Der Freizeitbrief, 73, 9. Jg., 25.10.1988

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Umfrage: Eigeninitiative immer wichtiger

    Umfrage: Eigeninitiative immer wichtiger

    Die sechs Freizeit-Ideale der Deutschen

    Freizeit ist freie, aber nicht untätige Zeit. Auf diesen Nenner lassen sich nach Angaben des BAT Freizeit-Forschungsinstituts die Vorstellungen der Bundesbürger über eine sinnerfüllte Freizeit bringen. Damit dürften Fernsehen, Flaschenbier und Filzpantoffeln als Symbole traditionell passiver Freizeitgestaltung bald ausgedient haben. Die künftigen Freizeitideale lauten: Selbständig leben und selbst aktiv sein, spontan sein und Spaß haben, soziale Kontakte finden und sich entspannen können.

    In der aktuellen BAT Repräsentativerhebung wurden 2000 Personen ab 14 Jahren danach befragt, welche Eigenschaften heute im Freizeitleben „sehr wichtig“ sind. Für die Mehrheit der Bundesbürger (65 %) ist Lebensfreude eine fast selbstverständliche Voraussetzung für sinnerfüllte Freizeitgestaltung. Doch bereits an zweiter Stelle folgt die Fähigkeit, sich in der freiverfügbaren Zeit selbst beschäftigen zu können. 57 Prozent der Befragten zählen diese Tugend zu den sehr wichtigen Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensweisen im Freizeitleben. Und 48 Prozent heben daneben auch die Bedeutung der Eigeninitiative hervor. Selbst-aktiv-Sein bleibt aber nicht allein auf die eigene Person beschränkt. Es schließt für jeden zweiten Bürger (51 %) die Verantwortung für Natur und Umwelt mit ein.

    Selbständigkeit will gelernt sein

    Auf die Notwendigkeit einer Gestaltung der Freizeit in Eigenregie weisen vor allem die Höhergebildeten hin. Der Anteil der Hochschul- und Universitätsabsolventen, die den Eigeninitiativ-Charakter der Freizeit betonen, ist fast doppelt so hoch (63 %) wie bei den Volks- und Hauptschülern (38 %). Ähnlich große Bildungsunterschiede zeigen sich bei der Frage nach der Nutzung der Freizeit für die ganz persönliche Weiterentwicklung. 59 Prozent der Abiturienten und 60 Prozent der Universitätsabsolventen betrachten die Freizeit als Chance, sich persönlich weiterzuentwickeln. Nur knapp ein Drittel (31 %) der Volks- und Hauptschulabgänger sieht das ebenso.

    Für Prof. Dr. Horst W. Opaschowski, den wissenschaftlichen Leiter des BAT Instituts, ist der selbständige Umgang mit der wachsenden Vielfalt von Freizeitmöglichkeiten auch und gerade eine Bildungsfrage. Der Umgang mit der Freizeit muß in Zukunft ebenso gelernt werden wie die Arbeit im Beruf. Mehr als bisher sind hier Schule und Bildungspolitik gefordert.