Wie kinderfreundlich ist Europa? – Dänemark Spitzenreiter – Deutschland Schlusslicht 

Forschung aktuell, 244

6. Februar 2013

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www.tourismusanalyse.de

Stiftung für Zukunftsfragen stellt 29. Deutsche Tourismusanalyse vor

Reisebilanz 2012:
Die Reiselust der Deutschen steigt weiter

Die Urlaubsreise behielt auch 2012 ihre Faszination und die Reiselust der Deutschen war ungebrochen. Insgesamt steigerte sich die Reiseintensität der Bundesbürger – im vierten Jahr in Folge – auf aktuell 54 Prozent. Dies geht aus der 29. Deutschen Tourismusanalyse der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen hervor, in der repräsentativ 4.000 Bundesbürger ab 14 Jahren nach ihrem Urlaubsverhalten 2012 und ihren Reiseabsichten für 2013 befragt wurden.
Weiter zugenommen hat vor allem die Reiseintensität bei über 55-Jährigen, von denen mehr als die Hälfte in den vergangenen 12 Monaten unterwegs war. Professor Dr. Ulrich Reinhardt, der Wissenschaftliche Leiter der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen: „Reiseerfahrene Generationen prägen den Tourismus – sie verfügen über Zeit, Geld und Spaß am Reisen. Bis ins hohe Alter in den Urlaub zu fahren, setzt sich immer weiter fort. Mittlerweile verreisen nicht mehr nur viele der 50- bis 64-Jährigen, sondern es packt sogar jeder dritte über 75-Jährige wenigstens einmal pro Jahr seine Koffer“.

Inlandsreiseziele 2012:
Deutschland boomt – Ostsee und Bayern gleichauf

Deutschland bleibt weiterhin das – mit Abstand – beliebteste Reiseziel der Deutschen. In der vergangenen Saison verbrachten fast zwei von fünf Bürgern ihren Haupturlaub zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen. Auch wenn die Steigerungsraten der letzten Jahre kleiner werden, hält der Trend zum Inlandsurlaub ungebrochen an.
Der Zweikampf zwischen Bayern und Ostsee setzte sich hierbei fort: War 2010 die Ostseeküste das häufigste Reiseziel der Deutschen, konnten sich 2011 die bayerischen Feriengebiete an die Spitze setzen. 2012 lagen beide Urlaubsregionen auf gleichem Niveau, wobei die Ostsee Zuwächse verzeichnen konnte, während Bayern sein Vorjahresniveau knapp verfehlte. Als relativ stabil erwiesen sich die Urlaubsregionen an der Nordsee und in Baden-Württemberg – die in etwa gleich viele Gäste wie im Vorjahr begrüßen konnten.

Auslandsreiseziele 2012:
Spanien bleibt Spitzenreiter vor Italien und der Türkei

Bei den Auslandsreisezielen bleibt die Popularität Spaniens ungebrochen. Besonders die Balearen – die ebenso viele Gäste begrüßen konnten wie ganz Italien – erfreuen sich bei den Deutschen einer hohen Beliebtheit. Allerdings sank der Anteil Deutscher Urlauber in allen spanischen Feriengebieten im Vergleich zum Vorjahr. Profitieren konnten hiervon sowohl das zweitplatzierte Italien als auch die drittplatzierte Türkei, die beide Zuwächse verzeichneten. Ebenso konnten sich auch Frankreich und Skandinavien über gestiegene Besucherzahlen im Jahr 2012 freuen. In Griechenland setzte sich dagegen der Einbruch der Urlauberzahlen weiter fort. Innerhalb von nur drei Jahren hat sich der Anteil deutscher Feriengäste, sowohl auf den griechischen Inseln als auch auf dem Festland, um die Hälfte reduziert (2009: 3,3% – 2012: 1,7%).
Reiseziele außerhalb Europas wurden 2012 von etwa jedem neunten Bundesbürger angeflogen. Trotz insgesamt leichter Zugewinne (+0,4%) verreisen damit immer noch mehr Deutsche nach Spanien als in alle Fernreisedestinationen zusammen. Bei den außereuropäischen Zielen konnte Nordafrika – vor allem Tunesien – erstmals seit dem Arabischen Frühling wieder einige Marktanteile zurückgewinnen (+0,8%). Allerdings bleibt die Lage weiterhin sehr stark von den politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in der Region abhängig. Ebenso konnten auch Reiseziele in Mittelamerika und der Karibik sowie im Nahen und Mittleren Osten Zuwächse verzeichnen. Einbußen bei der Besucherzahl deutscher Reisender verkraften mussten dagegen die USA sowie – erstmals seit Jahren – asiatische Ziele wie China, Thailand oder Indien.

Reisedauer 2012:
Die Reisedauer nimmt weiter ab – je näher, desto kürzer

Der Urlaub bleibt den Deutschen lieb und teuer, dauert aber nur noch gut 12 Tage. Mehr Zeit für die "schönsten Wochen des Jahres" will und kann sich der Bürger nicht nehmen. Hierbei setzt sich der Abwärtstrend der vergangenen Jahre langsam aber beständig fort. Im Vergleich zu 1990 sind es mittlerweile vier Tage weniger, die am Urlaubsort verbracht werden. Ein direkter Zusammenhang lässt sich hierbei zwischen Reisedauer und Entfernung des Reiseziels nachweisen. Denn trotz Billig-Airlines gilt weiterhin der Grundsatz: Je weiter die Destination entfernt, desto länger der Aufenthalt. So verweilten die Urlauber in Deutschland im Durchschnitt keine zehn Tage am Ferienort (9,8 Tage). Im europäischen Ausland dauerte der Urlaub hingegen bereits drei Tage länger (12,8 Tage) und eine Fernreise nahm mit durchschnittlich mehr als zweieinhalb Wochen (18,4 Tage) doppelt so viel Zeit in Anspruch wie ein Inlandsurlaub.

