Freizeit aktuell, 89, 11. Jg., 28.02.1990

 Text als PDF downloaden

Wohin die Deutschen 1990 reisen wollen

    Wohin die Deutschen 1990 reisen wollen

    Wohin geht die nächste Urlaubsreise?

    Von den knapp 20 Millionen Bundesbürgern, die für 1990 bereits feste Reiseabsichten haben, wollen etwa ein Viertel (28 %) Urlaub im eigenen Land machen . Alle übrigen suchen sich ausländische Reiseziele. Spanien (11 %) , Österreich (8 %) und Italien (7 %) bleiben auch in diesem Jahr die Spitzenreiter in der Reisegunst der Deutschen.

    Allerdings müssen Spanien und Italien im Vergleich zu den Reiseabsichten des Vorjahres mit einem Rückgang von 2 Prozentpunkten rechnen. Dies ist das Ergebnis einer Repräsentativbefragung des BAT Freizeit-Forschungsinstituts bei 1595 Bundesbürgern ab 14 Jahren.

    Auch bei den inländischen Ferienzielen deuten sich Verschiebungen an. 1989 wollten 5 Prozent der Befragten ihren Urlaub an der Nordsee verbringen, 1990 äußern 6 Prozent diesen Wunsch. Beliebteste Inlandsreiseziele bleiben das Allgäu und das bayerische Voralpenland (7 %) . Allerdings waren die Bundesbürger ein Jahr zuvor hierfür etwas optimistischer gestimmt (9 %) . Ausländisches „In“-Ziel des Jahres 1990 könnte Griechenland werden. 6 Prozent (1989 : 5 %) der Befragten wollen im Land der Griechen mindestens zwei Wochen Urlaub machen.

    1990 noch kein Reise-Run auf die DDR

    Rund 0,6 Millionen Bundesbürger haben die DDR als nächstes Reiseziel gewählt und wollen dort 1990 mindestens zwei Wochen Urlaub machen. Das entspricht einem Anteil von 3 Prozent der Bundesbürger mit festen Reiseabsichten - gerade 1 Prozent meh r als im Vorjahr. Größeres Interesse an einem Urlaub in der DDR zeigen allein die Bewohner grenznaher Regionen, vor allem in West-Berlin und Hessen (jeweils 6 %). Dazu Prof. Dr. Horst W. Opaschowski, wissenschaftlicher Leiter des BAT Freizeit-Forschungsinstituts: „Der DDR-Urlauber 1990 will sich auf das Abenteuer eines Neugier-, Entdeckungs- und Begegnungstourismus einlassen, bei dem der Wunsch, Land und Leute kennenzulernen größer ist als das Risiko, vielleicht kein geeignetes Quartier zu finden.“

    Die überwiegende Mehrheit der Urlauber zählt jedoch zu den Realisten: Sie wissen, daß der neuen Reisefreiheit Grenzen gesetzt sind, solange es an einer leistungsfähigen touristischen Infrastruktur mangelt. Die meisten Bundesbürger werden sich mit Tagesausflügen und Wochenendreisen zufriedengeben. Das BAT Institut erwartet daher für 1990 weniger einen Run auf die knappen ostdeutschen Ferienquartiere als vielmehr die Gefahr eines wildwüchsigen PKW- und Bus-Ausflugsverkehrs, bei dem ökologische Belastungen in die DDR exportiert würden, die Devisen aber weitgehend im eigenen Land - vor allem in Hotels und Pensionen der westdeutschen Grenzgebiete - blieben.

    Technische Daten der Befragung

    Anzahl der Befragten: 4.000 Personen, davon 1595 mit fester Reiseabsicht
    Repräsentanz: Bundesgebiet und West-Berlin, Bevölkerung ab 14 Jahre (48,8 Mio.)

    Zeitraum der Befragung: 11. bis 24. Januar 1990

    Fragestellung:
    „Beabsichtigen Sie 1990 eine längere Urlaubsreise (mindestens 2 Wochen) zu machen? Und wohin wollen Sie 1990 in Urlaub fahren?“