Forschung aktuell, 293, 42. Jg., 16.09.2021

Freizeit-Monitor 2021: Die beliebtesten Freizeitaktivitäten der Deutschen

Freizeit-Monitor 2021

Die BAT-Stiftung für Zukunftsfragen stellte am 16. September 2021 im Rahmen einer Online-Pressekonferenz den „Freizeit-Monitor 2021“ vor. Für die seit 1986 regelmäßig durchgeführte Untersuchung wurden im August 2021 über 3.000 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren repräsentativ zu ihrem Freizeitverhalten sowie zu den Sonderthemen „Freizeit in Coronazeiten“ und „Was in der Freizeit Spaß macht“ durch die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) befragt. Zusätzlich wurde erstmals eine der insgesamt 100 untersuchten Freizeitaktivitäten ausgewählt und einer Detailanalyse unterzogen.

Kernergebnisse:

  • DIE HÄUFIGSTEN FREIZEITAKTIVITÄTEN DER BUNDESBÜRGER: Internet baut Spitzenplatz aus
  • FREIZEITAKTIVITÄTEN VOR UND WÄHREND DER PANDEMIE: Deutlich mehr innerhäusliche Aktivitäten
  • SPASSFAKTOREN IN DER FREIZEIT: Soziale Aktivitäten machen am meisten Spaß
  • FREIZEITAKTIVITÄT „IN DER NATUR AUFHALTEN“: In Zukunft gern noch öfter

Die häufigsten Freizeitaktivitäten der Bundesbürger: Internet kann Spitzenplatz verteidigen

Fast genau vor 30 Jahren, im August 1991, wurde das World Wide Web erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. War es in den Anfangsjahren noch eine Spielerei von wenigen, ist es mittlerweile die häufigste Freizeitbeschäftigung der Bundesbürger: 97 Prozent nutzen das Internet regelmäßig (wenigstens einmal in der Woche).

„Die Anziehungskraft des Internets ist ungebrochen. Es verspricht Wissen, Unterhaltung und Ablenkung, bietet (scheinbar) Anonymität, Gleichheit sowie Kontrolle, ist fast allgegenwärtig und fasziniert nahezu alle Bürger“, so Professor Dr. Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen.

Dahinter folgen weitere mediale Freizeitbeschäftigungen wie Fernsehen, Computernutzung, Musik hören, das Smartphone nutzen, Telefonieren, Radio hören oder Social-Media-Angebote nutzen.

Ergänzend gehen viele Bundesbürger regelmäßig ihren Gedanken nach, faulenzen und schlafen aus. Rund zwei Drittel der Bundesbürger verbringen ihre freie Zeit mit Freunden und der Familie, unternehmen etwas mit dem Partner, reden über wichtige Dinge oder treffen sich zum Kaffeetrinken.

Außerhausaktivitäten finden relativ selten statt. Lediglich spazieren gehen, sich in der Natur aufhalten und etwas für die Gesundheit tun, werden von einer Mehrheit der Bevölkerung regelmäßig ausgeübt.

Die häufigsten Freizeitaktivitäten der Bundesbürger

Internet kann Spitzenplatz verteidigen

Von je 100 Befragten nennen als regelmäßige Freizeitaktivität (wenigstens einmal pro Woche):

  
Internet nutzen97
  
Fernsehen88
PC / Laptop nutzen85
Musik hören83
E-Mails lesen / schreiben82
  
Smartphone nutzen (nicht telefonieren)75
Radio hören75
  
Seinen Gedanken nachgehen69
Über wichtige Dinge reden68
Telefonieren (von zu Hause)66
Zeit mit dem Partner verbringen64
Social-Media-Angebote nutzen62
Kaffeetrinken / Kuchen essen61
Faulenzen / Nichtstun / Chillen60
  
Telefonieren von unterwegs56
Ausschlafen56
Spazieren gehen55
Sich in der Natur aufhalten55
Etwas für die eigene Gesundheit tun51

Freizeitaktivitäten vor und während der Corona-Pandemie: Deutlich mehr innerhäusliche Aktivitäten

Die Einschränkungen und die Verunsicherung durch die Coronapandemie beeinflussen weiterhin das Freizeitverhalten der Deutschen. Freizeit findet hauptsächlich in den eigenen vier Wänden statt. Im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie (2019) haben sich die Aktivitäten Streaming Angebote schauen, sich künstlerisch bestätigt oder Gesellschaftsspiele spielen verdoppelt – Videospiele und Onlineshoppingangebote werden sogar dreimal häufiger genutzt. Zudem wird aber auch deutlich öfter spazieren gegangen, im Garten gearbeitet oder Sport getrieben.