Reisekosten 2012:
Türkei deutlich günstiger als Spanien

Mit durchschnittlich 1.093 EUR ließen die Bundesbürger sich ihren Urlaub in der vergangenen Reisesaison rund achtzig Euro mehr kosten als im Jahr zuvor. In diesen Kosten waren nicht nur die reinen Reise- und Unterkunftskosten enthalten, sondern auch alle sonstigen Ausgaben – von Tagesausflügen und Eintrittspreisen über Restaurantbesuche und Shoppingtrips bis hin zu Souvenirs und Trinkgeldern.
Als aufschlussreich erweist sich die Verteilung der tatsächlichen Reisekosten bei den Urlaubszielen. Erwartungsgemäß stiegen die totalen Kosten fast parallel zur Entfernung und Aufenthaltsdauer vor Ort. So kostete ein Urlaub im Inland mit 777 EUR deutlich weniger als eine Reise ins europäische Ausland (1.136 EUR). Noch einmal deutlich teurer war ein Urlaub außerhalb Europas: Mit 1.954 EUR wurde für Fernreisen etwa zweieinhalb Mal so viel ausgegeben wie für einen Urlaub zwischen Nord- und Süddeutschland.
Innerhalb Europas waren Ziele, die mit dem eigenen PKW angefahren wurden (z.B. Österreich, Italien) tendenziell günstiger als Flugreisedestinationen. Bei den Tageskosten waren zwei Länder besonders auffällig – einerseits die Türkei, in der die Tageskosten rund zehn Prozent unter dem europäischen Durchschnitt lagen und Spanien, wo diese Kosten deutlich den Mittelwert überstiegen. Dies lässt sich zumindest teilweise durch die Kanarischen Inseln erklären, denn deren Besuch ist aufgrund der höheren Flugpreise recht kostenintensiv.

Reiseprognose 2013:
Das Vertrauen ist zurück – Deutsche sitzen auf gepackten Koffern

Die Reiselust der Bundesbürger bleibt auch 2013 ungebrochen und die Branche kann sich erneut auf leichte Zugewinne einstellen. Jeder dritte Deutsche ist sich schon jetzt sicher in diesem Jahr zu verreisen und ein weiteres Zehntel der Bevölkerung plant sogar zwei oder mehr Trips. Im Gegensatz dazu sagten lediglich 22 Prozent der Bürger, dass sie dieses Jahr nicht in den Urlaub fahren werden. 
Konstant hoch bleibt die Zahl der noch Unsicheren, die zwar durchaus verreisen möchten, aber sich nicht sicher sind, es auch zu können. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass von diesen Reiseunsicheren im Laufe des Jahres wenigstend ein Drittel dann doch in den Urlaub fährt. Somit deutet vieles darauf hin, dass die diesjährige Reiseintensität das Niveau von 2012 übertreffen wird.

Reiseziele 2013:
Mehr Marktanteile für die Türkei, Zukunft griechischer Feriengebiete weiter ungewiss

Bei den Reisezielen 2013 wird deutlich: Der Trend zum Inlandstourismus setzt sich fort. Fast jeder vierte Bundesbürger plant bereits jetzt seinen Haupturlaub im eigenen Land zu verbringen. Ob dabei die Feriengebiete in Bayern oder an der Ostsee häufiger besucht werden, wird nicht zuletzt auch vom Wetter abhängen. In diesem Jahr ins europäische Ausland zu verreisen plant bisher ein Drittel der Deutschen. Hierbei bleibt Spanien die unangefochtene Nummer 1, droht jedoch weiter Marktanteile zu verlieren. Profitieren könnte hiervon die Türkei, die bei den festen Reiseabsichten sogar Italien überholt hat. Unsicher bleibt weiterhin die Zukunft griechischer Feriengebiete. Nicht einmal ein Prozent der Deutschen plant derzeit, 2013 seinen Urlaub bei den Hellenen zu verbringen.

Fazit von Prof. Reinhardt zum Ausblick auf die Reisesaison 2013: „Statt Ferne und Wärme heißt es 2013 Nähe und Natur – hiervon wird Deutschland profitieren. Gleichzeitig bleiben weiterhin die Mittelmeerziele attraktiv. Preis und Image des Urlaubszieles werden letztendlich darüber entscheiden, wohin die Touristen reisen. Derzeit ist das Ansehen von Griechenland noch zu negativ, als dass die Deutschen in diesem Sommer schon zurückkommen würden. Der Fernreisemarkt wird auch 2013 eine Ergänzung und keine Alternative zu den mediterranen Urlaubsdestinationen sein, denn neben Geld braucht man für diese vor allem Zeit. Hoffen dürfen jedoch alle Urlaubsregionen – von Bayern bis nach Bali und von Kreta bis auf die Kanaren – auf die große Anzahl der Unentschlossenen. Mehr als jeder dritte Deutsche wartet noch auf das richtige Angebot, um endlich die Koffer packen zu können und in die besten Wochen des Jahres zu entschwinden“.

Technische Daten der 29. Deutschen Tourismusanalyse 2013

Anzahl und Repräsentanz der Befragten: Deutschland, 4.000 Personen ab 14 Jahren
Befragungszeitraum: Januar 2013
Befragungsinstitut: GfK Marktforschung/Nürnberg

Frühere „Forschung aktuell“ zum Thema „Tourismusanalyse“

Ihre Ansprechpartnerin

Ayaan Güls
Pressesprecherin

Tel. 040/4151-2264
Fax 040/4151-2091
guels@zukunftsfragen.de

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