Die Zukunft der Lebensqualität

Trendwende zu immateriellen Werten

Lebensqualität kann als Summe subjektiver Wahrnehmungen definiert werden. Der Begriff umfasst somit zum einen die individuelle Stellung im Leben in Relation zur Kultur und den Wertsystemen in denen man lebt – zum anderen nimmt er Bezug auf die eigenen Ziele, Erwartungen, Standards und Anliegen. 

Als multidimensionales Konstrukt, wird Lebensqualität anhand von Indikatoren bemessen. Im Kontext ihrer Zeitreihenforschung fragt die Stiftung nach diesen Indikatoren und analysiert die Zustimmungsquoten im Jahresvergleich. 

Ein Kernergebnis: Wurde in den konsumorientierten 1980er und 1990er Jahre die Lebensqualität zumeist mit dem Lebensstandard gleichgesetzt, so zeigen die Forschungsarbeiten ab dem Jahr 2000 eine gesellschaftliche Entwicklungstendenz: Lebensqualität erfährt einen Bedeutungsgewinn und definiert sich fortan primär über immaterielle Werte. So benennen über 90 Prozent der Bundesbürger Gesundheit und Freundschaften sowie Familie und Partnerschaft als wichtige Indikatoren für Lebensqualität. Im Gegensatz dazu, werden Konsummöglichkeiten lediglich von etwas mehr als der Hälfte der Bundesbürger als bedeutungsvoller Bestandteil der Lebensqualität gesehen. 

Diese gesellschaftliche Trendwende zu mehr Lebensqualität hat weitreichende Folgen für Politik und Wirtschaft. Zukünftig werden Politiker und Parteien verstärkt daran gemessen werden, ob und wie sie die soziale Infrastruktur und die Lebensbedingungen unserer Gesellschaft verbessern. Auch das Wachstumsparadigma der Wirtschaft wird von den Menschen – und damit von den Kunden und Arbeitnehmern – unter dem Aspekt der Lebensqualität (beispielsweise Vereinbarkeit von Beruf und Familie, oder nachhaltige Wertschöpfungskette) differenzierter betrachtet werden. 

In Zukunft wird die Lebensqualität weiter in das Zentrum unseres Wertekanons rücken, da sie als Wert die Fähigkeit besitzt, kollektiv zu wirken – gleichzeitig aber auch individuellen Interpretationsspielraum zu lassen. Lebensqualität bietet somit eine Orientierungsmöglichkeit in unserer Multioptionsgesellschaft und entwickelt sich zu einem Leitbild, das in dreifacher Weise unseren Alltag definieren kann: individuell, soziokulturell und wirtschaftspolitisch. 

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