Forschung aktuell, 315

5. Februar 2026

Kernergebnisse         

  1. Höchste Reisefrequenz seit 20 Jahren
  2. Etwa jeder zweite Bundesbürger unternahm zwei oder mehr Reisen
  3. Reisedauer bleibt konstant bei knapp 13 Tagen
  4. Fernreisen dauern doppelt so lange wie Inlandsurlaube
  5. Urlaubsausgaben erreichen neuen Rekordwert
  6. Griechenland und Spanien deutlich teurer als Türkei und Kroatien
  7. Mehr als jeder Dritte verbringt seinen Urlaub im Inland
  8. Italien und Frankreich können zulegen
  9. Nordamerika beliebter als im Vorjahr
  10. Mehr als zwei Drittel sitzen bereits auf gepackten Koffern
  11. Reisepläne für 2026 stehen weitestgehend fest

 

Trotz wirtschaftlicher Belastungen, gesellschaftlicher Konflikte und einer angespannten Grundstimmung nimmt die Häufigkeit von Reisen weiter zu, und dabei wird mehr Geld ausgegeben als je zuvor. Dies zeigt die 42. Deutsche Tourismusanalyse der gemeinnützigen BAT-Stiftung für Zukunftsfragen. In der repräsentativen Umfrage wurden über 3.000 Bürger ab 18 Jahren im Dezember 2025 und Januar 2026 zu ihren Reisegewohnheiten und -plänen befragt.

 

Reisefrequenz

Im Jahr 2025 unternahmen fast zwei Drittel der Bundesbürger (64 %) mindestens eine fünftägige Reise. Ein höherer Wert wurde lediglich 2006 erreicht. Parallel dazu stieg auch die Anzahl der Mehrfachreisen weiter an. Fast jeder zweite Bürger (44 %) packte mehrmals seine Koffer und war unterwegs. Vor zehn Jahren traf dies lediglich auf 15 Prozent der Deutschen zu.

Mit dem Einkommen stieg dabei die Reisefrequenz: Fast viermal so viele Besserverdienende (63 %) wie Geringverdienende (17 %) waren mehrfach unterwegs.

„Die Strategie ‚Je öfter, desto besser‘ hat sich als wirksame Bewältigung gegen die Verdichtung und Beschleunigung des Alltags durchgesetzt. Man gönnt sich diese Auszeiten bewusst als Gegenpol zu beruflichen Belastungen und globalen Unsicherheiten. Der Urlaub fungiert hierbei als eine Art letztes Refugium der Selbstbestimmung, an dem selbst bei knapperer Kasse zuletzt gespart wird“, so der Wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Professor Dr. Ulrich Reinhardt.

 

Reisedauer

Die durchschnittliche Urlaubsdauer lag auch im Jahr 2025 auf Vorjahresniveau bei knapp 13 Tagen. Bei einer Betrachtung der Entwicklung über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten wird die weitgehende Beständigkeit der Reiselänge erkennbar. Lediglich im ersten Jahr der Corona-Pandemie traten infolge der außergewöhnlichen Rahmenbedingungen Abweichungen auf. Abgesehen von dieser Ausnahmesituation erwies sich die Reisedauer über die Jahre hinweg als recht stabil.

Deutliche Unterschiede ergeben sich je nach gewähltem Reiseziel: Aufenthalte im Inland bleiben klar unter dem Durchschnitt, während Fernreisen mit deutlich längeren Urlaubszeiten einhergehen. Innerhalb Europas bewegt sich die Reisedauer überwiegend auf einem ähnlichen Niveau – mit zwei Ausnahmen: Die Türkei liegt fast vier Tage über dem Durchschnitt, während sie in Österreich sogar unter dem deutschen Niveau liegt.

Die Gründe für den längeren Türkei-Aufenthalt lassen sich mit den günstigen Tageskosten sowie der relativ langen Anreise erklären. In Österreich fällt die Urlaubsdauer vor allem deshalb kürzer aus, weil das Land für viele Reisende ein klassisches Nah- und Kurzreiseziel darstellt – mit geringem organisatorischem Aufwand, einer kulturellen Nähe und einer hohen Verlässlichkeit der Infrastruktur. Hinzu kommt die funktionale Nutzung des Reiseziels: Österreich wird häufig gezielt für einzelne Aktivitäten gewählt (z. B. Wandern, Wellness, Skifahren), nicht aber für längere Erholungsurlaube oder neue Eindrücke.

Reinhardt: „Insgesamt lässt sich ein klares Muster erkennen, wonach mit zunehmender räumlicher Distanz nicht nur der organisatorische Aufwand der Reise steigt, sondern auch der Wunsch nach intensiver Erholung, nachhaltigem Abstand vom Alltag und einer stärkeren Ausschöpfung des Reiseerlebnisses.“

 

Reisekosten

Die durchschnittlichen Urlaubskosten beliefen sich im Jahr 2025 auf 1.636 € pro Person und lagen damit fast 100 € über dem Niveau des Vorjahres. Vor zehn Jahren gaben die Reisenden sogar mehr als 500 € weniger für ihren Haupturlaub aus (2015: 1.109 €).

