Streaming oder lineares Fernsehen: Junge Generation bevorzugt Netflix und Co.

Chart der Woche, 2023-KW18

4. Mai 2023

Ergebnis

Fernsehen per Streaming wird immer beliebter – das traditionelle Angebot der privaten und öffentlichen Sendeanstalten dagegen wird immer seltener genutzt. So schaut mittlerweile mehr als jeder zweite Bundesbürger regelmäßig (d.h. wenigstens einmal in der Woche) Filme oder Serien auf Netflix, Amazon Prime, Disney+, Sky oder einer anderen Plattform. Innerhalb von nur drei Jahren hat sich der Anteil der Streamingnutzer damit mehr als verdoppelt. Im Gegensatz dazu schalten weniger Bundesbürger als noch vor der Pandemie in die Programme von ARD, ZDF, RTL, Sat1 und Co. Dennoch ist der lineare TV-Konsum nach wie vor eine der häufigsten Freizeitbeschäftigungen überhaupt.
Die Fernsehgewohnheiten zwischen Jüngeren und Älteren unterscheiden sich deutlich. So streamt die jüngere Generation Filme und Serien mittlerweile regelmäßiger als in die Fernsehprogramme der traditionellen Sendeanstalten einzuschalten. Bei der Generation über 55 Jahren schauen dagegen noch 95 Prozent regelmäßig linear – jedoch nutzt auch hier mehr als jeder Vierte zusätzlich mindestens eine Streaming-Plattform.

 

Gründe

Mit nur einem Klick stehen tausende Filme und Serien in Sekundenschnelle zur Verfügung. Um auf diese Inhalte zugreifen zu können, bedarf es lediglich eines kostenpflichtigen Abonnements sowie einer Internetverbindung. Viele Nutzer schätzen dabei vor allem die Bequemlichkeit, Inhalte zu jeder Zeit und ohne vorgegebene Sendezeiten oder Werbeunterbrechungen zu konsumieren. Besonders jüngere Nutzer nutzen zudem die Möglichkeit, persönliche Vorlieben mithilfe von Empfehlungsalgorithmen individuell anzupassen, sowie Sendung in anderen Sprachen zu sehen.
Die noch immer deutlich hohe Nutzung von linieren Fernsehangeboten erklärt sich einerseits durch das standardisierte Programm, welches zwar nicht auf die Bedürfnisse und Interessen des einzelnen Zuschauers zugeschnitten ist, jedoch breite Bevölkerungsgruppen anspricht und eine attraktive Vorauswahl offeriert. Anderseits genießen viele Bundesbürger auch ihre TV-Rituale – seien es die Nachrichten am Morgen oder der Sonntagabendkrimi.

 

Prognose

Beide Formate werden auch in Zukunft bestand haben, erfüllen sie doch unterschiedliche Bedürfnisse.
Private sowie die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender werden dabei – neben ihrem traditionellen Angebot – zusätzlich noch stärker als bisher auch zeitversetztes Fernsehen über ihre eigenen Mediatheken anbieten.
Potenzial besitzen darüber hinaus Angebote, welche neue Einflussmöglichkeiten anbieten. Diese Interaktivität zwischen Zuschauendem und Handlung wird zwar nicht von allen genutzt werden, jedoch können Inhalte dank technischen Möglichkeiten (Bluescreen, KI, Computer Generated Imagery etc.) so auf die jeweiligen Bedürfnisse einzelner Zuschauer zugeschnitten werden und sich von den klassischen Angeboten absetzen.
Gleichzeitig bleibt jedoch auch das Berieseln, Informieren und Unterhalten lassen auf dem eigenen Sofa, ohne groß nachzudenken, auszuwählen und entscheiden zu müssen eine der beliebtesten Freizeitaktivitäten – ganz gleich ob parallel vielleicht auch andere Dinge, wie das Bügeln oder Essen erledigt werden. Und statt einen Abopreis zu bezahlen werden dabei auch weiterhin Werbeunterbrechungen akzeptiert werden.

 

Ihre Ansprechpartnerin

Ayaan Güls
Pressesprecherin

Tel. 040/4151-2264
Fax 040/4151-2091
guels@stiftungfuerzukunftsfragen.de

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