Deutlich seltener als vor zwei Jahren wird dagegen telefoniert, sich mit der Familie oder den Nachbarn getroffen, Zeit im Verein, beim Stammtisch und bei Sportveranstaltungen verbracht sowie für Weiterbildungsangebote genutzt. Den größten Rückgang aller Beschäftigungen lässt sich für die Freizeitaktivität „sich in Ruhe pflegen“ nachweisen.

„Durch Home-Office und geschlossene Angebote sinken der Stresslevel und die körperlichen Anstrengungen in der Freizeit ebenso wie die Notwendigkeit, frisch rasiert und frisiert das Haus zu verlassen. Entsprechend seltener pflegen sich die Bürger in Ruhe oder relaxen in der Badewanne – da es schlichtweg nicht nötig ist.“, so Prof. Ulrich Reinhardt.

Die Gewinner im 2-Jahres-Vergleich

Von je 100 Befragten nennen als Freizeitaktivität:

 Veränderung 2019 zu 2021 in Prozentpunkten
Wöchentliche Aktivitäten  
Serien oder Filme streamen22 
PC / Laptop21 
Videospiele spielen18 
Einem persönlichen Hobby nachgehen18 
Spazieren gehen17 
Onlineshopping15 
Smartphone nutzen (nicht telefonieren)14 
Faulenzen / Nichtstun / Chillen13 
Sich mit der Familie treffen8 
Sport treiben8 

Die Verlierer im 2-Jahres-Vergleich

Von je 100 Befragten nennen als Freizeitaktivität:

 Veränderung 2019 zu 2021 in Prozentpunkten
Wöchentliche Aktivitäten  
Sich in Ruhe pflegen-25 
Mobil telefonieren-22 
Zeitung lesen-22 
Telefonieren von zu Hause aus-21 
Radio hören-14 
Durch die Gegend fahren-12 
Sich weiterbilden-9 
Mit den Enkeln / Großeltern treffen-7 
Mit Nachbarn treffen-7 
Kneipen- / Barbesuch-5 

Spaßfaktoren in der Freizeit: Soziale Aktivitäten machen am meisten Spaß

Freizeit und Spaß werden im allgemeinen Verständnis oftmals gleichgesetzt. Dabei klaffen zwischen konkreter Freizeitaktivität und deren Spaßfaktor oftmals große Lücken. Zeit mit dem Partner oder den Freunden zu verbringen, Aufenthalte in der Natur, spontane Unternehmungen, Essen gehen sowie Ausschlafen oder einem Hobby nachgehen – all das bereitet einer großen Mehrheit der Bundesbürger viel Freude.

Ausgeübt werden diese Tätigkeiten jedoch relativ selten. So widmet sich nicht einmal jeder Zweite regelmäßig seinem persönlichen Hobby oder übt spontan etwas aus. Mit Freunden trifft sich nur etwa jeder Sechste regelmäßig, und nur jeder Dritte nimmt sich wenigstens einmal pro Woche Zeit für Intimitäten.

Umgekehrt bereitet nur etwa jedem Zweiten das Internet, das Fernsehprogramm sowie die PC- oder Handynutzung tatsächlich auch viel Spaß. Bei den häufigsten Freizeitbeschäftigungen schneidet lediglich das Musik hören gut ab und wird von annähernd zwei Dritteln mit Spaß gleichgesetzt.

Groß sind zudem die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Männer haben deutlich weniger Spaß beim Telefonieren, Buch lesen, Einkaufsbummel oder Handarbeiten. Frauen empfinden wenig Spaß beim Besuch von Spielhallen, Fitnessstudios, Kneipen, Kirchen oder Sportveranstaltungen.

Im Langzeitvergleich zwischen 1986 und 2021 zeigt sich eine abnehmende Zufriedenheit der Bürger in der Freizeit. Wurden vor 35 Jahren noch zwei Drittel aller ausgeübten Freizeitbeschäftigungen von einer jeweiligen Mehrheit mit Spaß assoziiert, sind es aktuell nur noch gut ein Drittel aller Aktivitäten.

Erhöht hat sich der Spaßfaktor bei lediglich sechs Freizeitaktivitäten, am stärksten bei Beschäftigungen mit Tieren (+25 PP), Buch lesen (+28 PP) sowie dem Besuch von Konzerten (+35 PP). Innerhalb einer Generation ist vielen der Spaß am Theaterbesuch (-44 PP), Tanzen gehen (-42PP) sowie Sport treiben (-40PP) verloren gegangen.

