Nach Einschätzung von nur gut einem Viertel der Bundesbürger (2026: 27%) ist das deutsche Bildungssystem gut auf die Zukunft vorbereitet. Auch wenn im Vergleich zur Vergangenheit der Wert deutlich angestiegen ist (2021: 10%) bleibt eine große Mehrheit der Bevölkerung demnach skeptisch. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der BAT-STIFTUNG FÜR ZUKUNFTSFRAGEN, für die 2.000 Bundesbürger ab 18 Jahren repräsentativ befragt wurden.

Die Zweifel spiegeln die komplexen Herausforderungen wider: Schule soll heute nicht nur fachliche, persönliche, soziale und demokratische Kompetenzen vermitteln und Schüler zu selbstständigen, verantwortungsbewussten sowie gesellschaftlich handlungsfähigen Persönlichkeiten ausbilden – wie es gesetzlich festgelegt ist –, sondern gleichzeitig gesellschaftliche Aufgaben wie Integration, Digitalisierung oder psychische Gesundheit lösen. Professor Dr. Ulrich Reinhardt, Wissenschaftlicher Leiter der Stiftung fordert daher eine Diskussion über die Grundsatzfrage: „Was ist zukünftig Aufgabe der Schule?“

BASISKOPETENZEN SIND DIE EIGENTLICHEN FUTURE SKILLS

In der Diskussion um die Bildung der Zukunft stehen oft Begriffe wie künstliche Intelligenz, Robotik oder digitale Lernsoftware im Vordergrund. Dabei zeigt sich: Wenn grundlegende Fähigkeiten wie sinnerfassendes Lesen, Schreiben und Rechnen fehlen, nützt auch die beste Technologie wenig.

„Natürlich brauchen wir digitale Kompetenz und Kreativität“, so Reinhardt. „Aber all das hängt an einem Fundament. Wer nicht gut liest, kann keine Quellen prüfen. Wer nicht rechnen kann, kann Statistiken nicht einordnen. Die echten Future Skills sind verlässliche Basiskompetenzen für jedes Kind. Ohne diese Grundlagen bleibt jedes weitere Lernen Stückwerk“.

Zudem ist die Vermittlung dieser Grundlagen auch eine soziale Frage, da eine unzureichende schulische Bildung Lebenschancen, Freiheit und gesellschaftliche Teilhabe immer stärker beeinflusst.

 

WISSEN IM ZEITALTER VON KI – VOM SPEICHER ZUM NAVIGATIONSSYSTEM

Die ständige Verfügbarkeit von Informationen durch KI-Anwendungen wirft die Frage auf, welches Wissen künftig noch vermittelt werden muss. Für Reinhardt lautet die Antwort nicht, ob eigenes Wissen überflüssig wird:

„Im Gegenteil, um beurteilen zu können, ob KI-generierte Informationen stimmen oder in einen größeren Zusammenhang gehören, wird ein inneres Wissensgerüst zur Voraussetzung. Prompting ohne Fachwissen führt oftmals nur zu einer gut formulierten Ahnungslosigkeit“.

 

AUSBLICK: BILDUNG BRAUCHT ORIENTIERUNG STATT ÜBERFORDERUNG

Die Debatte über die Aufgaben der Schule wird häufig mit immer neuen Erwartungen geführt. Kaum ein gesellschaftliches Problem, das nicht früher oder später an die Bildungseinrichtungen herangetragen wird. Doch je mehr Aufgaben der Schule übertragen werden, desto größer wird die Gefahr, ihren eigentlichen Auftrag aus dem Blick zu verlieren. Und auch wenn Bildung vieles leisten kann – kann sie nicht sämtliche Defizite anderer gesellschaftlicher Bereiche ausgleichen.

Entscheidend wird daher sein, Prioritäten neu zu definieren. Schule sollte in erster Linie ein Ort sein, an dem junge Bürger verlässliche Grundlagen erwerben, Zusammenhänge verstehen, Urteilsvermögen entwickeln und Zuversicht für den eigenen Lebensweg gewinnen. Reinhardt:

„Wer Zusammenhänge versteht und eigene Entscheidungen treffen kann, wird auch Verantwortung für sich und andere übernehmen. Entscheidend wird deshalb nicht sein, immer neue Inhalte aufzunehmen, sondern den Mut zu haben, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Nicht jede gesellschaftliche Entwicklung verlangt nach einem neuen Unterrichtsfach und nicht jede Herausforderung nach einer weiteren Erwartung an Lehrkräfte. Eine gute Schule erkennt man deshalb nicht daran, wie viele Aufgaben sie übernimmt, sondern daran, wie verlässlich sie ihren eigentlichen Auftrag erfüllt. Gerade darin liegt die Grundlage für Chancengerechtigkeit, wirtschaftliche Stärke und gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

Ihre Ansprechpartnerin

Ayaan Güls
Pressesprecherin

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