Freizeit aktuell, 92, 11. Jg., 12.09.1990

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Freizeit ist Bildungszeit

    Freizeit ist Bildungszeit

    Die neue Bildungslust: Junge Leute entdecken die Weiterbildung als aktive Form der Freizeitgestaltung

    Die wachsende Freizeit verändert die Wertvorstellungen der Deutschen. Immer mehr Menschen wollen nach einer Untersuchung des BAT Freizeit- Forschungsinstituts durch Bildungsaktivitäten ihrem Leben außerhalb von Arbeit und Beruf neuen Sinn geben. In der persönlichen Wertehierarchie der Bundesbürger nimmt die Bildung nach Freizeit, Familie und Freundeskreis den vierten Rangplatz ein. Besonders hoch wird die Wichtigkeit der Bildung für das eigene Leben von der jüngeren Generation eingeschätzt. Sie will nicht nur Freude an ihrer Arbeit haben, sondern auch ihr Mehr an Freizeit mit Lebensinhalt füllen.

    Insbesondere die 20- bis 29-jährigen, die ihre Schul-und Berufsausbildung weitgehend abgeschlossen haben und am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen, nutzen die persönliche Weiterbildung als aktive Form der Freizeitgestaltung. Sie nutzen ihren Feierabend zum freiwilligen Lernen ohne Streß. Ein Fünftel aller jungen Leute im Alter von 20 bis 24 Jahren widmen einen Teil ihrer Abendstunden und Wochenenden regelmäßig der persönlichen Weiterbildung. 1986 lag der Anteil der Bildungsaktiven lediglich bei 14 Prozent.

    Auch der bildungsaktive Anteil der 25- bis 29-jährigen hat zugenommen (von 9 auf 12 Prozent). Dies ist das Ergebnis einer Repräsentativumfrage des B·A·T Instituts, in der 2.000 Bundesbürger ab 14 Jahren nach ihren Freizeitgewohnheiten gefragt wurden.

    Ein Vergleich der letzten vier Jahre läßt erkennen, daß die jüngere Generation zunehmend mehr Spaß am Lernen in der Freizeit findet, die Bildungsbereitschaft der mittleren und älteren Generation aber stagniert oder sinkt. Der Anteil der 35- bis 39-jährigen, die sich nach Feierabend freiwillig weiterbilden, ist sogar um die Hälfte gesunken (von 10 auf 5 Prozent).

    Offensichtlich entspricht der Drang zur Weiterbildung bei den unter 30-jährigen einem neuen Lebensgefühl in der Freizeit: „Freizeit ist auch Bildungszeit. Viele junge Leute wechseln den Schreibtisch im Büro mit dem PC zu Hause ein“, so Prof. Dr. Horst W. Opaschowski, der Leiter des BAT Instituts.

    Die neue Bildungslust reicht vom Fremdsprachenkurs und Computerlehrgang in der Volkshochschule bis zu Studienreisen und künstlerischem Gestalten in Wochenendseminaren und Ferienakademien. Dies ist auch und gerade eine Frage der Schulbildung. Der Anteil der Befragten mit Abitur als Schulabschluß, die Freude am Lernen nach Feierabend haben, ist sechsmal so hoch (24 %) wie bei den Hauptschulabsolventen (4 %). Das neue Lernvergnügen in der Freizeit setzt wohl frühere Erfolgserlebnisse beim schulischen Lernen voraus. Die Zukunftsgesellschaft wird auch eine Bildungsgesellschaft sein. Und wer die Freizeit als Bildungschance nutzt, investiert in die eigene Zukunft.