Der Freizeitbrief, 17, 3. Jg., Mai 1982

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Neue Meinungsumfragen zeigen: Ältere Generation beurteilt die Jugend überraschend positiv. Wachsende Toleranz in der Bevölkerung.

    Neue Meinungsumfragen zeigen: Ältere Generation beurteilt die Jugend überraschend positiv. Wachsende Toleranz in der Bevölkerung.

    Eine wesentlich bessere Meinung als gemeinhin angenommen hat die ältere Generation von den 16- bis 25-jährigen. Wie aus Umfragen des BAT Freizeit-Forschungsinstituts hervorgeht, haben rund zwei Drittel der Befragten im Alter über 55 Jahren einen „überwiegend günstigen“ Eindruck.

    Legt man die Gesamtbevölkerung zugrunde, kommt die Jugend noch besser weg, denn bei 75 % der Deutschen überwiegt das positive Bild. Das war nicht immer so. Im Jahre 1950, also vor rund 30 Jahren, war es genau umgekehrt: nur rund 24 % hatten einen überwiegend günstigen Eindruck.

    Bemerkenswerte Unterschiede in der Einstellung gegenüber den jungen Leuten gibt es bei Berücksichtigung von Ausbildung, Einkommen und Wohnort der Befragten. So steigt die günstige Beurteilung mit besserer Ausbildung und höherem Einkommen. Und auch auf dem Land, in Orten mit weniger als 5.000 Einwohnern, ist das Image der 16- bis 25-jährigen vorteilhafter als in den Städten.

    In diesen Ergebnissen zeigt sich eine wachsende Toleranz gegenüber der Jugend. Die ältere Generation bemängelt zwar zunächst die größere Freizeitorientierung der jüngeren Generation: „Denkt nur an ihre Freizeit und ihr persönliches Vergnügen“ - „Hat nur sich selbst im Kopf und kann nichts mit sich anfangen“. Gleichzeitig bewundert und beneidet sie den freizeitorientierten Lebensstil der jungen Leute.

    Positiv beurteilt wird, daß die jüngere Generation Freundschaft, Freizeit und Freiheit sehr hoch einschätzt, daß sie mehr Aufgeschlossenheit für mitmenschliche Kontakte, weniger Angst vor den Mitmenschen, mehr Verständnis für andere zeigt. Junge Menschen entwickeln mehr Mut zur Selbstverwirklichung, gehen dabei neue Wege. Sie suchen auch nach ideellen Werten, entgegen mancher Vorurteile.

    Doch auch die Älteren kommen in den Augen der Jüngeren nicht so schlecht weg, wie es manchmal den Anschein hat. Sie bewundern das Leistungsvermögen. Daß sie gelernt haben, hart zu arbeiten, heute noch zupacken können. Und sie schätzen die souveräne Gelassenheit, das über den Dingen stehen, die größere Lebenserfahrung. Kritisiert wird unverändert die Uberbewertung von Besitz, Sicherheit und Karriere. Die persönliche Freiheit, individuelles Denken und Handeln werden nach Ansicht der jüngeren Generation zu leicht inhaltslosen Traditionen geopfert.

    Junge Generation hat ein ausgewogeneres Verhältnis zu Arbeit und Freizeit

    Ungeachtet des hohen Stellenwertes der Freizeit bleiben Beruf und Arbeit weiterhin wichtig im Leben der jüngeren Generation. Allerdings zeigt sich im Vergleich zu der Gruppe der über 55-jährigen eine wesentlich ausgewogenere Einstellung zu Arbeit und Freizeit. Dies geht aus einer Repräsentativumfrage des BAT Freizeit-Forschungsinstituts hervor, in der die Frage gestellt wurde: „Welche Stunden sind Ihnen allgemein am liebsten? Die Stunden während der Arbeit oder die Stunden, während Sie nicht arbeiten, oder mögen Sie beides gern?“

    Während sich ein Drittel aller Befragten eindeutig für die Freizeit entschieden, mögen 62 % Arbeit und Freizeit gleich gern. Bei den über 55-jährigen zeigt sich deutlich eine niedrigere Bewertung der Freizeit, denn nur 21 % bevorzugen klar die freien Stunden, hingegen 72 % schätzen Arbeit und Freizeit gleichermaßen. Demgegenüber spricht sich die Altersgruppe bis 29 Jahre zu 48 % für die arbeitsfreien Stunden aus. Rund 51 %, also etwas mehr als jeder zweite Befragte dieser Gruppe, entschied sich für die Antwort „mag beides gern“.