Chart der Woche, 2024-KW29

18. Juli 2024

(inkl. Grafiken wenn vorhanden)

Wem die Deutschen vertrauen

Von je 100 Befragten sagen, sie vertrauen:

2024 2012 Dem Partner / der Partnerin 64 59 Den Freunden 59 61 Der Wissenschaft 30 17 Den Kollegen 16 16 Den Nachbarn 15 15 Gemeinnützige Organisationen / NGOs 14 13 Den Medien 6 3 Den Kirchen 5 8 Den Parteien / Politikern 3 3 Social-Media-Plattformen 3
Online Repräsentativbefragung von 2.000 Personen ab 18 Jahren durch die GfK in Deutschland
Daten als Tabelle
Wem die Deutschen vertrauen — Von je 100 Befragten sagen, sie vertrauen:
20242012
Dem Partner / der Partnerin6459
Den Freunden5961
Der Wissenschaft3017
Den Kollegen1616
Den Nachbarn1515
Gemeinnützige Organisationen / NGOs1413
Den Medien63
Den Kirchen58
Den Parteien / Politikern33
Social-Media-Plattformen3
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Ergebnis

Vertrauen ist eine zentrale Grundlage in jeder Gesellschaft. Diese stabilisiert das soziale Gefüge, erleichtert die Kooperation und fördert ein harmonisches Zusammenleben. Doch wem vertrauen die Bürger derzeit? Mehrheitlich vertrauen die Bundesbürger aktuell lediglich dem Partner und den Freunden. Den Aussagen von wissenschaftlichen Institutionen schenkt immerhin noch etwa jeder Dritte Glaube, während den Medien oder der Kirchen nur jedem zwanzigsten von ihrer Aufrichtigkeit überzeugen. Am Ende der Rangliste rangieren Politiker, denen genauso wenig vertraut wird, wie die Aussagen auf Social Media. Innerhalb der Bevölkerung fehlt besonders formal Geringergebildeten derzeit das Vertrauen in andere. Jeder fünfte mit einem niedrigen Schulabschluss vertraut entsprechend niemandem.

Gründe

Das geringe Vertrauen in Institutionen lässt sich mit einer zunehmenden Komplexität und Undurchsichtigkeit vieler gesellschaftlicher Prozesse erklären. Institutionen, die einst als Garanten für Objektivität und Verlässlichkeit galten, haben in den Augen vieler Bürger an Glaubwürdigkeit verloren. Medien werden verdächtigt nicht neutral zu berichten oder bestimmte Interessen zu verfolgen. Kirchen werden – statt als moralische Instanzen – durch Skandale, oder als zu dogmatisch wahrgenommen. Politiker wiederum sind oft Ziel von Misstrauen, sei es aufgrund von Unverständnis, unerfüllten Versprechungen oder dem Gefühl der Entfremdung von den Bürgern. Mitbürger mit geringer formaler Bildung äußern sich dabei besonders skeptisch, sind aber gleichzeitig besonders anfällig für Desinformation.

Demgegenüber steht ein vergleichsweise hoher Vertrauensgrad bei Partnern und Freunden. Das Vertrauen in persönliche Beziehungen basiert auf gegenseitiger Erfahrung und einem Gefühl der Verbundenheit. Es wächst durch gemeinsame Aktivitäten, durch das Teilen von Freuden und Herausforderungen sowie durch das Empfinden von Unterstützung und Verständnis. Diese persönlichen Bindungen schaffen ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität, was wiederum das Vertrauen stärkt. Teilweise ist dieses Vertrauen auch noch bei Kollegen und Nachbarn vorhanden, nimmt hier jedoch bereits deutlich ab.

Prognose

Vertrauen ist auch in Zukunft der Kitt, der eine Gesellschaft zusammenhält. Um diesen zu erhalten sind fünf Bereiche von besonderer Bedeutung.

  1. Veränderte Medienlandschaft: Medien spielen eine zentrale Rolle in der Informationsvermittlung und Meinungsbildung. Zukünftig ist eine verstärkte Bemühung um Transparenz und Unabhängigkeit notwendig, um das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückzugewinnen. Gleichzeitig werden digitale Medienplattformen, die auf mehr Authentizität und direkte Interaktion mit dem Publikum setzen, an Bedeutung gewinnen.
  2. Politische Repräsentation und Partizipation: Die Forderung nach mehr direkter Demokratie und neuen Partizipationsmöglichkeiten wird zunehmen. Durch mehr Teilhabe entsteht mehr Verständnis, was dazu beiträgt, das Vertrauen in politische Prozesse wiederherzustellen und die Legitimität von Entscheidungen zu stärken.
  3. Bildung und Informationskompetenz: Zukünftige Bildungskampagnen müssen darauf abzielen, die Medienkompetenz zu stärken und die Fähigkeit der Bürger zu verbessern, Informationen kritisch zu hinterfragen und zu bewerten. Dieses ist die Basis, um die Anfälligkeit für Desinformation zu verringern und das Vertrauen in Institutionen zu stärken.
  4. Soziale Bindungen und Gemeinschaftsgefühl: Das hohe Vertrauen in persönliche Beziehungen zeigt die Bedeutung von Nähe, gemeinsamer Erfahrung und emotionaler Verbundenheit. Zukünftige gesellschaftliche Entwicklungen sollten entsprechend verstärkt darauf abzielen, das soziale Miteinander und Gemeinschaftsinitiativen zu fördern. Basis hierfür ist der Familien- und Freundeskreis, der – in einem ersten Schritt – über das Kollegium und die Nachbarschaft erweitert wird.
  5. Institutionelle Reformen und Transparenz: Sämtliche Institutionen müssen sich verstärkt um Reformen bemühen, die auf mehr Transparenz, Rechenschaftspflicht und Bürgernähe abzielen. Eine offene Kommunikation über Herausforderungen und Fehltritte sowie ein konsequentes Handeln zur Wiederherstellung verlorenen Vertrauens sind entscheidend, um Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

Ihre Ansprechpartnerin

Ayaan Güls
Pressesprecherin

Tel. 040/4151-2264
Fax 040/4151-2091
guels@zukunftsfragen.de

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