Der Freizeitbrief, 10, 2. Jg., April 1981

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Falls die Urlaubsreise ausfallen muß

    Falls die Urlaubsreise ausfallen muß

    Freizeitforscher Prof. Opaschowski fordert beschleunigte Erschließung von Naherholungsgebieten

    Für den Fall erheblich steigender Lebenshaltungskosten beabsichtigt knapp ein Drittel aller Urlaubsreisenden, die Reisegewohnheiten zu ändern. Ein Teil von ihnen würde gar auf die Urlaubsreise verzichten, wie der Studienkreis für Tourismus feststellte.

    Im Hinblick auf diese mögliche Entwicklung fordert der bekannte Hamburger Freizeitforscher Prof. Opaschowski, für die daheimbleibenden Bundesbürger rechtzeitig Alternativen zu entwickeln. Eine der wichtigsten Aufgaben hierbei sei die bessere Erschließung von Naherholungsgebieten, vor allem in den Ballungszentren.

    Prof. Opaschowski bezieht sich dabei auf eine vom BAT Freizeit-Forschungsinstitut in Auftrag gegebene Repräsentativ-Umfrage bei 2.000 Personen. Auf die Frage „Unter welchen Bedingungen würde Ihnen ein Sommerurlaub zu Hause leicht fallen?“ wünschen sich 51 % der Befragten „Bequem erreichbare Naherholungsgebiete“. Erst in großem Abstand folgen das „Freizeitbad in der Nähe“ (27%), das „Wohnungsnahe Freizeitzentrum für die ganze Familie“ (20%), „Ferienveranstaltungen am Wohnort“ (18%). (Vgl. Grafik)

    Aus dieser Rangfolge ergibt sich offensichtlich ein starker Bedarf an besser erschlossenen Naherholungsgebieten. Denn da von der Gesamtbevölkerung ohnehin nur knapp 58% einmal im Jahr eine Urlaubsreise unternehmen, mithin also rund 42% daheimbleiben, sollte für diese Gruppe in jedem Fall eine befriedigendere Alternative geschaffen werden.

    6-Punkte-Programm vorgeschlagen

    Zur freizeit- und urlaubsgerechten Gestaltung von Naherholungsgebieten empfiehlt Prof. Opaschowski ein regionalpolitisches 6-Punkte-Programm. Darin heißt es:

    1. Einrichtung von Naherholungsgebieten für vielfältige Freizeitansprüche wie

      Spazierengehen, Wandern und Ausflüge machen,
      Tierbeobachtung, Natur- und Landschaftserleben,
      Schwimmen, Baden und Bootfahren,
      Ausruhen, Lesen und Sonnen,
      Bewegungsspiele, Bergsteigen und Sport treiben,
      Gespräche, Unterhaltung und gesellige Veranstaltungen.

      Bei der Schaffung wechselnder Ruhe- und Aktivitätszonen sind ökologische Gesichtspunkte (Natur- und Landschaftsschutz) gleichermaßen zu berücksichtigen.
       
    2. Eine stärkere Frequentierung und gleichmäßigere Verteilung der Inanspruchnahme von Naherholungsgebieten über das Wochenende hinaus wird sich positiv auf Auslastung und Preisgestaltung auswirken. In der kommunalen und regionalen Fremdenverkehrspolitik ist der Erlebniswert des Urlaubs zu Hause und in der näheren Umgebung stärker bewusst zu machen. Zum Freizeit- und Urlaubserleben gehören wohnungsnahe Freizeitmöglichkeiten, innerstädtische Freizeitanlagen und regionale Erholungsgebiete.
       
    3. Schaffung zusammenhängender Wege- und Wandernetze von den verdichteten Wohngebieten zu den inner- und außerstädtischen Frei- und Erholungsflächen.
       
    4. Schaffung eines Verkehrsverbundes von Bundesbahn, Bundespost, öffentlichem und privatem Nahverkehr in Verbindung mit einer Verbesserung der Umsteigemöglichkeiten an den Verkehrsknotenpunkten mit direkten Linienführungen zu den Naherholungsgebieten.
       
    5. An den Wochenenden und in den Ferienzeiten verstärkte Zug- und Busfolge sowie Errichtung von Zubringerbuslinien von den Großparkplätzen zu den überregionalen Erholungsgebieten.
       
    6. Ausgabe von Familien-Ferienpässen (Netzkarten) und familienfreundliche Umgestaltung der öffentlichen Verkehrsmittel für Kinderwagen und Fahrräder.

    Erstes BAT Freizeit-Forum

    Anfang April führte das BAT Freizeit-Forschungsinstitut das erste Freizeit-Forum in Hamburg durch, eine Gesprächsrunde mit Praktikern, die sich mit dem Thema „Probleme im Umgang mit der Freizeit“ auseinandersetzten. 10 Praktiker aus unterschiedlichsten Berufsfeldern wie Pädagogik, Sozialarbeit, Ehe- und Familienberatung, Recht, Seelsorge, trafen sich und diskutierten Fragen des Freizeitverhaltens aus ihrem eigenen Praxisfeld. Nach der Feststellung der grundsätzlichen Problematik, die aus Einsamkeit, Langeweile. Schwellenängsten, Kontaktproblemen und manchem mehr herrühren, wurden persönliche und generelle Lösungsansätze aus der Sicht der Praxis diskutiert. Es wurde deutlich, daß Erhebliches getan werden muß, um die anstehenden Fragen zu lösen, Voraussetzung hierfür aber ist das persönliche Engagement jedes einzelnen in diesem Berufsfeld. Nur dann werden durchzuführende Maßnahmen letztlich Erfolg haben.