So blicken die Deutschen auf das Jahr 2024

Forschung aktuell, 302

26. Dezember 2023

Globale Krisen und Konflikte, Inflation und wirtschaftliche Herausforderungen, dazu der Klimawandel und eine rasant voranschreitende Digitalisierung – all dies führt bei einem Großteil der Bürger zu einer wachsenden Unsicherheit und lässt sie entsprechend angstvoll auf die kommenden zwölf Monate schauen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, für die über 2.000 Personen ab 18 Jahren repräsentativ befragt wurden.

Skepsis gegenüber dem Morgen verdoppelt sich im 10-Jahresvergleich

Innerhalb der Bevölkerung steigen mit dem Alter die Sorgen. So blickt jeder zweite unter 34-Jährige mit Angst auf das Jahr 2024, während es bei den über 55-Jährigen bereits mehr als zwei Drittel sind. Auch beim Bildungsgrad zeigen sich große Unterschiede. Bei formal Höhergebildeten blickt eine knappe Mehrheit hoffnungsvoll in die Zukunft, bei den formal Geringgebildeten sind es lediglich 29 Prozent.

Angst vor dem wirtschaftlichen Abschwung ist groß

Auch die Entwicklung der Wirtschaftsleistung in Deutschland bewerten die allermeisten negativ. Ging 2014 noch jeder Dritte von eine Wirtschaftssteigerung aus, ist es aktuell nur noch jeder Vierte.

Für Professor Dr. Ulrich Reinhardt, den wissenschaftlichen Leiter der Stiftung, sind die Gründe hierfür vielschichtig: „Steigende Energiekosten belasten nicht nur die Haushaltsbudgets, sondern erhöhen auch den Druck auf Unternehmen. Hinzu kommt ein Fachkräftemangel, der fast jede Branche betrifft. Auch ungelösten Handelskonflikte und eine zunehmende Konzentration zahlreicher Staaten auf nationale Belange belasten die exportorientierte deutsche Wirtschaft. Die Berichte über all diese Herausforderungen prägen die Sichtweise der Bürger und lassen sie mit Sorgen auf die Wirtschaft von Morgen blicken“.

Politikverdrossenheit erreicht historischen Höchststand

Fast neun von zehn Bundesbürgern nehmen eine tiefgehende Entfremdung der Bevölkerung von den politischen Vertretern wahr. Sie erwarten, dass Politiker kaum noch Zustimmung erhalten werden, und sich immer mehr Bürger desillusioniert abwenden. Insbesondere ältere Wähler glauben kaum noch an einen Zustimmungsgewinn.

Gründe für den Vertrauensverlust sind mannigfaltig

Vielen Politikern wird mangelnde Kompetenz und Transparenz vorgeworfen und ihnen wird nachgesagt, dass ihnen effektive Lösungen für drängende Probleme fehlen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die zunehmende Polarisierung in der politischen Debatte, die das Vertrauen in das politische System erodiert. Die Überzeugung, politische Entscheidungsträger dienen eher parteipolitischen Interessen als dem Gemeinwohl, verstärkt die Entfremdung vieler Bürger von der Politik. Reinhardt: „Die anhaltende Skepsis gegenüber der politischen Klasse stellt eine zentrale Zukunftsherausforderung dar, die es zu bewältigen gilt, um das Vertrauen der Bürger in die politischen Institutionen wiederherzustellen und gemeinsame Lösungen für die bestehenden Herausforderungen zu finden. Geschieht dieses nicht, droht eine weitere Radikalisierung, die am Ende die Demokratie gefährdet“.

Mehr Zusammenhalt in Europa als in Deutschland erwartet

Aktuell erwarten 29 Prozent der Bürger, dass Europa näher zusammenrücken wird, und damit erwarten dies ebenso viele wie vor einem Jahrzehnt. Für Deutschland sehen dagegen mehr als drei Viertel der Bevölkerung ein weiteres Auseinanderdriften bevorstehen und damit sind es heute deutlich mehr als noch vor zehn Jahren.

Zwischen den verschiedenen Altersgruppen ist die positive Erwartung eines engeren Miteinanders bei den Jüngeren jeweils in etwa doppelt so hoch, wie bei der Generation über 55 Jahren. Die tendenziell zuversichtlichere Einstellung der unter 34-Jährigen zeigt, dass sie doch eine zu Teilen ganz andere Sichtweise auf die gesellschaftliche Entwicklung Deutschlands und Europas haben.

Für Reinhardt gehen hiermit Fragen über Werte, Prioritäten und Erwartungen der verschiedenen Altersgruppen einher, da die Antworten deutlich zeigen, wie vielschichtig die gesellschaftliche Perspektive auf die kommenden Jahre ist. „Es bleibt abzuwarten, wie sich diese unterschiedlichen Ansichten in den kommenden Jahren auf politische Entscheidungen, und somit auf die Gestaltung der Zukunft, auswirken werden“.

Ihre Ansprechpartnerin

Ayaan Güls
Pressesprecherin

Tel. 040/4151-2264
Fax 040/4151-2091
guels@stiftungfuerzukunftsfragen.de

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