
Elektronische Medien prägen die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zunehmend und verändern zugleich die Anforderungen an Bildung und Erziehung. Aktuell gehen mehr als drei von vier (78%) Bundesbürgern davon aus, dass der mediale Einfluss zukünftig größer sein wird als der von Schule und Elternhaus. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der gemeinnützigen BAT-STIFTUNG FÜR ZUKUNFTSFRAGEN, für die 2.000 Bundesbürger ab 18 Jahren repräsentativ befragt wurden.
Zeitvergleich: Vom Nebenmedium zum Lebensbegleiter
Im Zeitvergleich zeigt sich deutliche Verschiebung der Wahrnehmung. 1997 teilte lediglich gut ein Viertel der Bevölkerung (28%) die Einschätzung, Medien seien einflussreicher als Schule und Elternhaus. Auch 20 Jahre später (2008) lag der Wert noch bei „nur“ einen gutem Drittel (36%). Aktuell sind es dagegen mehr als doppelt so viel, 78 Prozent.
Für den Wissenschaftlichen Leiter der Stiftung, Professor Dr. Ulrich Reinhardt, steht diese Entwicklung in engem Zusammenhang mit der Mediennutzung im Alltag.
„Das Internet ist für fast alle jungen Bürger zu einem ständigen Begleiter geworden. Ob als Informationsquelle, zur Unterhaltung oder soziale Brücke – überall und jederzeit sind sie online, während parallel persönliche Kontakte im direkten Umfeld tendenziell abnehmen. Durch diese Dauerpräsenz in den digitalen Raum übernehmen Plattformen, Algorithmen und Künstliche Intelligenz (KI) unweigerlich einen Teil der Wertevermittlung und sozialen Orientierung“.
Neue Aufgaben für Lehrer und Eltern
Für Schule und Elternhaus verschieben sich dadurch die Aufgaben. Kritisches Denken, Quellenbewertung, Urteilsfähigkeit und Empathie gewinnen an Bedeutung. Zudem verlangt der Umgang mit Künstlicher Intelligenz zusätzliche Kompetenzen, wie z.B. die Fähigkeit Ergebnisse einzuordnen, Beeinflussung zu erkennen und ethische Fragen zu reflektieren.
Reinhardt sieht dabei aber auch Herausforderungen: „Kinder und Jugendliche verfügen im Umgang mit digitalen Technologien häufig über größere technische Sicherheit als ihre Eltern und Lehrer. Zugleich erleben sie Erwachsene, die selbst ständig auf Bildschirme schauen und digitale Medien selbstverständlich in ihren Alltag integrieren“.
Für ihn kann daher Medienkompetenz nicht allein durch Regeln und Unterricht vermittelt werden, sondern sie beginnt mit dem eigenen Verhalten.
„Wer jungen Menschen einen verantwortungsvollen Umgang mit Technik vermitteln will, muss die eigene Nutzung kritisch hinterfragen und Orientierung vorleben. Nur so begreifen sie, Technologien als Werkzeuge und nicht als unfehlbare Autoritäten“, so der Leiter der Stiftung.
Ausblick: Technik nutzen, Wirklichkeit erleben
Die digitale Entwicklung wird den Alltag der jungen Generation weiter prägen. Umso wichtiger wird ein Bildungsverständnis, das technische Fähigkeiten mit Urteilskraft, Verantwortung und sozialer Erfahrung verbindet. Schule und Elternhaus sind gefordert, digitale Medien weder zu überschätzen noch auszublenden. Neben einem kritischen Umgang mit Technologien braucht es verlässliche Orte für Freundschaften, Bewegung, Gemeinschaft und Naturerlebnisse. Vereine, Sport, Kultur und Freizeitangebote schaffen hierfür wichtige Erfahrungsräume. Digitale Souveränität entsteht deshalb nicht allein am Bildschirm, sondern im Zusammenspiel von technischer Kompetenz, persönlicher Begegnung und eigener Verantwortung.


