Pflege von Angehörigen

Von je 100 Befragten pflegen in ihrer Freizeit Familie oder Freunde:

2010 wöchentlich 11 2010 monatlich 15 2010 Frauen 18 2010 Männer 11 2025 wöchentlich 13 2025 monatlich 19 2025 Frauen 22 2025 Männer 16
Online Repräsentativbefragung von 2.000 Personen ab 18 Jahren durch die GfK in Deutschland
Daten als Tabelle
Pflege von Angehörigen — Von je 100 Befragten pflegen in ihrer Freizeit Familie oder Freunde:
2010 wöchentlich11
2010 monatlich15
2010 Frauen 18
2010 Männer11
2025 wöchentlich13
2025 monatlich19
2025 Frauen 22
2025 Männer16

 

Ergebnis

Die Pflege von Angehörigen entwickelt sich zunehmend zu einer festen Säule im Alltag vieler Bundesbürger. Aktuell geben mehr als jeder achte Bürger (13 %) an, wenigstens einmal pro Woche einen Angehörigen zu pflegen. Betrachtet man den monatlichen Turnus, ist sogar fast jeder fünfte Bürger involviert. Im Vergleich zum Jahr 2010 zeigt sich ein deutlicher Anstieg der privaten Sorgearbeit, die damals von 15 % (monatlich) beziehungsweise 11 % (wöchentlich) geleistet wurde. Dabei bleibt die Pflege weiterhin ungleich verteilt: Frauen engagieren sich mit 22 % deutlich häufiger in der Betreuung von Angehörigen als Männer (16 %). Zwar holen Männer im Vergleich zu früheren Jahren langsam auf, doch die Hauptlast liegt nach wie vor bei den weiblichen Bürgern. Zudem zeigen sich regionale Unterschiede: In ländlichen Gebieten wird häufiger gepflegt als in Großstädten, was auf engere familiäre Strukturen, aber auch auf eine geringere Dichte professioneller Angebote zurückzuführen ist.

Gründe

Die Zunahme der häuslichen Pflege ist primär dem demografischen Wandel geschuldet. In einer alternden Gesellschaft mit einer wachsenden Zahl an Hochbetagten steigt das Risiko chronischer Erkrankungen, während gleichzeitig Fachkräfte fehlen. Dies führt zu einer faktischen Privatisierung der Pflege: Familien springen dort ein, wo staatliche oder institutionelle Strukturen nicht ausreichen. Dass Frauen diese Aufgabe häufiger übernehmen, ist oft noch in klassischen Rollenbildern begründet. Gleichzeitig ist die private Pflege ein enormer Wirtschaftsfaktor. Würde man die unbezahlte Arbeit der pflegenden Angehörigen, die zwei Drittel aller Pflegeleistungen ausmachen, monetarisieren, entspräche dies einem Wert von über 40 Milliarden Euro – vergleichbar mit dem halben Bundeshaushalt für Bildung und Forschung. Auf dem Land ist die familiäre Unterstützung oft alternativlos, da professionelle Dienstleister fehlen. Die Belastung für die Pflegenden ist dabei hoch: Der Krankenstand in Pflegeberufen liegt mit durchschnittlich 39 Tagen fast doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt, was die physischen und psychischen Herausforderungen dieser Tätigkeit unterstreicht.

Prognose

Die Pflege wird auch in Zukunft eine zentrale gesamtgesellschaftliche Aufgabe bleiben, die jedoch neuer Lösungsansätze bedarf. Ähnlich wie bei der Kinderbetreuung werden Forderungen nach steuerlichen Vorteilen, Lohnersatzleistungen oder der Anrechnung von Rentenpunkten für Pflegezeiten an Relevanz gewinnen. Es ist davon auszugehen, dass flexible Arbeitszeitmodelle und betriebliche Lösungen entscheidend sein werden, um Beruf und Sorgearbeit zu vereinbaren. Neben der familiären Unterstützung wird die Bedeutung ausländischer Fachkräfte weiter steigen; bereits heute hat sich deren Anteil in der Altenpflege seit 2013 auf 18 % mehr als verdoppelt. Ergänzend könnten technologische Innovationen – von Organisations-Apps bis hin zu Robotik nach japanischem Vorbild – sowie neue soziale Konzepte wie digitale Nachbarschaftshilfe zur Entlastung beitragen. Langfristig muss Pflege von einer individuellen Bürde zu einer anerkannten gesellschaftlichen Leistung transformiert werden.

Ihre Ansprechpartnerin

Ayaan Güls
Pressesprecherin

Tel. 040/4151-2264
Fax 040/4151-2091
guels@zukunftsfragen.de

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