Prof. Ulrich Reinhardt: „Eine Vielzahl von Freizeitbeschäftigungen werden aus Gewohnheit, Pflichtgefühl oder Langeweile ausgeübt, wodurch die Freude, der Erlebnischarakter, die Zufriedenheit und das Wohlgefühl verloren gehen. Für Aktivitäten mit einem hohen Spaßfaktor nehmen sich viele Bürger zudem zu wenig (Frei-)Zeit.“

Zwischen Nutzung und Spaß liegen oftmals große Unterschiede

Internet kann Spitzenplatz verteidigen

Von je 100 Befragten gehen der Aktivität regelmäßig nach, und von diesen sagen, die Aktivität macht viel Spaß:

 Aktivität macht SpaßGehen der Aktivität regelmäßig nach
Zeit mit dem Partner verbringen7564
Sex7135
In der Natur aufhalten7055
Spontan etwas machen6943
Ausschlafen6856
Wochenendfahrt 682
Tagesausflug machen686
Mit Tieren beschäftigen 6737
Persönlichem Hobby nachgehen6649
Essen gehen / Restaurant besuchen6610
Mit Freunden zu Hause treffen6417
Musik hören6483
Ausserhäuslich etwas mit Freunden machen6415
Mit Kindern spielen / etwas unternehmen6426
Unternehmung mit Enkeln/Großeltern6211
Faulenzen / Nichtstun / Chillen6160
Rock-/Pop-Konzerte besuchen601

Freizeitaktivität „Sich in der Natur aufhalten“: In Zukunft gern noch öfter

Zunehmend mehr Bundesbürger suchen einen Ausgleich zum vielen Zu-Hause-Sitzen und halten sich in der Natur auf. Ob auf Spaziergängen, beim Joggen, Radfahren oder Wandern, ob unter der Woche, am Wochenende oder im Urlaub, ob im Wald, am Wasser oder im eigenen Garten: Der Wunsch nach mehr Naturbezug in der Freizeit ist von zentraler Bedeutung für viele Bundesbürger.

Mehr als jeder zweite Bürger gibt an, sich regelmäßig – wenigstens einmal die Woche – in der Natur aufzuhalten. Innerhalb der Bevölkerung sind es vor allem Frauen, Landbewohner, Paare und formal Höhergebildete, die sich Zeit für diese Aktivität nehmen.

Im Ranking liegt der Spaßfaktor von „Sich in der Natur aufhalten“ sogar auf Platz drei. Und auch bei der Frage, welche Aktivität die Bürger in Zukunft gerne häufiger ausüben möchten, landet diese Beschäftigung weit vorne.

Die Gründe für die Natursehnsucht sind vielschichtig und reichen u.a. vom Wunsch nach Entschleunigung über die Suche nach Schönheit oder Abenteuern bis hin zu einem noch stärkeren Bewusstsein über die Natur durch öffentliche Diskussionen.

„Je stärker technische Entwicklungen den Alltag prägen, desto größer ist der Wunsch nach einem natürlichen Kontrast. Dieser Spagat zwischen Technik auf der einen und Natur auf der anderen Seite wird auch in Zukunft einen großen Einfluss auf unser Freizeitverhalten haben.“, ist sich Prof. Ulrich Reinhardt sicher.

In der Natur aufhalten

Mehr als jeder Zweite wenigstens einmal pro Woche in der Natur

Von je 100 Befragten halten sich so häufig in der Natur auf:

  
Täglich17
Mehrmals die Woche25
Wenigstens einmal die Woche12
Mehrmals im Monat21
Wenigstens einmal pro Monat6
Mehrmals im Jahr10
Seltener9

In der Natur aufhalten

Von je 100 Befragten halten sich wenigstens einmal pro Woche in der Natur auf:

  
Alle Befragten54
  
Frauen59
Männer50
  
Unter 34 Jahre55
35-54 Jahre52
Über 55 Jahre57
  
Land65
Großstadt43
  
Verheiratet59
Ledig49
  
Höher gebildet59
Geringer gebildet49

Drei von vier Bürgern zu Einschränkungen bereit

Von je 100 Befragten stimmen folgender Aussage zu:

 Möchte meine Freiheit und Unabhängigkeit behalten und das Leben genießen,
auch wenn dadurch die Umwelt nachhaltig beeinträchtigt wird
Bin bereit, Einschränkungen in meinen Konsum- und Lebensgewohnheiten
hinzunehmen, wenn dadurch Natur und Umwelt dauerhaft erhalten bleiben
20182971
20212773
   
Junge Erwachsene (18-24 Jahre)2377
Singles (25-49 Jahre)3268
Paare (25-49 Jahre)3070
Familien (25-49 Jahre)2674
Jungesenioren (50-64 Jahre)3565
Ruheständler (+65 Jahre)1783

Auf unserer Themenwebsite www.freizeitmonitor.de finden Sie ab sofort alle Ergebnisse der Studie im Detail. Dort haben Sie auch die Möglichkeit der interaktiven und individuellen Auswertung von Daten inkl. des Exports aller Grafiken und Charts.

Technische Daten der Untersuchung

Anzahl und Repräsentanz: Über 3.000 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren in Deutschland
Zeitraum der Befragung: August 2021
Methode: CAWI
Befragungsinstitut: Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), Nürnberg