Forschung aktuell, 241, 33. Jg., 10.12.2012

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Politiker verlieren weiter an Zustimmung: Nur noch 12 Prozent der Europäer vertrauen ihren Politikern

    Politiker verlieren weiter an Zustimmung: Nur noch 12 Prozent der Europäer vertrauen ihren Politikern

    Lediglich etwa jeder achte Europäer (12%) glaubt, dass die Politiker gut auf die Zukunft vorbereiten – in Deutschland ist es sogar nur jeder zwanzigste (5%), der noch auf das richtige Handeln vertraut. Zu diesem Ergebnis kommt die neueste Europauntersuchung der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen für die über 11.000 Personen ab 14 Jahren in zehn europäischen Ländern repräsentativ in persönlichen Interviews befragt wurden.

    Am heutigen 10. Dezember 2012 wird die Europäische Union den Friedensnobelpreis erhalten. Diese positive Nachricht erfreut zweifelsfrei alle politischen Vertreter des Kontinents. Die Bürger Europas jedoch stellen den Politikern ein mehr als negatives Zeugnis aus. In ganz Europa hat das Vertrauen in die politischen Vertreter einen neuen Tiefpunkt erreicht. Waren es 2010 noch 14 Prozent und 2011 noch 13 Prozent, die darauf vertrauten, dass die Politiker gut auf die Zukunft vorbereiten, sind aktuell nur 12 Prozent der Europäer dieser Meinung.

    Politiker verlieren weiter an Zustimmung

    Nur jeder 20. Deutsche glaubt an ihre Zukunftsfähigkeit

    Von 100 Befragten stimmen der Aussage „Die Politiker bereiten mein Heimatland gut auf die Zukunft vor.“ zu:

      
    Durchschnitt Europa 201014
    Durchschnitt Europa 201113
    Durchschnitt Europa 201212
    Dänemark44
    Schweiz22
    Frankreich12
    Niederlande10
    Spanien7
    Österreich7
    Vereinigtes Königreich6
    Deutschland5
    Griechenland3
    Polen3

    Die Dänen sind die einzigen, die noch halbwegs an das richtige Handeln ihrer gewählten Vertreter glauben. In Polen und Griechenland, Deutschland und Großbritannien ist es dagegen nur noch eine verschwindende Anzahl von Einwohnern, die auf die Zukunftsfähigkeit der Politiker bauen. „Das Vertrauen in die Politik ist fast gänzlich aufgebraucht. Die Bevölkerung hat das Gefühl, ständig neue Hiobs­botschaften zu erhalten und dabei doch nicht die ganze Wahrheit über das Ausmaß der Krise zu erfahren. Auch sehen die Bürger die Politiker zunehmend als Getriebene an, die nur noch reagieren statt zu agieren und selber den Überblick verloren haben“, so Professor Dr. Ulrich Reinhardt, der Wissenschaftlicher Leiter der BAT-Stiftung.

    Leben in fortgesetzten Krisenzeiten
    Bevölkerung erwartet auch weiterhin Krisen

    Von der Finanz- über die Wirtschafts- bis zur Eurokrise, die Bevölkerung hat das Gefühl, in dauerhaften Krisenzeiten zu leben. Und auch für die Zukunft erwarten über zwei Drittel der Europäer (68%) weiterhin Krisen. Vor allem in Griechenland und Spanien, die besonders unter der derzeitigen wirtschaftlichen Situation leiden, ist die Sorge groß, auch zukünftig von einer Krise in die nächste zu kommen. Aber auch drei Viertel der Franzosen und zwei Drittel der Deutschen blicken pessimistisch in die Zukunft. Und selbst bei den sonst so positiv eingestellten Niederländern fürchtet knapp die Hälfte eine Fortsetzung der unsicheren Zeiten. Reinhardt: „Die Europäer haben mittlerweile erkannt, dass es keine Frage ist, ob es eine neue Krise geben wird, sondern nur wann und mit welchem Ausmaß“.

    Leben in fortgesetzten Krisenzeiten

    Griechen besonders pessimistisch

    Von je 100 Befragten stimmen der Aussage „Wir leben in fortgesetzten Krisenzeiten – erst Finanz- und Wirtschaftskrise, jetzt die Eurokrise. Auch in naher Zukunft wird es weiterhin Krisen geben.“ zu:

      
    Durchschnitt Europa 201268
    Griechenland92
    Spanien88
    Dänemark79
    Frankreich75
    Deutschland69
    Schweiz66
    Polen64
    Vereinigtes Königreich52
    Österreich51
    Niederlande44

    Angst vor einer zunehmenden Spaltung von Arm und Reich
    Drei Viertel der Bundesbürger äußern Besorgnis

    Europa ist zwar eine der reichsten Regionen der Erde, dennoch leben rund 17 Prozent – oder über 100 Millionen – der Europäer unterhalb der Armutsgrenze. Sie haben nicht genügend Geld, um grundlegende Bedürfnisse zu befriedigen. Auf der anderen Seite wird von Rekordgewinnen und neuen Umsatzsteigerungen auf Unternehmensseite sowie über neue Boni von Bankern und Vorständen berichtet. Fast drei von vier Europäern (71%) befürchten, dass sich die hieraus resultierende Spaltung der Gesellschaft in Zukunft noch verschärfen wird. In ganz Europa ist mittlerweile in jedem Land die Mehrheit von dieser Entwicklung überzeugt. Neben den Krisenländern Griechenland und Spanien sind es vor allem wohlhabende Staaten wie Dänemark, Frankreich, Deutschland oder die Schweiz, die diese Sorge teilen. Die Befürchtungen sind durchaus berechtigt. Laut UN-Bericht

    • verfügen in Europa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung über 60 Prozent des Gesamtvermögens;
    • hat sich die Zahl der Millionäre in den vergangenen drei Jahren um 19 Prozent erhöht;
    • besitzen fünf Prozent der europäischen Bevölkerung ebenso viel Immobilien wie die restlichen 95 Prozent;
    • haben sich die Durchschnittsgehälter seit Ende der 1970er Jahre in Europa verdreifacht, die Managergehälter sogar verachtfacht.

    „Die soziale Schere ist in ganz Europa weit geöffnet. Die Mittelschicht – als das Rückgrat jeder Gesellschaft – muss entlastet und gefördert werden, ansonsten drohen soziale Spannungen und offene Konflikte“, befürchtet Prof. Reinhardt.

    Angst vor einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft

    Drei Viertel der Bundesbürger äußern Besorgnis

    Von je 100 Befragten stimmen folgender Aussage zu: „Die Kluft zwischen Arm und Reich wird in meinem Heimatland immer größer.“

      
    Durchschnitt Europa 201069
    Durchschnitt Europa 201271
    Griechenland94
    Spanien83
    Schweiz80
    Frankreich79
    Deutschland75
    Dänemark69
    Vereinigtes Königreich61
    Polen61
    Österreich59
    Niederlande54