Auch bei den Tageskosten wurde mit 130 € pro Person und Tag ein neuer Höchstwert erreicht. Je nach Reiseziel variierten die Kosten jedoch erheblich. So war es in Griechenland (147 €) und Spanien (143 €) am teuersten – sogar teurer als auf Fernreisen. In beiden Ländern zogen die Preise im Jahresvergleich dabei deutlich an, was zum Teil mit gestiegenen Flugkosten erklärt werden kann. Deutlich günstiger war es dagegen in der Türkei und Kroatien, die zudem beide auch im Jahresvergleich günstiger wurden.

 

Inlandsreiseziele

Auch im Jahr 2025 blieb Deutschland – mit einem Anteil von 35 Prozent aller Urlaubsreisen – die beliebteste Destination der Bundesbürger. Bayerische Feriengebiete konnten hierbei ihren Spitzenplatz leicht ausbauen und liegen mittlerweile wieder klar vor den Feriengebieten im Norden der Republik. Der Gewinner der vorherigen Reisesaison 2024, Baden-Württemberg, büßte dagegen recht deutlich bei der Gunst der Deutschen ein und wurde von weniger Reisenden als Hauptreisedestination gewählt. Zulegen konnten dagegen zahlreiche Feriendestinationen aus den restlichen elf Bundesländern, womit sich die Diversifizierung der innerdeutschen Reiseziele fortsetzte.

Reinhardt: „Der innerdeutsche Tourismus ist kein Selbstläufer, und jede Region muss sich permanent weiterentwickeln, um attraktiv zu bleiben. Wer sich auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruht, wird schnell von innovativeren Destinationen abgehängt.“

 

Europäische Reiseziele

Spanien behielt seine Position als meistgewähltes Reiseziel für deutsche Haupturlaubsreisen mit über neun Prozent. Italien festigt seinen zweiten Platz und gewann – genau wie Frankreich – Marktanteile hinzu.

Die Gründe für diese Zugewinne lassen sich dabei nur bedingt mit der guten Erreichbarkeit (Auto) erklären. Entscheidender war die Renaissance von Dolce Vita und Savoir-vivre – also die bewusste Rückbesinnung auf klassische Genusswerte in einer komplexen Welt. Viele Reisende suchten nach Destinationen, die eine verlässliche Mischung aus Entschleunigung, kulinarischem Genuss, Lebensgefühl, Gemütlichkeit, kultureller Nähe und Authentizität bieten. Italien und Frankreich verkörpern genau diese Sehnsucht – jenseits von reiner Sonne und Strand.

 

Fernreiseziele

Die Fernreiseziele verzeichneten insgesamt einen Aufwärtstrend. Mehr als jede sechste Reise (17 %) fand außerhalb Europas statt. Im Zehnjahresvergleich war dies eine deutliche Steigerung um mehr als 50 Prozent (2015: 11 %). Gewinner in der abgelaufenen Reisesaison waren dabei u. a. Destinationen in Nordafrika. Getragen von einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis, weniger Sicherheitsbedenken sowie zahlreichen natürlichen und kulturellen Highlights konnten Länder wie Marokko, Tunesien oder Ägypten das Fernweh zahlreicher Bundesbürger stillen.

Nordamerika verzeichnete ebenfalls einen Zuwachs. Dieser Anstieg erfolgte ungeachtet der medialen Berichterstattung über die USA. Der Regierungswechsel und die damit verbundenen Diskussionen hatten somit keinen negativen Einfluss auf das Reiseverhalten deutscher Urlauber. Die Vereinigten Staaten waren und bleiben eine Destination von großer Anziehungskraft, und die Weite des Landes, der Mythos des American Way of Life sowie ikonische Landschaften wirken unabhängig von allen politischen Fragen.

 

Reiseabsichten

Die Reisefreudigkeit der Bundesbürger zeigt sich auch 2026 als widerstandsfähig gegenüber äußeren Krisen. Ob wirtschaftliche Belastungen, geopolitische Spannungen oder gesellschaftliche Unsicherheiten – der Wunsch nach Urlaub behält seinen zentralen Stellenwert im Alltag der Deutschen. Entsprechend planen schon jetzt zwei Drittel sicher, in diesem Jahr wenigstens eine Reise zu unternehmen. Im Zehnjahresvergleich zeigen sich zudem immer weniger Befragte unsicher und wissen bereits frühzeitig, ob sie in diesem Jahr verreisen oder nicht.

Bei den Destinationen plant jeder Fünfte, seinen Urlaub außerhalb Europas zu verbringen – mehr als jemals zuvor. Deutschland wird etwas seltener als im Vorjahr besucht werden, wohingegen sich Mittelmeer-Destinationen auf zahlreiche deutsche Gäste einstellen können.

Professor Reinhardt: „Die Planungssicherheit ist hoch, und die Vorfreude auf den Urlaub ist bereits jetzt in den dunklen Wintermonaten ein wichtiges emotionales Ventil. Die Bürger wollen und werden 2026 unterwegs sein und zwischen Heimatliebe und Fernweh die besten Wochen des Jahres verbringen.“

 

Ihre Ansprechpartnerin

Ayaan Güls
Pressesprecherin

Tel. 040/4151-2264
Fax 040/4151-2091
guels@zukunftsfragen.de

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