Chart der Woche Spezial | Bequemlichkeit, Angst und Zweifel – warum Mut oft auf der Strecke bleibt: German Mut statt German Angst

Chart der Woche, 2023-KW22

1. Juni 2023

Chart der Woche Spezial-Edition

 

Unsere neue Publikation „German Mut statt German Angst – 44 Ideen für eine bessere Zukunft“ ist JETZT im Buchhandel erhältlich.

 

 

 

 

BEQUEMLICHKEIT, ANGST UND ZWEIFEL – WARUM MUT OFT AUF DER STRECKE BLEIBT

 

Mutig zu sein erfordert vor allem Selbstvertrauen, Verantwortungsbereitschaft, Risikobereitschaft und Optimismus. Der jeweiligen Situation entsprechend ist es zudem wichtig, für seine eigene Überzeugung oder seine Werte einzustehen. Realisiert wird mutiges Verhalten besonders innerhalb der persönlichen Lebenswelt. Was aber hindert viele Bundesbürger daran, diese als positiv empfundene Handlung öfter und auch außerhalb des direkten Umfeldes auszuführen?

Das am häufigsten genannt Argument ist das Verlassen der eigene Komfortzone. Mut bedeutet Aktivität, Engagement, mögliches Risiko, kann beschwerlich und belastend sein. Als Gegenpole stehen Passivität, Bequemlichkeit und Sicherheit. Eigenschaften, mit denen man es sich im gewohnten Alltag gut gehen lassen kann. Man ist zufrieden, die beruflichen und privaten Herausforderungen zu meistern und möchte wenig Anstrengung für weitere Aufgaben unternehmen. Man nimmt am politischen und gesellschaftlichen Geschehen Anteil, plant durchaus auch mal ein stärkeres Engagement und träumt von persönlichen Veränderungen und Zielen, doch bleibt es in den meisten Fällen bei einem theoretischen Gedankenspiel des Mutes und des konkreten Angehens und Umsetzens.

 

Der Gedanke an Anstrengung und die möglichen Konsequenzen wirkt für viele Bundesbürger zu abschreckend, um mutig zu sein.

 

DIE HÄUFIGSTEN GRÜNDE FÜR FEHLENDEN MUT

 

Für zwei von fünf Bürger wird zudem fehlendes Selbstvertrauen sowie für jeden Dritten ein zu starkes Sicherheitsbedürfnis genannt. Selbstvertrauen ist eine zentrale Voraussetzung für mutiges agieren, ist dieses nicht vorhanden, können schon mutige Überlegungen – und erst recht mutige Entscheidungen – zu einer großen Herausforderung werden. In Kombination mit einem hohen Bedürfnis nach Sicherheit und einem steten Abwägen von möglichen Risiken wird so ein zuversichtliches Agieren unwahrscheinlich.

Von einer Mehrheit der Bundesbürger werden zudem Angst vor dem Scheitern und Angst vor Verantwortung als große Hindernisse genannt. Eine oftmals vorherrschende Vollkaskomentalität lässt das Leben als ein allseits abgesichertes Konstrukt erscheinen, welches Fehler oder Scheitern nicht vorsieht. Alles scheint seinen sicheren und geregelten Lauf zu nehmen. Hinzu kommt eine gesellschaftliche Tendenz der Optimierung und eine mangelnde Fehlerkultur, die wenig Raum für Scheitern oder Risiken vorsieht, die mutigem Verhalten immer innewohnen. In diesem Zusammenhang kann die allgemeine Präferenz von Sicherheit und Erfolg zu einer verinnerlichten Angst vor dem Scheitern führen. Dies wiederum hat einen direkten Einfluss darauf, wie bereitwillig und gern die Bürger Verantwortung übernehmen. Die Vorstellung, im beruflichen oder privaten Bereich Eigenverantwortung auszuüben ist umso negativer besetzt, je offensichtlicher ein mögliches Scheitern von außen als Fehler angesehen wird.

 

Es liegt in der öffentlichen Verantwortung eine Kultur zu fördern, die Ängste vor Verantwortung und Scheitern minimiert und Risiken, Fehler und mutige Entscheidungen als etwas positives integriert und fördert.

 

Ebenfalls von einer Mehrheit genannter Hindernisgrund für Mut ist die Angst vor den wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen des Handelns. Im wirtschaftlichen Bereich sind hier vordergründig finanzielle Risiken gemeint, wie etwa das benötigte Startkapital, das ungesicherte Einkommen, aufgenommene Schulden oder auch die fehlende Absicherung im Falle eines Scheiterns. Die Befürchtung, nicht genügend monetäre Unterstützung zu bekommen sowie die Angst vor den Hürden der Kreditwürdigkeit, lässt viele innovative Ideen schon oftmals in der Planungsphase enden. Die Angst vor den möglichen sozialen Folgen umfasst z.B. die Sorge vor Auseinandersetzungen und Konflikten. Mutiges Verhalten bedeutet nicht nur innere Überwindung, sondern ebenso auch eine Auseinandersetzung im persönlichen Umfeld, da dieses meistens direkt oder indirekt betroffen ist.

Zwei von fünf Deutschen führen negative Erfahrungen als Hinderungsgrund für ein mutiges Handeln an. Dabei belegen zahlreiche Untersuchungen zu Strategien und Mechanismen, mit denen Menschen Herausforderungen bewältigen, wie wichtig positive Erfahrungen sind, um Herausforderungen anzunehmen und innovativ zu agieren. Und fast jeder Dritte nennt die fehlende Lernerfahrung als Hindernisgrund für Mut. Noch stärker als bei der negativen Erfahrung sind hier vor allem gesellschaftliche Gründe von Bedeutung. Von der familiären und schulischen Sozialisation ausgehend über fehlende Möglichkeiten bei der studentischen oder beruflichen Ausbildung bis hin zum Berufsalltag beklagen gerade Jüngere, dass sie kaum Kenntnisse und Strategien kennengelernt und Chancen erhalten haben, um mutiges Verhalten zu erlernen oder auch auszuprobieren. Dabei bieten sich in diesen Bereichen zahlreiche Optionen an, bietet die familiäre und schulische Lebenswelt doch einen geschützten Rahmen, innerhalb dessen relativ risikoarm bestimmte mutige Verhaltensweisen, wie Zivilcourage und Eigenverantwortung oder auch kühne Projekte erlernt, initiiert und durchgeführt werden könnten. Derart gewappnet, gestärkt durch positive Rückmeldungen, Erfahrungen und Erfolge, könnten schon Jugendliche lernen Risiken zu kalkulieren und mögliche Rückschläge oder Misserfolge als Ansporn zu nehmen und eine Kultur zu verinnerlichen, die mutiges Vorgehen belohnt und Fehler und Risiken nicht nur negativ besetzt, sondern vielmehr als Lernprozess und Wissensvorsprung für zukünftige Entscheidungen begreift.

Weitere Forschungsergebnisse aus unserer Publikation finden Sie in unserem  Forschung aktuell – 300.

Und in unseren Chart der Woche Spezial KW19, KW20 und KW21: Vorbilder-Mangel und Generationen-Gap bei der Wahl von Vorbildern sowie Was es bedeutet, MUTIG zu sein.

Ihre Ansprechpartnerin

Ayaan Güls
Pressesprecherin

Tel. 040/4151-2264
Fax 040/4151-2091
guels@stiftungfuerzukunftsfragen.de

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