden, flüchten sie aus dieser Gemeinschaft, um nicht ihre Identität zu verlieren oder geschluckt zu werden, wie sie sich ausdrücken. Diese Flucht vor der Liebe ist schmerzhaft, da die Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit bleibt. Sie wenden sich einem neuen Partner zu, zu dem sie sich zunächst in beruhigender Distanz befinden. Der Reigen beginnt von neuem.